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: Höhere Tabaksteuern zehren an den Gewinnmargen der Zigarettenhersteller

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LONDON, 12. Mai. Höhere Tabaksteuern könnten die Erträge der europäischen Zigarettenhersteller empfindlich unter Druck setzen. Einer Analyse von Goldman Sachs zufolge haben die beiden britischen Unternehmen Imperial Tobacco und Gallaher ...

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          LONDON, 12. Mai. Höhere Tabaksteuern könnten die Erträge der europäischen Zigarettenhersteller empfindlich unter Druck setzen. Einer Analyse von Goldman Sachs zufolge haben die beiden britischen Unternehmen Imperial Tobacco und Gallaher den höchsten Prozentsatz ihres Gewinns in schwierigen Märkten wie Deutschland und dem Vereinigten Königreich. Konkurrent BAT scheint besser positioniert zu sein. Die Aussichten des französisch-spanischen Herstellers Altadis werden sich in der zweiten Jahreshälfte voraussichtlich verbessern. Wir bewerten den Sektor weiterhin mit "vorsichtig".

          Theoretisch können die Zigarettenhersteller von Steuererhöhungen im allgemeinen profitieren, indem sie die Fabrikabgabepreise gleichzeitig ebenfalls heraufsetzen. Angesichts des hohen Steueranteils fiel der Aufschlag bei den Einzelhandelspreisen kaum ins Gewicht. Jetzt jedoch sind die Zigarettenpreise in vielen europäischen Ländern so hoch, daß jede weitere Verteuerung einen überproportionalen Rückgang des Verbrauchs hervorruft.

          Die Tabaksteuern in Westeuropa gehören heute zu den höchsten der Welt. In fast allen Ländern der Europäischen Union betragen sie mindestens 70 Prozent der Einzelhandelspreise von Zigaretten. Zum Vergleich: In Japan werden Zigaretten mit 60 Prozent besteuert, in den Vereinigten Staaten sogar nur mit durchschnittlich 30,6 Prozent. (Die gigantischen Zahlungen, die die Hersteller in Amerika infolge der jüngsten spektakulären Schadenersatzprozesse leisten müssen, machen die Differenz zwischen amerikanischen und europäischen Tabaksteuern freilich nahezu wett.) In vielen europäischen Ländern haben massive Steuererhöhungen bereits zu einer spürbaren Änderung der Verbrauchergewohnheiten geführt. Verbraucher wechseln jetzt in hellen Scharen von Premiummarken zu Billigzigaretten.

          Im Verein mit der zunehmenden Einschränkung von Tabakwerbung in der EU bewirken Steuererhöhungen unserer Meinung nach eine stetige Aushöhlung des Werts von Zigarettenmarken. Kurzfristig wirken sich die aufgrund von Werbeverboten eingesparten Marketingausgaben möglicherweise günstig auf die Rentabilität der Hersteller aus. Auf längere Sicht gefährden die dramatisch schwindenden Markenwerte Wachstum, Gewinnmargen und Ertragsströme; der Zigarettenindustrie droht die Vermassung.

          Antriebskräfte für die Margen fressenden Steuererhöhungen sind zum einen historisch die Harmonisierung der nationalen Steuersätze, die die EU systematisch vorangetrieben hat, gewesen und seit neuestem die Budgetprobleme der europäischen Regierungen, die ihre Haushaltslöcher mit neuen Verbrauchsteuern stopfen möchten. Goldman Sachs hat die Tabakbesteuerung in den fünf wichtigsten Märkten der EU analysiert. Dabei konnten wir feststellen, daß die Steuersysteme im allgemeinen so ausgelegt sind, daß die Regierungen das Steueraufkommen weitgehend unabhängig von einer Änderung der Konsumgewohnheiten, das heißt der aktuellen Verteilung der Nachfrage auf Premium- und Billigmarken, maximieren können. Dies bedeutet unserer Ansicht nach weiteren Ertragsdruck für die Zigarettenindustrie in jenen Ländern, in denen sich der Produktmix tendenziell verschlechtert.

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