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Hochschule : Bei Mama ist’s am besten

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Die Mieten explodieren. Immer mehr Studenten bleiben bei den Eltern wohnen. Doch Psychologen warnen vor der Bequemlichkeit.

          5 Min.

          Veronika Hock hat sich die Entscheidung nicht leichtgemacht. „Als ich mit der Schule fertig war, habe ich sehr ernsthaft darüber nachgedacht, zu Hause auszuziehen“, sagt die 21 Jahre alte Germanistikstudentin. Sie hat Wohnungspreise an ihrem Studienort Frankfurt am Main recherchiert, sich Wohnheimzimmer angesehen und darüber nachgedacht, ob sich geeignete WG-Partner finden ließen.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Doch die Frankfurter Mieten erwiesen sich als teuer, die Wohnheimzimmer als hässlich und beengt und die Freunde aus der Schulzeit, mit denen sie sich eine WG hätte vorstellen können, zogen in andere Städte. So blieb Veronika Hock erst einmal bei Mama, Papa und der Schwester im rund 60 Kilometer entfernten Selzen wohnen.

          „Eigentlich wollte ich nur für ein oder zwei Semester zu Hause bleiben und dann ausziehen“, berichtet sie. Doch dann wurden es drei, vier, mittlerweile fünf Semester. Nun hat sie einen Umzug für die Phase ihrer Bachelorarbeit ins Auge gefasst. Aber ob wirklich etwas daraus wird? Die Studentin ist sich gar nicht mehr so sicher.

          So wie Veronika Hock handhaben es derzeit viele Hochschüler. Fast zwei Drittel bewerten die Wohnungssuche zu Beginn ihres Studiums als schwierig oder sehr schwierig, wie eine Online-Befragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung aus dem Sommer zeigt. Die Lage auf dem studentischen Wohnungsmarkt ist angespannt wie selten. Vielerorts drängen deutlich mehr Studienanfänger als vor einigen Jahren an die Unis und müssen mit ihren klammen Budgets mit vielen gutverdienenden, älteren Wohnungsbewerbern konkurrieren, die es ebenfalls stärker in die Innenstädte zieht als früher.

          „Es kann gut sein, dass die Eltern als Notlösung vermehrt in Frage kommen, vor allem, wenn sich die Wohnsituation in den Hochschulstädten noch weiter verschlechtert“, sagt der Sprecher des Deutschen Studentenwerks, das sich seit Jahrzehnten in seinen Sozialerhebungen mit der Wohnsituation von Studenten in Deutschland befasst.

          Die Erhebungen zeigen: Sogar ohne besondere Spannungen auf dem Wohnungsmarkt bevorzugt fast ein Viertel der Studenten ohnehin traditionell das „Hotel Mama“. Seit Mitte der neunziger Jahre blieb die Zahl der Zuhausewohner relativ konstant bei rund 23 Prozent der Studierenden. Denn ein später Auszug aus dem Elternhaus hat viele gute Seiten. „Ich bin sehr ungern allein“, berichtet etwa Veronika Hock. „Ich kann mir nicht vorstellen, nach der Uni immer in eine leere Wohnung zu kommen. Ich freue mich, wenn sich jemand dafür interessiert, wie mein Tag war.“

          Lernen im Zug

          Mit x-beliebigen Mitbewohnern möchte sich die junge Frau aber auch nicht unbedingt Bad und Küche teilen: „Mit Freunden könnte ich mir das vorstellen, aber mit Fremden?“ Und natürlich hat das „Hotel Mama“ auch ganz praktische Vorteile: Wäsche waschen, Lebensmittel einkaufen - diese Tätigkeiten übernehmen in vielen Fällen weiterhin die Eltern.

          „Das spart Zeit, die ich zum Lernen nutzen kann“, sagt Veronika Hock. Mit einer Einschränkung: „Ein Teil der Zeitersparnis geht durch die lange Pendelstrecke zur Uni wieder drauf.“ Zwei Stunden braucht die Studentin mit Bus und Bahn von Haustür zu Hörsaal. Weil sie sich mit geschickter Stundenplanorganisation eine Drei-Tage-Woche gebastelt hat, findet sie es erträglich. Oft aber ärgert sie sich auch über die verlorene Zeit. „Wenn sich an einem Tag die Verspätungen häufen, dann zehrt das schon an den Nerven“, sagt sie. Und die Zeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Lernen zu nutzen funktioniert auch nicht besonders gut. „Mir wird regelmäßig übel, wenn ich im schwankenden Bus lese.“

          Studierendenvertreter sehen lange Pendelstrecken als einen der wichtigsten Nachteile, wenn Studenten sich für das Wohnen bei den Eltern entscheiden. In vielen Fällen ist das elterliche Einfamilienhaus oder die große, familientaugliche Wohnung eben nicht in Frankfurt-Bockenheim, Köln-Sülz oder Hamburg-Eppendorf, sondern in den Vororten oder auf dem Land. „Dies führt dazu, dass sich die Zeit, um zur Hochschule zu kommen nicht unerheblich verlängert“, sagt Katharina Mahrt, Vorstandsmitglied des Freien Zusammenschlusses der StudentInnenschaften. Als „drastischen Einschnitt in den Studienstart und die Studienqualität“ bewertet sie das, vor allem, wenn sich Studenten nicht freiwillig fürs elterliche Zuhause entscheiden, sondern sie sich durch den knappen Wohnungsmarkt zu einer solchen Lösung gezwungen sehen.

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