https://www.faz.net/-1v0-7uy6w

Im Kino „The Salvation“ : Leichen pflastern alle Wege

  • -Aktualisiert am

Mads Mikkelsen als Schmerzensmann in Kristian Levrings Western „The Salvation“ Bild: Concorde Film

Wo Gewalt herrscht: In Kristian Levrings Western „The Salvation“ verliert Mads Mikkelsen alles. Doch seine Rache ist blutig.

          2 Min.

          In so einer Postkutsche im Wilden Westen konnte es ganz schön eng werden. Da sitzen auf der einen Bank drei rechtschaffene Leute: Der blonde Jon aus Dänemark, der schon vor einer Weile nach Amerika kam, hat gerade seine Frau Marie und seinen Jungen Kresten am Bahnhof abgeholt. Sieben Jahre haben sie einander nicht gesehen, jetzt liegt nur noch ein Stückchen Weges bis zu ihrer Farm vor ihnen. Auf der Bank gegenüber sitzen zwei Rüpel. Typische Vertreter einer Spezies Mann, die in diesen Gegenden eine Zeitlang unter sich war.

          Doch 1871 gibt es schon Anzeichen von Zivilisation. Dass Jon mit seiner Familie die Postkutsche nimmt, ist wohl auch eines. Es ist ein Fehler, das wird spätestens in dem Augenblick klar, in dem einer der beiden gegenübersitzenden Männer Marie einen Schluck aus seiner Pulle anbietet. Sie würde gerne ablehnen, um des lieben Friedens willen trinkt sie aber doch. Trotzdem wird es nichts mit dem lieben Frieden.

          Kristian Levrings Western „The Salvation“ beginnt mit einer übel schieflaufenden Familienzusammenführung, und er endet mit zwei versprengten Überlebenden. Dazwischen wird in der bewährten Manier des Genres das Verhältnis von Gesetz und Gewalt neu bestimmt. Levring und sein Ko-Autor Anders Thomas Jensen gehen dabei von einem dezidiert schwachen Gesetz aus. Die Folge ist, dass in „The Salvation“ Gewalt auf Gewalt trifft, nur im Zentrum der Erzählung gibt es noch eine andere Facette. Denn dieser blonde Hüne Jon, den der ehemalige Bond-Schurke Mads Mikkelsen spielt, ist ganz schön lang vor allem ein Schmerzensmann.

          Der Opfergang zuerst

          Er steckt ein, er hängt am Holz, das Blut rinnt ihm über das Gesicht, die Füße zappeln im Leeren. Weiß er selbst nicht so recht, was in ihm steckt? Oder wissen Levring und Jensen es nicht, weil sie mit der Dramaturgie ihrer Geschichte nicht zurechtkommen? „The Salvation“ ist ja ein starker Titel. Aus den Religionen wissen wir, dass Erlösung kaum einmal ohne einen Opfergang zu haben ist. Und so zielt dieser Film auf den ganzen heilsgeschichtlichen Parcours, der in den großen Western oft steckt, versucht ihn aber in das Format eines schlanken Genrefilms zu zwängen.

          Die geläufigste Ausprägung hat dieses Format in frühen Filmen mit Clint Eastwood bekommen. Ein Fremder ohne Namen kommt in eine Stadt, die unter dem Joch gesetzloser Männer steht, und sorgt dort für Ordnung. Jon ist ein Fremder ohne Familiennamen, ihm steht ein Mann namens Delarue, gespielt von Jeffrey Dean Morgan, gegenüber, der sein Gewaltregime in der kargen Gegend, in der „The Salvation“ spielt, mit bemerkenswert zynischen Handlungen bekräftigt. An der Seite von Delarue gibt es auch noch eine schöne Frau, die dunkelhaarige Madeleine (Eva Green), durch deren Lippen sich eine auffällige Narbe zieht.

          In gespenstischer Halbnacht

          Einer der Schergen von Delarue ist ein Korse, der wiederum keinen Familiennamen hat, sondern seine Nationalität muss reichen, wenn jemand ihn anspricht. Den Korsen spielt der ehemalige Fußballstar Eric Cantona, der den verwegensten Bart diesseits des derzeit modisch angesagten Imamismus trägt, in seiner Rolle darüber hinaus aber nicht wirklich glänzen kann. Sie ist einfach zu eindimensional.

          Der größte Vorzug, den „The Salvation“ aufzuweisen hat, ist die visuelle Gestaltung. Gedreht wurde in Südafrika, wo Levring eine Art Monument Valley gefunden hat, das Kameramann Jens Schlosser und die nicht kleine Abteilung für Visual Effects immer wieder in eine tolle, gespenstische Halbnacht tauchen. Tagsüber sind die Figuren und Landschaften bis in die letzte Pore definiert, nachts dräut das Unheimliche. So holt dieser Western ästhetisch eine Menge aus einem Genre heraus, dessen elementare Erzähllogiken er gleichzeitig ein wenig tapsig nachzuvollziehen versucht.

          Topmeldungen

          Beim Roulette gewinnt am Ende doch immer die Bank.

          Risiken bei der Geldanlage : Auch Sie sind ein Spekulant

          Alle Anleger wissen, dass sie nichts wissen. Nur wollen sie das beim Geld nicht wahrhaben – und bei Immobilien scheint der Anteil der Glücksspieler besonders hoch zu sein. Wie schätzt man Risiken richtig ein?