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Grundkurs in Soziobiologie (8) : Die monogame Ehe ist erklärungsbedürftig

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Hand in Hand durchs ganze Leben: Kein plausibles Konzept Bild: dpa/dpaweb

Jeder, der eine normative Ehemoral predigt, begibt sich auf dünnes Eis. Als „normal“ erscheint gar nichts, nicht einmal im statistischen Sinne. Aus soziobiologischer Sicht erscheint die monogame Ehe sogar als besonders erklärungsbedürftiges Konzept.

          Ehe reguliert Sexualität und Besitzverhältnisse. Wenngleich je nach Kultur und Subkultur mal der eine, mal der andere dieser beiden Aspekte im Vordergrund stehen mag, so ist doch überall auf dieser Welt, selbst in den vom Westen weitgehend unbeeinflußten Ethnien Ehe als Institution bekannt. Allerdings lehren uns die Ethnografen und historischen Familiensoziologen, daß die jeweiligen Manifestationen dieser Universalien sehr unterschiedlich ausfallen können. Es gibt (fast) nichts an Ehe- und Familienformen, was es nicht gäbe, und jeder, der eine normative Ehemoral predigt, sollte sich besser nicht auf die Empirie des Vorfindlichen berufen. "Normal" erscheint gar nichts, nicht einmal im bescheidenen Sinn einer bloßen Statistik.

          Soziobiologen ordnen die Vielfalt der Erscheinungen in zuächst recht krude Kategorien: entweder mehrere Männer teilen sich eine Frau (Polyandrie), oder mehrere Frauen teilen sich einen Mann (Polygynie), oder man teilt zumindest temporär mit niemanden (Monogamie). Die intellektuelle Herausforderung besteht nun darin, die Vielfalt dieser Möglichkeiten unter dem Dach einer einheitlichen Theorie zu vereinen.

          Warum so viele Szenarien?

          Wieso findet die Darwinische Evolution hier offensichtlich keinen Fixpunkt? Wieso findet das Mit- und Gegeneinander der Geschlechter in so unterschiedlichen sozialen Szenarien statt? Intuitiv naheliegend erscheint zweifellos die Entstehung polygyner Systeme. Schließlich kann ein Mann physiologisch und psychologisch mehrere Frauen bedienen, und wenn männliche Sexualfantasien ohnehin eher auf Abwechselung ausgerichtet sind als weibliche, scheint die Haremslösung als die wahrscheinlichste. Es gibt nur einen kleinen Haken: Weshalb sollten die in einer Polygynie leer ausgehenden Männer ihre unterprivilegierte Stellung akzeptieren (wegen des Artwohls sicherlich nicht!), und noch wichtiger: Weshalb sollten sich Frauen darauf einlassen, einen Mann nicht ganz für sich zu haben?

          Unser zweites Gesicht

          Die Antwort auf die erste Frage liegt in den vorherrschenden Machtverhältnissen, die Antwort auf die zweite Frage liefert das sogenannte Polygynieschwellen-Modell. Hinter diesem Monster-Begriff verbirgt sich ein an sich einfacher Zusammenhang. Einmal angenommen, die Männer eines lokalen Heiratsmarkts unterscheiden sich in der Qualität dessen, was sie anzubieten haben - Einkommen, Jagdgeschick, körperliche Fitneß, Clanzugehörigkeit, sozialer Einfluß oder ähnliches. Dann ist es bei großen Unterschieden gar nicht unwahrscheinlich, daß der Vorteil, der mit der Wahl eines Mannes verbunden ist, selbst dann noch größer als der Vorteil eines weniger begüterten Mitbewerbers ist, wenn dieser Vorteil mit einer anderen Frau geteilt werden muß, also nur noch 50 Prozent erreicht. Geteilte Männer können mehr bringen, wenn sie nur gut genug sind, als ungeteilte. Der Clou an dieser soziobiologischen Geschichte ist, daß sie eine konstruktive Leistung der weiblichen Psychologie und deren adaptiver Partnerwahlentscheidungen und nicht etwa frauenfeindlicher Ausdruck männlicher Sexualgelüste.

          Nur monogame Ehen erklärungsbedürftig

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