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Katholische Kirche : Rom hat gefragt, der Fall ist eröffnet

Gottesdienst in der St.-Lambertus-Kirche in Immerath: „Eine starke Differenz“ zwischen der Lehre der katholischen Kirche und den Auffassungen der Gläubigen Bild: dpa

Die Lehre der katholischen Kirche über Ehe und Familie wird auch von engagierten Katholiken als „welt- und beziehungsfremd“ angesehen. Das ist das Ergebnis tausender Antworten im Erzbistum Köln auf einen Fragebogen des Vatikans.

          Die Lehre der katholischen Kirche über Ehe und Familie wird auch von engagierten Katholiken als „welt- und beziehungsfremd“ angesehen. Wie aus einer am Freitag veröffentlichten Zusammenstellung von Meinungsäußerungen mehrerer tausend Katholiken im Erzbistum Köln hervorgeht, gelten insbesondere das Verbot vorehelicher sexueller Beziehungen und jeder Form künstlicher Empfängnisverhütung für die persönliche Lebensführung als irrelevant.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Auf nahezu einhelligen Widerspruch stoßen der Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener vom Empfang der Sakramente sowie die Ächtung von Homosexualität und homosexuellen Partnerschaften. „Die Rückmeldungen sind zu verstehen als Wahrnehmung der Befragten“, heißt es in dem Dokument, das die Hauptabteilung Seelsorge des Erzbischöflichen Generalvikariats zusammengestellt hat.

          „Kein Abstimmungsergebnis...“

          Es versammelt die Stellungnahmen aus den Stadt- und Kreisdekanaten sowie den katholischen Verbänden zu einem ausführlichen Fragebogen, der im Vatikan formuliert wurde und der Vorbereitung der Familiensynode im kommenden Herbst dienen soll. Daher seien die Antworten auch „kein Abstimmungsergebnis über bestimmte inhaltliche Fragen noch die Meinung des Erzbischofs“.

          Der Kölner Erzbischof, Kardinal Meisner: Diskrepanz zu den Gläubigen?

          Gleichwohl sprechen die Autoren der Zusammenschau angesichts der zum Teil sehr ausführlichen und differenzierten Rückmeldungen von einem „sehr ausdrucksstarken Gesamtbild“ - auch wenn dieses nicht nur belegt, wie „eklatant“ die Lebenswelten von Kirche und Gesellschaft auseinanderdriften. Nicht minder eklatant ist die Diskrepanz zwischen dem, was das Lehramt der Kirche für unabdingbar hält, und dem, was kirchenverbundene Katholiken für gut halten.

          Summarisch heißt es, das Modell naturrechtlicher Legitimation von Sexualnormen sei kaum noch geeignet, „individuell beanspruchte Freiheitsgrade“ zu beeinflussen. Eingebettet ist dieser Befund in die Feststellung, dass Glaube und Glaubenspraxis zunehmend auch in christlichen Familien „verdunsten“. So werde in den allermeisten Familien nicht mehr gebetet. Zu beobachten seien außerdem eine „zunehmende Unsicherheit und Sprachlosigkeit in Bezug auf den eigenen Glauben und die Vermittlung an die nachfolgende Generation“.

          „Ehe und Familie als Chance und Herausforderung“

          Dabei werden Ehe und Familie als Lebensform unter Katholiken keineswegs geringgeschätzt. Es sei immer noch ein deutliches Gespür dafür vorhanden, „was verlässliche Beziehung und Familie für den Einzelnen als Chance und Herausforderung bedeutet“, heißt es in dem Kölner Dokument.

          Wer jedoch an dem Ideal scheitere oder in der Lebenspraxis und Sexualmoral eigene Wege gehe, müsse die Kirche auch als einen Ort der Barmherzigkeit und der Begleitung auf dem Lebensweg erfahren können. Wenn etwa nahezu alle Paare, die kirchlich getraut werden wollten, schon vorher zusammenlebten und viele schon Kinder hätten, dann sei darin weniger eine (kirchlich abgelehnte) „Ehe auf Probe“ als der (wertzuschätzende) ernsthafte Wille zu erkennen, eine gemeinsame Zukunft zu gestalten.

          In diesem Sinn haben viele Katholiken zu erkennen gegeben, dass die Kirche die Familie viel stärker als bisher „stark machen“ sollte. Die Botschaften von der Basis lauten: „Nicht Vorschriften machen, sondern ermutigen und unterstützen, solidarisch sein.“

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