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Klaus-Peter Siegloch im Interview : „Die Bahn hat die Luftfahrt beim Lärm überholt“

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Laut oder leiser? Der Frankfurter Flughafen ist Deutschlands größte Drehscheibe für den Luftverkehr Bild: dpa

Leisere Flugzeuge und viel Überzeugungsarbeit - so versucht die Luftfahrt ihre Kritiker zu besänftigen. Im politischen Berlin will die Branche nicht mehr länger hinter Straße und Schiene zurückstehen.

          Herr Siegloch, seit drei Jahren sind Sie Präsident des Luftfahrtverbands BDL. Mögen Sie es laut?

          Flugzeuge machen Lärm, das streite ich nicht ab. Insgesamt sinken die objektiven Lärmmesswerte aber, und auch die subjektiv empfundene Lärmbelastung nimmt ab. Laut einer regelmäßigen Umfrage des Bundesumweltministeriums fühlen sich 6 Prozent der Deutschen durch Fluglärm gestört, das sind 9 Prozentpunkte weniger als im Jahr 2000. Von lauten Zügen fühlen sich 15 Prozent der Deutschen gestört. Die Bahn hat die Luftfahrt beim Lärm also überholt.

          Das klingt so, als ob es kein großes Fluglärmproblem gäbe. Proteste von Bürgern - wie die Montagsdemonstrationen am Frankfurter Flughafen - lassen etwas anderes vermuten.

          Jeder Ausbau der Flughafeninfrastruktur führt zunächst einmal zu neu Betroffenen, auch bei der neuen Landebahn in Frankfurt. Im Gegenzug ergibt sich für viele Menschen eine Entlastung. Diese Personen sind aber in der Debatte kaum zu hören, ebenso wenig wie die vielen Menschen, die dem Flughafen ihren Arbeitsplatz verdanken. Hinzu kommt: Wenn wir von Fluglärm mit einem Wert von 55 Dezibel sprechen, dann denken viele an eine übermäßige Belastung. Doch schon das Brabbeln eines Babys oder das Plätschern eines Bachs sorgen für 60 Dezibel. Wenn sich zwei Personen wie wir unterhalten, ergeben sich Lautstärken zwischen 55 und 65 Dezibel. Flugzeugtriebwerke sind nicht mehr so laut wie vor 60 Jahren, sie sind um 80 Prozent leiser geworden.

          Klaus-Peter Siegloch: Der frühere Fernsehjournalist arbeitet seit drei Jahren als Lobbyist. Er ist Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL)

          Die Zahl der Starts und Landungen ist aber gestiegen.

          Viele Bürger gehen davon aus, dass die Zahl der Fluglärm-Betroffenen ständig steigt. Das stimmt so nicht. Heute sind nicht mehr, sondern weniger Menschen betroffen als vor einigen Jahren. In Hessen, wo mit dem Frankfurter Flughafen Deutschlands größtes Luftverkehrsdrehkreuz steht, sank die Zahl der Betroffenen von 2007 bis 2012 laut offizieller Lärmkartierung um 17 Prozent. Trotz neuer Landebahn. Das Landesamt für Umwelt und Geologie nennt aktuell die Zahl von 197 372 Bürgern, die von Fluglärm mit mehr als 55 Dezibel betroffen sind. Betrachtet man nur die Nacht, ergibt sich sogar ein Rückgang um 44 Prozent - wegen des Nachtflugverbots, das seit der Eröffnung der neuen Landebahn gilt.

          Den Anwohner im Frankfurter Süden beruhigen diese Werte nicht. Er hat eine neue Landebahn in seine Nachbarschaft gesetzt bekommen.

          Es ist ein Irrtum, dass Flughäfen grundsätzlich den Anwohnern immer näher kommen. Am Beispiel des Flughafens Köln können wir belegen, dass die Siedlungsgebiete häufig auch an den Flughafen heranrücken und nicht umgekehrt. Oder nehmen wir Flörsheim bei Frankfurt: Dort wurden neue Häuser direkt in die Einflugschneise für die Landebahn gebaut. Solche Entscheidungen, die die Politik zu verantworten hat, konterkarieren die Anstrengungen, weniger Menschen durch Fluglärm zu belasten.

          Wie wollen Sie erreichen, dass über Fluglärm weniger laut debattiert wird?

          Das Thema wird in der öffentlichen Diskussion überhöht, viele Fakten fallen dabei unter den Tisch. Dem können wir nur mit mehr Information begegnen. Darum haben Flughäfen, Fluggesellschaften und Flugsicherung eine neue Internetseite zum Thema Fluglärm gestartet. Unter Fluglärm-Portal.de können Betroffene nun nachlesen, was die Branche tut, um Fliegen leiser zu machen, und was Schutzmaßnahmen wie der Einbau von Spezialfenstern beitragen können, um die Belastung zu verringern.

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