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Reaktionen auf Terroranschlag : Hass im Netz

Die Tat der „Charlie Hebdo“-Attentäter sorgt auf islamistischen Internetseiten für Freude. Bild: AFP

Im Internet gibt es nicht nur Anteilnahme für die Opfer des Anschlags auf „Charlie Hebdo“. Islamisten freuen sich im Netz über die Tat und rufen andere dazu auf, es den beiden Attentätern gleich zu tun.

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          Ein Ausspruch und das Bild des Al-Qaida-Gründers Usama Bin Ladin wurden oft bemüht: „Wenn eure Redefreiheit keine Grenzen kennt, dann öffnet eure Herzen für unsere Handlungsfreiheit.“ Ein Twitter-Konto, das sich als deutscher Ableger des syrischen Al-Qaida-Ablegers Nusra-Front darstellt, verbreitete die Worte des toten Terrorführers mit der Botschaft: „Diese Aussage setzt den Punkt für den heutigen Anschlag.“

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          In den sozialen Netzwerken im Internet wurden die Pariser Attentäter („unsere französischen Brüder“) von Gleichgesinnten für ihre Taten gefeiert. „Ihr habt uns in unserem Haus angegriffen, wir greifen euch in eurem Haus an“, äußert ein radikaler Islamist in französischer Sprache. „Möge Allah sie belohnen“, schrieb ein deutscher Extremist auf Facebook. Die Aufnahmen der kaltblütigen Erschießung eines am Boden liegenden Polizisten werden im Netz verbreitet und auch mit elegischen Propagandaklängen unterlegt. Videos solcher Morde und Machart hat es schon zuhauf aus Syrien oder dem Irak gegeben - jetzt ist Paris der Schauplatz.

          Bild: Twitter

          Und so mischen sich in die Lobpreisungen für den feigen Anschlag auch Drohungen und Ermunterungen an die Szene, es den Mördern von Paris gleichzutun. „An die Löwen des Islam in #Deutschland und #Österreich Auch diese haben ein #CharlieHebdo nötig so zeigt Allah von euch gutes“, schreibt ein Twitter Nutzer, der seinen Account mit einer schwarzen Al-Qaida-Flagge und einem, Arrangement von Koran, Kopfhörer und Kalaschnikow bebildert. Der „Islamische Staat“ sei auch in der französischen Hauptstadt, heißt es etwa. Eine Collage, die an das Cover eines Computer-Kriegsspiels erinnert, zeigt Panzer unter dem Banner der Dschihadisten in blauem Nebeldunst auf den Eiffelturm zurollen, um dessen Spitze Hubschrauber kreisen.

          Bild: Twitter

          In einem dschihadistischen Propagandavideo wird verkündet, auch wenn es noch 20 Jahre dauere - irgendwann würden die „Ungläubigen“ gerichtet werden. „Wir sagten bereits, dass eine neue Zeit angekommen ist“, heißt es in einem Tweet. Oder: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Angriff auf Feinde des Islams in einem Islam Feindlichen Land.“

          Bild: Twitter

          Solche Botschaften sind zum Teil mit dem Schlagwort (Hashtag) #CharlieHebdo versehen, das auch die meisten anderen zur Markierung ihrer Twitterbeiträge benutzen. So können sie sich neben den Verurteilungen und Beileidsbekundungen von Politikern oder den neuen Meldungen der Journalisten wiederfinden.

          Tatverdächtiger im Video : „Rechtfertigung für meinen bevorstehenden Tod“

          Noch Tage nach dem Anschlag bekannte sich keine Organisation zu der Tat. Fachleute für dschihadistischen Terrorismus in den deutschen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass entsprechende Verlautbarungen nicht verbreitet werden, solange die Attentäter noch auf der Flucht sind und der Fall nicht abgeschlossen ist.

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