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Griechenland-Hilfe : IWF-Anteil am Rettungspaket wird kleiner

Die Griechenland-Krise zieht sich weiter hin - und die Nervosität in der Euro-Zone steigt Bild: dpa

Der Internationale Währungsfonds fürchtet wegen der Griechenland-Krise um seinen Ruf als erstklassiger Kreditgeber. Seine Beteiligung am zweiten Griechenland-Programm wird wahrscheinlich sinken - von 33 auf nur noch 14 Prozent.

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          Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird sich wahrscheinlich mit einem geringeren Anteil am zweiten Griechenland-Programm beteiligen als zuvor. Als eine Überlegung steht im Raum, dass der IWF etwa 23 Milliarden Euro aufwendet. Rund 13 Milliarden Euro davon wären frisches Geld, die restlichen rund 10 Milliarden Euro der noch nicht ausgezahlte IWF-Anteil aus dem bisherigen Anpassungsprogramm. Insgesamt soll das neue Griechenlandprogramm von EU und IWF 130 Milliarden Euro frisches Geld und einen Übertrag von 35 Milliarden Euro aus dem bisherigen Programm enthalten. Es könnte bei den Verhandlungen an diesem Montag in Brüssel mehr werden, weil noch ein Finanzierungsloch von rund 9 Milliarden Euro geschlossen werden muss.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der IWF trüge so einen Anteil von 14 Prozent am zweiten Griechenland-Programm. Das wäre deutlich weniger als die 33 Prozent in den Rettungsprogrammen für Irland oder Portugal und auch geringer als im ersten Griechenland-Paket. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Die exakte Höhe des Arrangements sei noch nicht bestimmt, erklärte eine IWF-Sprecherin. Ein Teil des europäischen Gelds im neuen Griechenland-Programm ist zweckgebunden und steht für direkte Auszahlungen an die griechische Regierung nicht zur Verfügung. 20 bis 25 Milliarden Euro sollen für die Kapitalisierung griechischer Banken eingesetzt werden. Mit 30 Milliarden Euro wird den privaten Gläubigern Griechenlands die Umschuldung versüßt. Bezogen auf die restlichen 110 Milliarden Euro, betrüge der Anteil des IWF 21 Prozent.

          IWF: Ruf als erstklassiger Kreditgeber schützen

          Am ersten Griechenland-Programm im Mai 2010 hatte der Fonds sich mit 30 Milliarden Euro oder rund 27 Prozent beteiligt. Dies entsprach 3212 Prozent der griechischen Anteilsquote am IWF, einem Rekord in der Geschichte des Fonds. Als Folge einer inzwischen erfolgten Kapitalerhöhung des Fonds entspricht dies jetzt nur noch 2400 Prozent der griechischen Quote. Bedenken auch im Direktorium des Fonds richten sich darauf, dass eine - gemessen an der Quote - so hohe Finanzzusage für das zweite Programm nicht zu verantworten sei, nachdem das erste griechische Programm schon vom Kurs abgekommen ist. Betont wird, dass der Fonds seine Ressourcen und seinen Ruf als erstklassiger Kreditgeber schützen müsse.

          Im Exekutivdirektorium des IWF sind diejenigen, die neue Finanzhilfen für Griechenland in Frage stellen, in der Minderheit. Nach Informationen dieser Zeitung sollen drei bis vier der 24 Direktoriumsmitglieder grundsätzliche Einwände gegen frisches Geld für Griechenland erheben. Die Diskussion werde indes durch die Unsicherheit bestimmt, welche Folgen ein Zahlungsausfall Griechenlands nach sich zöge, heißt es. Befürworter einer weiteren und größeren Beteiligung des Fonds verweisen darauf, dass es sich um ein systemisches Programm handele, mit dem nicht nur Griechenland stabilisiert, sondern auch andere Länder vor Ansteckungsrisiken geschützt werden sollten. Mit der leichten Entspannung an den Anleihemärkten in Spanien und Italien hat die Angst vor Ansteckungsgefahren aber abgenommen.

          Griechische Staatsschuld: 170 Prozent des Bruttoinlandsprodukts

          Als ein Stolperstein im Exekutivdirektorium des IWF könnte sich die aktuelle Schuldentragfähigkeitsanalyse erweisen. Danach beträgt die griechische Staatsschuld derzeit rund 170 Prozent des BIP und soll bis 2020 auf 129 Prozent sinken. Damit verfehlte das Land den Zielwert von 120 Prozent, den die Europäer im Herbst fixiert hatten. 

          Die Lücke muss durch weitere Schuldenabschreibungen oder verstärkte Sparbemühungen Griechenlands geschlossen werden. Höhere Finanzzusagen helfen nicht, weil sie die Schuldenquote nur erhöhten. Helfen könnte, wenn die EU-Staaten geringere Zinszahlungen auf ihre Kredite verlangten.

          IWF schlägt EZB-Einbindung in Schuldenschnitt vor

          Helfen könnte nach Ansicht des IWF aber auch, wenn die EZB in den Schuldenschnitt eingebunden würde. Deshalb will der IWF den Eurozone-Finanzministern vorschlagen, die Zentralbanken zu einer Beteiligung an einem Forderungsverzicht zu drängen. Würden beispielsweise die Zentralbanken die im Rahmen ihrer normalen Investitionstätigkeit erworbenen griechischen Staatsanleihen über 12 Milliarden Euro in einen Schuldenschnitt einbringen, könnte das die Schuldenquote um 3,5 Prozentpunkte reduzieren. Noch mehr - 5,5 Prozentpunkte - wären es, würden die Zentralbanken auf Gewinne verzichten, die sie mit jenen griechischen Staatsanleihen machen würden, die sie im Rahmen der Staatsanleihekaufprogramms SMP zu Kursen erworben haben, die deutlich unter dem Nennwert lagen. Dabei handelt es sich laut IWF um 45 bis 50 Milliarden Euro.

          Bislang wehrt sich die EZB dagegen: Die Zentralbanken des Eurosystems haben ihre so erworbenen Anleihen am Freitag gegen neue Papiere umgetauscht, um sich so gegen eine zwangsweise Beteiligung an einem Schuldenschnitt zu schützen.
           

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