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Kommentar zur Offenlegung der Bistumsfinanzen : Wichtiger Schritt

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Bistumsvermögen von 900 Millionen Euro: Das meiste Geld verwendet die Diözese Limburg für die Seelsorge, dazu zählen auch Kitas in kirchlicher Trägerschaft. Bild: F.A.Z.

Das Bistum Limburg hat erstmals seine Finanzen offengelegt. Das war ein wichtiger Schritt, denn die Verantwortlichen wissen, dass sie Vertrauen zurückgewinnen müssen.

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          Das Eingangstor zum Bischofssitz in Limburg ist geöffnet, als wäre es nie anders gewesen. Touristen betreten den Hof, lassen sich fotografieren, schlendern zum Dom. Die Szenerie in Limburg am Donnerstag taugt zum Idyll. Wäre da nicht die unrühmliche Vorgeschichte des Baus und seiner Finanzierung. Auch ihretwegen musste Franz-Peter Tebartz-van Elst seinen Bischofsstuhl räumen.

          Nun hat die Diözese erstmals ihre Finanzen offengelegt. Das war ein wichtiger Schritt, um Vertrauen zurückzugewinnen. Der Apostolische Administrator Manfred Grothe und sein Ständiger Vertreter Wolfgang Rösch wissen, dass es dazu keine Alternative gibt. Und auch Finanzdezernent Gordon Sobbeck steht voll und ganz hinter der neuen Transparenz. Das sind ermutigende Zeichen dafür, dass das Bistum auf einem guten Weg ist. Dazu gehört auch das vor kurzem abgegebene Schuldeingeständnis des Domkapitels.

          8000 Katholiken im Bistum treten aus Kirche aus

          Zugleich wissen alle Verantwortlichen, dass dieser Weg noch lang sein wird. Wie groß angesichts des früheren Führungsstils im Bistum und von Tebartz’ Bauprojekt der Vertrauensverlust ist, zeigen nicht zuletzt die gestern veröffentlichten Kirchenaustrittszahlen. Fast 8000 Katholiken in der Diözese haben ihrer Kirche im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt, 3500 mehr als 2012. „Jeder Austritt ist für uns ein Signal“, sagt Grothe. Das klingt nach viel Arbeit.

          Ebenso wie das Ausmaß des Zuspruchs, das verletzte Mitarbeiter nach wie vor brauchen, wie es scheint. Es gibt Schilderungen aus der Zeit Tebartz-van Elsts, die selbst Grothe, einem erfahrenen Kirchenmann, nahegehen sollen. Im Bistum sind noch viele Schritte nötig, bis die Neuwahl eines Bischofs angegangen werden kann und Normalität einzukehren beginnt.

          Grothe und Rösch sind am richtigen Platz, um diese Schritte möglich zu machen - als Kenner der Verwaltung wie als Seelsorger. Sie wissen, dass zu einer Beruhigung nicht nur große Kraftanstrengungen zur persönlichen wie institutionellen Bewältigung der tiefen Krise und beachtenswerte Zeugnisse neuer Transparenz gehören, sondern auch die Konzentration auf das Tagesgeschäft. Rösch bringt das auf den Punkt, wenn er sagt: „Wir sind in der Aufarbeitung ein gutes Stück weiter, auch durch das normale Weiterarbeiten.“ Auch diese Einsicht ist wichtig.

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