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Ein Deutscher bei der Darts-WM : Pfeile und Pfunde

Alles im Blick und den Pfeil im Anschlag: Jyhan Artut aus Hannover Bild: dpa

Drei Deutsche starten bei der diesjährigen Darts-WM in London. Einer von ihnen, Jyhan Artut, will gar Rekord-Champion Taylor stürzen. Das wäre eine handfeste Sensation und könnte seinem Sport hierzulande zum Durchbruch verhelfen.

          Jyhan Artut fällt auf, wenn er sich im Kreis der Darts-Spieler bewegt. Der 38 Jahre alte professionelle Pfeilewerfer aus Hannover ist recht schlank und somit eine Ausnahme im Turnierzirkus des Profi-Darts-Verbands PDC, der bis zum 4. Januar in London seine Weltmeisterschaft ausspielt. Dort dominieren auch in diesem Jahr wieder die übergewichtigen Stars der Szene wie Rekordweltmeister Phil Taylor oder dessen schärfste Gegner der vergangenen Jahre, Titelverteidiger Michael van Gerwen und Adrian Lewis. „Man sagt ja, dass dicke Leute gemütlicher sind. Vielleicht ist es diese Ruhe, die ein Vorteil ist. Aber sonst sehe ich keinen Nutzen des Übergewichts“, sagt Artut. „Aber ein kleines Bäuchlein habe ich mittlerweile immerhin auch.“

          Vielleicht ist er auch dank dieser Energiereserven mit der verwegenen Hoffnung nach London gereist, endlich einmal den großen Wurf landen zu können, auf den die deutsche Darts-Szene seit Jahren sehnlichst wartet. Die Darts-Vermarkter von der PDC bemühen sich im Doppelpass mit dem Sportsender „Sport 1“ zwar vehement darum, den deutschen Markt zu erschließen. Aber noch fehlt das deutsche Zugpferd, das zum Durchbruch verhilft. Immerhin sind schon jetzt die Hallen bei den zahlreichen Turnieren stets gut gefüllt, weil sich gerade Superstar Phil Taylor oft in Deutschland blicken lässt.

          Vom Hilfsarbeiter zum Multimillionär

          Dann herrscht eine bierselige Festzeltatmosphäre, wie sie auch in diesen Tagen in London das Bild vom Darts prägt. Während oben auf einer gut 40 Meter breiten Bühne zwei Männer abwechselnd mit je drei Würfen auf eine mit unterschiedlich wertvollen Feldern versehene Scheibe versuchen, möglichst schnell die 501 Punkte herunterzuspielen, singen sich die Engländer mit Anfeuerungsgesängen und Schlachtrufen in Stimmung. „Das ist tatsächlich eine riesige Herausforderung und unvergleichlich“, sagt Artut, der schon zweimal Erfahrungen mit dem Publikum in London gesammelt hat. „Je später der Abend wird, desto wilder werden die Zuschauer direkt neben dir.“ Bislang war diese Atmosphäre für die stets erfolglosen deutschen Spieler offenkundig zu beeindruckend. Immerhin sind in diesem Jahr neben Artut wieder zwei weitere deutsche Spieler qualifiziert, der ebenfalls am Freitag ins Turnier startende Sascha Stein und das 18 Jahre alte Talent Max Hopp.

          „Wir alle haben in den vergangenen Monaten Respekt abgebaut, der uns bislang am Siegen gehindert hat“, sagt Artut. „Ich bin deshalb sehr zuversichtlich, dass in den nächsten zwei, drei Jahren einer von uns einen Coup landen wird.“ Wenn das Artut zum WM-Auftakt gelingen sollte, wären ihm die Schlagzeilen im dartsverrückten England sicher. Denn er trifft in seinem Erstrundenmatch auf Superstar Taylor. Der 54 Jahre alte Engländer hat 16 Weltmeistertitel gewonnen und ist durch seinen Sport vom Hilfsarbeiter zum Multimillionär geworden. Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren ein Ende seiner Herrschaft beschworen, der Meister schlug aber stets zurück und sieht sich abermals gerüstet. „Ich hatte jede Menge Zeit zur Vorbereitung. Dadurch habe ich vielleicht die besten Chancen, die WM zu gewinnen“, sagte er bei „Sport 1“.

          „Ein gefährlicher Gegner“

          Artut geht als absoluter Außenseiter in das Duell. Für keinen anderen Erstrundensieg bieten die englischen Buchmacher eine höhere Wettquote (13:1) an. Gerade in den frühen Runden des Turniers stehen die Chancen auf einen Sieg gegen Taylor indes besser als im späteren Turnierverlauf. Während Taylor in Bestform fast nach Belieben die Pfeile aus 2,37 Metern Entfernung in das nur acht Millimeter hohe Dreifach-20-Feld steuert und die Spiele mit dem durch die Regeln vorgegebenen Treffer in ein Doppelfeld am äußeren Ring der Scheibe beendet, wandelte er zu Turnierbeginn zuletzt oft wieder am Abgrund. Entsprechend vorsichtig begegnet er seinem deutschen Gegner. „Jyhan hat ein gutes Jahr auf der Tour gespielt und ist ein gefährlicher Gegner“, sagt Taylor. Ein Blick in die Preisgeldrangliste rückt die Verhältnisse freilich zurecht: Während der auch als Werbestar gefragte Taylor allein bei Turnieren Einnahmen von 700.000 englischen Pfund (885.000 Euro) erzielt hat, musste sich Artut mit einem Dreißigstel davon begnügen.

          Artut schöpft aber Hoffnung aus seinem bislang aufsehenerregendsten WM-Auftritt. Vor drei Jahren hatte er den Weltklassespieler Gary Anderson am Rand der Niederlage. „Das Spiel war mir eine Lehre und ich denke, dass ich das jetzt regeln würde. Aber endgültig kann ich das nur zeigen, wenn ich nochmals in diese Situation komme“, sagt er.

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