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IVG Immobilien : Tänzer am Abgrund

Wolfgang Schäfers Bild: IVG

Der Chef des angeschlagenen Immobilienkonzerns IVG, Wolfgang Schäfers, kämpft um das Überleben des Konzerns - doch viel zu verhandeln gibt es für den ehrgeizigen Manager nicht mehr.

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          Es war denkbar knapp, die Uhr für eine Rettung des Immobilienkonzerns IVG eigentlich schon abgelaufen. Aber seit dem Wochenende mit der Grundsatzeinigung wichtiger Gläubiger über einen Schuldenschnitt kann Wolfgang Schäfers wieder kurz durchatmen, bevor die Gespräche weitergehen. Im März hatte er die Schieflage öffentlich eingestanden, seitdem tanzt er mit dem Unternehmen am Abgrund. Viel zu verhandeln gibt es für den Vorstandsvorsitzenden nicht mehr. Ihm sitzen Hedgefonds und Finanzinvestoren gegenüber, die große Teile der Bankschulden und Anleiheforderungen aufgekauft haben und jetzt über das Schicksal der IVG bestimmen.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Wenn sie nicht mitspielen, ist das Unternehmen am Ende. In diesem Poker fällt Schäfers derzeit vor allem die Rolle eines Moderators zu. Mit viel Übersicht, wie es heißt, versucht er, den Interessenausgleich zwischen den verschiedenen Gläubigergruppen zu erleichtern. Ebenso beharrlich wirbt der Langstreckenläufer um neues Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der IVG und ihren „starken gesunden Kern“, um ein Insolvenzverfahren abwenden zu können. Ganz zum Schluss, wenn es denn überhaupt so weit kommt, wird er auch noch die Aktionäre überzeugen müssen.

          Altlasten, Pleiten, Pannen

          Sie sollen praktisch leer ausgehen: Der geplante Kapitalschnitt würde ihnen nach bisherigem Stand nur 0,5 Prozent ihrer Altanteile lassen. Als Schäfers im Februar 2009 als Finanzvorstand zur IVG wechselte, war er noch guter Hoffnung, die Dinge für die Anleger bald zum Besseren wenden zu können. Hohe Wertkorrekturen auf den eigenen Immobilienbestand, Notverkäufe und die Baukostensteigerung für das Prestigeprojekt „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen hatten tiefe Löcher in die Bilanz gerissen. In der Privatbank Sal. Oppenheim, damals bestimmender Großaktionär der IVG, wurde man unruhig und entschied sich für einen eigenen Mann als Sanierer. Die Wahl fiel auf Schäfers.

          Als langjähriger Leiter des Investmentbankings für Immobilienkunden hatte sich der ehrgeizige Manager mit der hohen Stirn einen hervorragenden Ruf erworben. Dass er sein Handwerk versteht, hatte Schäfers, der 1965 im westfälischen Erwitte geboren wurde, zuvor bei der Unternehmensberatung Arthur Andersen bewiesen, wo er es bis zum Partner brachte. Zusammen mit dem IVG-Vorstandsvorsitzenden Gerhard Niesslein machte sich der Finanz- und Immobilienfachmann, der an der Universität Mannheim studiert hat und an der European Business School in Oestrich-Winkel promoviert wurde, an die Aufräumarbeiten.

          Zunächst ging alles glatt. Ende 2009 glaubte Schäfers, das Ende der Krise ausrufen zu können. Doch die Altlasten ließen den Konzern nicht los. Unerwartete Abschreibungen und die nicht enden wollende Serien von Pleiten und Pannen um „The Squaire“ machten alle Planungen zunichte. Im November 2011 übernahm Schäfers den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Sein Vertrag läuft bis Ende 2014. Manche Beobachter fragen sich allerdings bereits, wie viel er noch zu sagen hat. Denn seit Ende Mai sitzt mit Hans-Joachim Ziems ein ausgewiesener Sanierungsexperte mit im Vorstand und soll die Restrukturierung vorantreiben.

          Die beiden arbeiteten eng zusammen, dies jedoch mit klarer Rollenverteilung zwischen Vorstandssprecher und Vorstandsmitglied. An seinem „Zweitjob“ als Professor am Lehrstuhl für Immobilienmanagement an der Uni Regensburg hält Schäfers trotz der zusätzlichen Verantwortung fest – auch wenn es dazu mehrfach Rückfragen kritischer Aktionäre gegeben hat. Schäfers findet, an seinem Lehrauftrag sei nichts auszusetzen, weil er ihn ausschließlich in seiner Freizeit betreibe: Wer seinen Vorlesungen folgen will, muss am Samstag im Hörsaal erscheinen.

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