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Klaus-Peter Siegloch im Interview : „Die Bahn hat die Luftfahrt beim Lärm überholt“

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Sie verlangen auch ein Luftverkehrskonzept für Deutschland. Warum ist ein weiteres Papier aus dem Politikbetrieb für die Branche so wichtig?

Ich finde es verblüffend, dass es einen Bundesverkehrswegeplan gibt, in dem für Straßen, Bahnen und Wasserwege festgelegt wird, welche Projekte Vorrang haben, aber die Luftfahrt fehlt darin völlig. Von der Logik her muss das zusammen gedacht werden: Passagiere und Fracht gelangen über Straßen oder mit der Bahn zum Flugzeug. Ein Luftverkehrskonzept ist nötig, um Leitlinien festzuschreiben, wie der Luftfahrtstandort Deutschland gestärkt und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten werden soll.

Was soll in solch einem Konzept stehen?

Es müssen Flughäfen bestimmt werden, die für Deutschland und seine Wirtschaft besonders wichtig sind, und zwar sowohl im Passagier- als auch im Frachtverkehr. Dazu kommt auch die Frage, an welchen Flughäfen Nachtflüge möglich sein müssen. Wenn es ein von Bund und Ländern getragenes Konzept gibt, das sagt, dass ein Flughafen wichtig ist, dann gibt das Planungssicherheit - für die Wirtschaft wie auch für die Bürger. Doch in dem Konzept muss es um mehr gehen als um die Planung eines nationalen Flughafennetzes. Wir müssen auch Antworten darauf finden, wie wir bei geplanten Infrastrukturvorhaben die Anwohner frühzeitig einbinden können, ohne neue bürokratische Verwaltungsverfahren einzuführen.

Die wenigen Starts an vielen Regionalflughäfen erwecken den Eindruck, dass diese Flughäfen nicht besonders wichtig sind. Können diese Flughäfen überhaupt bestehen?

Wenn sich ein Flughafen nicht am Markt bewährt, weil ihm die Passagiere fehlen, wird er es schwer haben. Nach einer Anlaufzeit muss jeder Flughafen mindestens die Kosten des laufenden Betriebs verdienen. Verkehrsstarke Flughäfen schaffen es auch, den Bau von Landebahnen und Terminals aus eigener Kraft zu finanzieren. Kleinere Flughäfen benötigen dafür Unterstützung. Allerdings darf es keine dauerhaften Betriebskostenzuschüsse geben. Das deckt sich mit den aktuellen Vorgaben aus Brüssel. Die EU-Kommission hat mit ihren Leitlinien zur Flughafenfinanzierung einen fairen Kompromiss gefunden.

Droht ein Flughafensterben?

Für einen Abgesang auf kleinere Flughäfen ist es zu früh. Die von der EU beschlossene Übergangsfrist, bis Flughäfen zumindest die Kosten ihres Betriebs selbst erwirtschaften müssen, beträgt zehn Jahre. Den meisten Flughäfen gelingt das schon heute. Und in zehn Jahren kann sich noch vieles ändern, in diesem Zeitraum können auch Regionalflughäfen gesunden. Ich rechne mit der Kreativität der Chefs von Flughäfen und Fluggesellschaften. Wenn wir vor 20 Jahren miteinander gesprochen hätten, wären wir niemals auf die heutige Konstellation gekommen. Zwar haben finanzielle Anreize zum Aufkommen von Flugverkehr in der Region beigetragen. Es wurde aber auch ein neuer Markt erschlossen, eine Demokratisierung der Flugreisen hat stattgefunden.

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