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Klaus-Peter Siegloch im Interview : „Die Bahn hat die Luftfahrt beim Lärm überholt“

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Im Garten im Frankfurter Süden wird es dadurch nicht leiser. Hilft eine weitere Internetseite, die von der Luftfahrtbranche selbst kommt, die Lärmdebatte zu beruhigen?

Natürlich wird es allein durch das Fluglärm-Portal nicht leiser. Wir können den Bürgern auch nicht versprechen, dass eines Tages Flugzeuge lautlos starten und landen. Unser Ziel ist es, Diskussionen zu versachlichen und das Thema so nüchtern und objektiv wie möglich darzustellen. Jeder soll sich selbst seine Meinung bilden können.

Informationen mögen gut und wichtig sein. Was unternehmen die deutschen Luftfahrtunternehmen denn noch, damit weniger Menschen über Fluglärm als Problem klagen?

Fluglärm lässt sich verringern, das beweist die Branche seit Jahrzehnten. Jede Flugzeuggeneration ist leiser als die vorherige, weil Triebwerke, Rumpf und Flügel andauernd verbessert werden. Ein weiterer Trend ist, dass zwar immer mehr Passagiere fliegen, die Anzahl der Flüge aber nicht in gleichem Maße wächst. Denn die Fluggesellschaften schaffen Flugzeuge mit mehr Plätzen an und verbessern ihre Auslastung. Die deutsche Luftfahrt investiert in moderne Flugzeuge im Wert von mehr als 30 Milliarden Euro. Die Auslieferung von 279 Flugzeugen steht in den nächsten Jahren an. Das ist das beste aller Schallschutzprogramme.

Warum geben Fluggesellschaften Milliarden für neue Flugzeuge aus? Anwohner wären schon dankbar, wenn sie abends eine Stunde eher Ruhe hätten.

Mit neuen Flugzeugen können die Fluggesellschaften leiser und auch wirtschaftlicher fliegen, weil der Kerosinverbrauch sinkt. Im Gegenzug stellen sie ältere Maschinen, die lauter und weniger energieeffizient sind, außer Dienst. Für derart große Investitionen müssen aber faire Rahmenbedingungen herrschen. Die deutschen Unternehmen dürfen nicht durch Abgaben wie die Luftverkehrssteuer zusätzlich belastet werden. Und zu fairen Rahmenbedingungen gehören auch international wettbewerbsfähige Betriebszeiten.

Was heißt das?

Die deutschen Flughäfen und Fluggesellschaften brauchen die bestehenden Betriebszeiten. Mit der Nachtpause von 23 bis 5 Uhr ist Frankfurt bereits das Luftfahrtdrehkreuz mit den stärksten Einschränkungen auf der ganzen Welt. Beschneidet man die Betriebszeiten weiter, verliert der Standort massiv an Attraktivität. Internationale Gesellschaften steuern dann für Umsteigeverbindungen andere Städte an. Frankfurt behält dann zwar den Flughafen, der wäre aber kein Drehkreuz mehr. Lange Nachtflugverbote schaden der ganzen Branche und darüber hinaus der gesamten deutschen Wirtschaft.

Die Luftverkehrssteuer abschaffen - das fordern Sie seit Jahren, allerdings ohne Erfolg. Ist das Verhältnis zur deutschen Politik getrübt?

Aktuell genießen wir leider etwas weniger Aufmerksamkeit als in früheren Jahren. Es ist zwar nicht so, dass in Bezug auf Verkehrspolitik nur über die Pläne für die Pkw-Maut geredet wird, doch die großen Konfliktlinien in der aktuellen politischen Debatte liegen woanders. Darum werden wir nicht müde, unsere Belange immer wieder vorzutragen. Und wir merken auch, dass die Politik zunehmend erkennt, dass die deutsche Luftfahrt auf eine schwierige Phase zusteuert.

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