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Hochhuts Offener Brief : Frau Bundeskanzlerin, geben Sie Snowden Asyl!

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Offener Brief an die Bundeskanzlerin: Der Schriftsteller und Dramatiker Rolf Hochhuth setzt sich für Edward Snowden ein. Bild: dapd

Sie wissen, gerät er in die Fänge der USA, erwartet ihn die Todesstrafe. ... Wo der Staat auch der Täter ist, wie hier, hat kein Angeklagter etwas zu hoffen von der Justiz.

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          Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin,
          darf ich mir erlauben, an Sie die Petition zu richten, dem Amerikaner Edward Snowden Asyl zu geben! Sie wissen, gerät er in die Fänge der USA, erwartet ihn die Todesstrafe in Form von mindestens 30 Jahren Zuchthaus ...

          Wo der Staat auch der Täter ist, wie hier, hat kein Angeklagter etwas zu hoffen von der Justiz: So war das stets in jedem Land, von dem die Geschichte weiß, das vor Gewalt nicht zurückschreckt. Und Gewalt ist es, die Edward Snowden zur Flucht zwingt ...

          War jedermann so überrascht wie erleichtert, daß Rußland ihn nicht ausliefert - daß plötzlich Herr Putin ihm den Maulkorb verordnet, zeigt nur, daß Rußland blieb, wie es immer war: an Wahrheit völlig desinteressiert ... Will Snowden noch den Mund aufmachen, muß er weg aus Moskau.

          Sie werden vermutlich wie viele fragen: Warum soll ausgerechnet die BRD diesem Amerikaner Asyl gewähren? Meine Antwort als Deutscher ist so simpel wie plausibel: Mehr als jedes andere Volk ist das deutsche verpflichtet, das Asylrecht zu heiligen, seit unsere Elite 1933, ausnahmslos, von den Brüdern Mann bis zu Einstein, die 12 Jahre Nazi-Diktatur allein deshalb überstehen konnte, weil andere Länder, am vorbildlichsten die USA, diesen Flüchtlingen vor Hitler Asyl gewährten!

          Sie kennen, gnädige Frau, teilweise, was ich schrieb, und werden mich nicht für so verrückt halten, die USA oder irgendeine sonstige Regierung auf der Welt mit der des Auschwitzers zu vergleichen. Vergleichbar aber durchaus sind Diktaturen generell - im Sinne Jacob Burckhardts: „Nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübt. Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier.“

          Ich schrieb mehrfach, daß die USA unter ihrem größten Präsidenten Franklin Roosevelt, der laut Churchill durch seinen New Deal Amerika die Revolution erspart hat - Roosevelt fand bei Amtsantritt mehr als 12 Millionen Arbeitslose vor -, die sittlich höchstgestellte Nation der Weltgeschichte war, insbesondere in ihrem Verhalten zu Deutschland: Als die Amerikaner 1945 Buchenwald aufmachten - in der ersten Wochenschau nach Hitlers Tod sah man Eisenhower in Tränen, als er Zeuge wurde, wie dort seine GIs mit Bulldozern die Leichenhügel in die Massengräber schoben -, konnten sie nicht begreifen, daß wir Deutsche dazu fähig gewesen waren. Doch wie war die Antwort Amerikas? Sie retteten vor Stalins Zugriff Berlin durch ihre Luftbrücke.

          Dies nur eine der Wohltaten, die Amerika dem Volk schenkte, das ziemlich einstimmig gejubelt hat, als der Braunauer 1941 den USA den Krieg erklärte. (Roosevelt hätte niemals gegen uns marschieren können, da er seine 4. Wahl nur mit dem Ehrenwort gewonnen hatte: „Ich schicke unsere Boys nicht nach Europa!“) Dies sind keine Ausflüge in die Geschichte, Frau Bundeskanzlerin, sondern nur Bezeugungen meiner Ehrfurcht und Dankbarkeit vor den Vereinigten Staaten.

          Doch wie jeder einzelne, so ändert sich auch jedes Volk innerhalb von 70 Jahren: Jenes Amerika, das mit seinem Marshall-Plan das zertrümmerte Europa 1945 wiederaufbaute - ist völlig unvergleichbar mit dem heutigen. Keine Nation bleibt dauernd groß! Dies alles, Frau Merkel, wissen Sie wie ich und wie jeder.

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