https://www.faz.net/-1v0-6ui89

Im Gespräch: Frederik de Klerk und Karl-Ludwig Kley : „Europa fehlt eine Strategie für Afrika“

  • Aktualisiert am

Frederik De Klerk und Karl-Ludwig Kley im Gespräch in Frankfurt Bild: Frank Röth, F.A.Z.

Frederik Willem de Klerk, der in Südafrika die Apartheid abgeschafft hat, spricht über die Zukunft des Kontinents. Und Merck-Chef Kley verspricht mehr Investitionen in Afrika.

          7 Min.

          Herr de Klerk, wie fällt zwanzig Jahre nach dem Ende der Apartheid in Südafrika Ihre Bilanz für den Kontinent aus?

          Die Situation ist alles in allem immer noch enttäuschend, aber besser, als es den Anschein hat. Bei allen gängigen Kriterien zur Bewertung der menschlichen Entwicklung - sei es Bildung, sei es gute Regierungsführung, sei es Korruptionsbekämpfung - schneidet Afrika schlecht ab. Gleichzeitig ist Afrika aber viel dynamischer, als viele denken. Insgesamt überwiegt in meiner Bilanz das Positive deshalb bei weitem das Negative.

          Tatsächlich?

          Ja. Die Wirtschaft zum Beispiel wächst in Afrika zwar langsamer als in China und Indien, aber schneller als in Brasilien. Die Bodenschätze und das Potential der Landwirtschaft sind vielversprechend. Die Welt wird ohne sie nicht auskommen. Europa und Amerika können es sich nicht leisten, dass der Kontinent so strauchelt und stolpert wie bisher.

          Und was Ihr eigenes Land angeht?

          Südafrika kann trotz aller Rückschläge als Vorbild betrachtet werden. Wir haben eine Katastrophe abgewendet, alte Konflikte überwunden, eine vernünftige Verfassung ausgehandelt. Wir werden die verbleibenden Schwierigkeiten überwinden, aber wir brauchen dafür eine Neugewichtung der auseinanderstrebenden politischen Kräfte. Was sie im der Vergangenheit zusammengehalten hat, war der Kampf gegen die Apartheid. Aber der ist inzwischen beendet.

          Wenn Sie die Kritikpunkte an Südafrika, die Sie anmahnen - also hohe Arbeitslosigkeit, Mängel in Ausbildung, Infrastruktur und Gesundheitswesen, Korruption - betrachten und die positiven Punkte wie eine solide Wirtschaftspolitik: Ist der Saldo positiv oder negativ?

          Positive Elemente überwiegen deutlich. Südafrika hat die Apartheid friedlich überwunden und sich auf eine der besten Verfassungen der Welt geeinigt. Das hätte ganz anders ausgehen können. Südafrika ist ein viel, viel besserer Ort als vor zwanzig Jahren, ein Modell für andere. Die Wirtschaft wächst seit 17 Jahren ununterbrochen. Südafrika hat seine Stellung als angesehenes und einflussreiches Mitglied der Staatengemeinschaft wiedererlangt. Von der Regierung geplante Gesetzesänderungen, Gefährdungen rechtsstaatlicher Momente, wurden mehrfach durch eine starke Zivilgesellschaft verhindert.

          Wie könnte die Neuordnung der politischen Kräfte aussehen, die Sie erwarten?

          Der Afrikanische Nationalkongress, der ANC, besteht aus widerstrebenden Flügeln von Linksdogmatikern bis zu sozialdemokratischen und liberalen Denkrichtungen. Mit dem ANC sind teils militante Gewerkschaften und die Kommunistische Partei verbündet. Wenn es zu einer Spaltung und Neuausrichtung kommt, ist wichtig, dass der Markenname ANC bei dem demokratischen Flügel bleibt. Selbst wenn die Linke im ANC nach einer Spaltung die Oberhand gewinnen, den Namen ANC übernehmen sollte, wird die politische Mitte wie bisher die Richtung bestimmen. Die wirtschaftliche und politische Lage wird sich nach einer Spaltung im ANC verbessern. Der ANC muss seinen moralischen Kompass, den er verloren hat, wiedergewinnen.

          Frederik de Klerk: „Insgesamt überwiegt das Positive das Negative bei weitem.“
          Frederik de Klerk: „Insgesamt überwiegt das Positive das Negative bei weitem.“ : Bild: Frank Röth, F.A.Z.

          Trifft das im weiteren Sinne auch auf den gesamten afrikanischen Kontinent zu?

          Topmeldungen

          Lieber was Eigenes: Ein Einwohner von Wuhan erhält eine Impfung mit dem chinesischen Sinopharm-Vakzin.

          Impfstoffe : China bremst BioNTech aus

          Die Verhandlungen liefen bereits, man war zuversichtlich. Eine Milliarde Impfstoffdosen im Jahr wollte das Unternehmen auf dem größten Markt der Welt verkaufen. Doch daraus wird wohl nichts.
          Größerer Bundestag, mehr Stühle: Arbeiter bereiten den Plenarsaal vor.

          Posten und Plätze : Wer sitzt wo im neuen Bundestag?

          In wenigen Tagen tritt das neu gewählte Parlament zusammen. Stühle werden geschraubt und Posten verteilt – etwa im Bundestagspräsidium. Auch um die endgültige Sitzordnung wird noch gestritten.
           Die Handlung findet nicht einvernehmlich statt. Genau das reizt die Exhibitionisten – und macht sie zu Straftätern. (Symbolbild)

          Exhibitionisten in der Bahn : Masturbieren nur mit Mundschutz

          Immer mehr Exhibitionisten sind in deutschen Zügen unterwegs. Auch wenn sie dies mitunter nicht so wahrnehmen, begehen sie strafbare Sexualdelikte. Wie sich Betroffene wehren können – und wie man Tätern den Erfolg nimmt.