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Gesundheit : Mit Stress und Angst im Job umgehen lernen

  • -Aktualisiert am

Abschalten hilft gegen Dauerstress Bild: dpa/dpaweb

Bedingt durch den zunehmenden Stress am Arbeitsplatz nehmen auch psychische Erkrankungen zu. Besonders Erfolgsorientierte haben ein erhöhtes Risiko, denn sie setzen sich selbst unter massiven Druck.

          Beim Betreten des Beratungszimmers fällt sofort die Couch ins Auge, die dominant neben Schreibtisch und Sesseln die Optik des Raumes bestimmt. Typisch Psycho, so könnte man meinen.

          Doch schon nach den ersten Sätzen wird deutlich, daß man Hansjörg Becker nicht gerecht wird, wenn man ihn mit diesem Ettikett abstempelt. Der Mediziner mit Zusatzausbildung in Psychoanalyse hat sich aufgemacht, um in der Wirtschaft das Thema psychische Überbelastung und Depressionen aus der Tabuzone zu holen.

          Probleme und Ängste offen ansprechen

          „Es ist ein herausfordernder Prozeß, in den Unternehmen das Bewußtsein zu entwickeln, daß gerade auch Leistungsträger im Hinblick auf psychische Erkrankungen besonders gefährdet sind und Hilfe benötigen“, sagt Becker, der mit seinem Beratungsunternehmen „Insite-interventions“ seit mehr als acht Jahren Pionierarbeit auf diesem Gebiet leistet.

          Becker spricht die Sprache der Manager, die er in schwierigen Lebensphasen unterstützt. Das ist nach seiner Aussage eine wichtige Voraussetzung für seine Akzeptanz, besonders in einer Branche, die sich schwer damit tut, Probleme und Ängste offen anzusprechen.

          Seine Erfahrung als Unternehmensberater und als Executive Coach an der INSEAD Business School in Fontainebleau haben ihn gelehrt, in welchem Spannungsfeld sich Führungskräfte bewegen und welche Themen sie belasten.

          Leistungsorientierte sind am häufigsten betroffen

          Besonders die Leistungsorientierten und die Erfolgsverwöhnten, diejenigen, die alles unter Kontrolle haben wollen, sind erhöhten Risiken ausgesetzt. Sie stellen an sich hohe Erwartungen, wirken nach außen meist souverän und setzen sich häufig selbst unter massiven Druck.

          Oft stellen sich Krisen gerade dann ein, wenn ein vermeintlich erfolgreicher Karriereschritt getan wurde. „Viele fühlen sich den neuen Aufgaben nicht gewachsen und haben Angst, die Umwelt könnte diese Überforderung merken“, sagt Becker.

          Wie in einem Hamsterrad

          Aber auch Druck von außen, mit immer höheren Anforderungen und zunehmender Unsicherheit, führt dazu, daß Menschen unter Dauerstress geraten. Sie laufen wie in einem Hamsterrad, und es gelingt ihnen nicht mehr, eigenständig aus dieser Falle zu entkommen.

          Die typischen Symptome dieser chronischen Dauerbelastung bilden eine Mischung aus psychischen und psychosomatischen Beschwerden: Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Magenprobleme und Herz-Kreislauf-Störungen.

          Diese treten oft gepaart mit Selbstzweifeln und Erschöpfungszuständen auf, sagt Brigitte Scheidt, die in Berlin als Psychologische Psychotherapeutin Menschen in diesen kritischen Phasen unterstützt. „Bei vielen sind die Batterien einfach leer, und es geht nichts mehr.“

          Psychische Erkrankungen vierthäufigste Krankheitsart

          Daß es sich bei diesen Erscheinungen nicht um Einzelfälle handelt, belegt der Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK). Psychische Erkrankungen machten 2004 schon 9,8 Prozent des Gesamtkrankenstandes aus und standen damit an vierter Stelle der häufigsten Krankheitsarten.

          Bei den Ursachen für diese Entwicklung werden immer wieder die gleichen Faktoren genannt: Veränderungen in unserer Gesellschaft. Familiäre Strukturen sind wesentlich lockerer, der einzelne wird mit seinen Problemen nicht mehr in der Gemeinschaft aufgefangen.

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