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Grundkurs in Soziobiologie (8) : Die monogame Ehe ist erklärungsbedürftig

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Auch die Polyandrie, also Ehen, in denen sich mehrere Männer mit einer Frau zusammentun, sind - so selten sie auch vorkommen - soziobiologisch plausibel. Sie entstehen unter spezifischen ökologischen Bedingungen, wenn die Produktivität eines Mannes nicht ausreicht, die erfolgreiche Fortpflanzung einer Frau abzusichern. Dies ist beispielsweise in der Kargheit einiger Himalaya-Hochtälern der Fall, wo es der Arbeitskraft mehrer Männer bedarf, einen Haushalt am Laufen zu halten. In Einklang mit soziobiologischer Theorie sind es allerdings Brüder, also genetisch ähnlich Gesinnte, die sich zusammentun und eine Frau heiraten, auf sexuelle Exklusivität verzichten und mit ungeklärten Vaterschaftsverhältnissen leben. Es bleibt in der Familie. Die europäische Lösung für dieses Problem in den Hochtälern der Alpen oder Pyrenäen sieht allerdings traditionell anders aus: Hier dürfen die überzähligen Brüder im Interesse der Familienökonomie zwar mitarbeiten, werden aber von der Ehe des Hoferben ausgeschlossen.

Wirklich erklärungsbedürftig, weil soziobiologisch unwahrscheinlich, sind hingegen monogame Ehen. Die einfachste Erklärung ist ein Mangel an Alternativen. Die zweite Erklärung, die freilich nur Männer betrifft, besteht in einem strategischen Abgleich. Es mag sich langfristig auszahlen, statt auf die Don Juan-Strategie auf die Vaterrolle zu setzen. Wir werden darauf zurückkommen. Der soziobiologische Blick ist keiner, der Ehen und Familien als Hort natürlicher Harmonie sieht. Im Gegenteil: Der immer währende, weil evolutionär angetriebene „Krieg der Geschlechter“ findet nur jeweils einen mehr oder weniger brüchigen Kompromiß. Zur Kooperation gezwungen, treffen Akteure mit je eigenen Interessen aufeinander, deren unentrinnbare Situation die des geschlechtlichen Konflikts ist. Schließlich wollen Männer und Frauen von jeweils dem anderen Geschlecht mehr, als dieses von sich aus zu geben bereit ist. Und weil die Bedingungen historisch wie biografisch im Fluß sind, verändern sich die persönlichen Optima, die gefunden werden könnten. Konflikte sind die Folge, die sich unter der laut inszenierten Oberfläche eines Ehekrachs als letztlich subtile reproduktive Konflikte unterschiedlich interessierter Akteure beschreiben lassen.

Männer und Frauen passen nicht zueinander ...

Soziobiologen nehmen an, daß ein Teil der ehedestabilisierenden Energie ihren Ursprung in der Frustration reproduktiver Erwartungen und Interessen hat, und in der Tat wird diese Hypothese durch beachtliche ethnographische und demographische Evidenz gestützt. Im Wertesystem vieler Kulturen wird das Ansehen von Frauen primär über ihre Fertiliät und „Aufzuchtsleistung“ definiert. Unfruchtbarkeit, sexuelle Verweigerung, Untreue, Kindersterblichkeit oder fortgeschrittenes Alter legitimiert in zahlreichen Gesellschaften eine Scheidung. In einigen Gesellschaften gilt die Ehe überhaupt erst als vollzogen, wenn sie mit Kindern gesegnet ist, und auch die mit einer Eheschließung verbundenen Vermögenstransaktionen werden häufig vom generativen Erfolg der Ehe abhängig gemacht.

Auf der anderen Seite ist Scheidung auch dann häufig legitimiert, wenn Männer den reproduktiven Interessen ihrer Frauen nicht gerecht werden, sei es aus Gründen der Unfruchtbarkeit, sexuellen Vernachlässigung, Gewalt oder ökonomischer Mißerfolge. Entsprechend lassen sich Anlässe und Ausmaß von Beziehungsstreß recht gut vor dem Hintergrund einer evolvierten Psyche verstehen, die die Kosten-Nutzen-Bilanz einer Beziehung ständig mit alternativen Optionen vergleicht. Wie spottete doch Loriot: Männer und Frauen passen einfach nicht zueinander - man kann sie nur fruchtbar miteinander kreuzen.

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