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: Kontroverse um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis

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tih. Frankfurt, 7. Dezember. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist eine Auszeichnung mit wachsendem Renommee. Jahr für Jahr bewirbt sich eine wachsende Anzahl ...

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          tih. Frankfurt, 7. Dezember. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist eine Auszeichnung mit wachsendem Renommee. Jahr für Jahr bewirbt sich eine wachsende Anzahl von Unternehmen und Kommunen darum, sich mit diesem undotierten Titel schmücken zu dürfen. Zur Preisverleihung in Düsseldorf reisen stets eine Reihe hochrangiger Prominenter aus Bundespolitik, Wirtschaft und internationalem Showbusiness an.

          Zu dem nachhaltig harmonischen Schulterklopfen gesellte sich in diesem Jahr ein lauter Missklang. Die Jury unter Leitung des Generalsekretärs des Rates für nachhaltige Entwicklung, Günther Bachmann, hatte sich für einen umstrittenen Kandidaten entschieden: Sie setzte das Konsumgüterunternehmen Unilever auf eine Liste, die drei Anwärter für die Preiskategorie „Zukunftsstrategien“ enthielt. Zur Begründung hieß es, Unilever habe mit der Einführung seines „Sustainable Living Plan“ ein ambitioniertes Nachhaltigkeitsprogramm etabliert, mit Zielvorgaben bis zum Jahr 2020. Besonders gut gefiel der Jury die „Halbierung des ökologischen Fußabdrucks“ bei Herstellung und Gebrauch der Produkte, die Einbindung von 500 000 Kleinbauern in die Lieferantenkette und der Umzug in ein „umweltgerechteres“ Bürogebäude.

          Bei zwei Umweltinitiativen kam die Nominierung Unilevers alles andere als positiv an. Der Konzern täusche Kunden und verbreite Ökomärchen, schrieben „Robin Wood“ und „Rettet den Regenwald“ in einem Brief an die Preisverantwortlichen. Den Umweltschützern missfällt vor allem die Rolle des Konzerns als Palmölverarbeiter. Unilever sei einer der größten Einzelverbraucher des tropischen Pflanzenöls in Europa. „Vor allem die Unilever-Zulieferer Wilmar und IOI verstoßen immer wieder gegen Menschenrechte und zerstören durch ihren Palmölraubbau die letzten biologischen Hot Spots unserer Erde“, heißt es in dem Schreiben. Unilever sei sich der illegalen Methoden seiner Zulieferer bewusst und ändere dennoch nichts an den Geschäftsbeziehungen zu ihnen.

          Jury-Vorsitzender Bachmann verteidigte die Abstimmung. Die Aktivitäten des Konzerns könne man nicht fundamental als „Greenwashing“ abtun, also als ein Versuch des Unternehmens, sich nur ein grünes Image zu geben. Deshalb sehe man auch keine Veranlassung, das Votum für Unilever zurückzunehmen. Tatsächlich hat sich das Unternehmen gegen die beiden Wettbewerber, den Ventilatorhersteller EBM-Papst und das Müll- und Recyclingunternehmen Remondis, durchgesetzt. Bachmann wies während der Preisverleihung darauf hin, dass Unilever auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gewinnung von Palmöl sei, aber nicht am Ziel.

          Das Beispiel zeigt, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft angekommen ist, aber noch für Diskussionen sorgt. Weniger umstritten waren die übrigen Preisträger am Freitagabend: Als „nachhaltigstes Unternehmen“ wurde die GLS Bank ausgezeichnet, die „nachhaltigste Marke“ kommt vom Tiefkühlkosthersteller Frosta, und über die „nachhaltigste Zukunftsstrategie kleinerer und mittlerer Unternehmen“ verfügt die AfB gGmbH, die gebrauchte Computer weiterverkauft und dabei Behinderte beschäftigt.

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