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: Geheimtip für Auswanderer im Herzen Südamerikas

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Asunción - wo bitte liegt denn das? Viele Bundesbürger haben von der Hauptstadt Paraguays noch nie etwas gehört. Auch für deutsche Unternehmen ist das ziemlich arme Paraguay mit seinen knapp sechs Millionen Einwohnern und einem Pro-Kopf-Einkommen ...

          Asunción - wo bitte liegt denn das? Viele Bundesbürger haben von der Hauptstadt Paraguays noch nie etwas gehört. Auch für deutsche Unternehmen ist das ziemlich arme Paraguay mit seinen knapp sechs Millionen Einwohnern und einem Pro-Kopf-Einkommen von lediglich rund 1000 Dollar im Jahr kein bedeutender Standort oder Handelspartner. Deutsche Investitionen gibt es kaum, obwohl Paraguay durch seine Zugehörigkeit zum südamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur (mit Argentinien, Brasilien und Uruguay) zumindest theoretisch den zollfreien Zugang zu einem Markt von 225 Millionen Konsumenten bietet. Internationale Spitzenwerte erzielt Paraguay lediglich in Negativlisten wie bei der Korruption und den Schmuggelumsätzen. Neben knapp drei Dutzend deutschen Diplomaten, Auslandslehrern und Entwicklungshelfern sind denn auch lediglich zwei Entsandte aus der deutschen Wirtschaft in Paraguay tätig, berichtet der Geschäftsführer der Deutsch-Paraguayischen Industrie- und Handelskammer, Henning Höltei. Einer der beiden ist er selbst.

          Doch unter auswanderungswilligen Bundesbürgern ist Paraguay seit langem ein Geheimtip. Viele Deutsche, die aus den verschiedensten Gründen ihrer Heimat den Rücken kehren wollten oder gar mußten, fanden in dem subtropischen Land im Herzen Südamerikas die Chance für einen Neuanfang. Daß auch Wirtschaftskriminelle wie der ehemalige Südmilch-Chef Wolfgang Weber und andere zweifelhafte Gestalten in Paraguay mitunter käufliche Protektion vor ausländischer Rechtsverfolgung fanden, hat den schlechten Ruf des Landes als Schmuggler- und Ganovenparadies gefestigt. Dies sollte aber nicht verdecken, daß auch viele durchaus ehrbare Zeitgenossen in Paraguay eine neue berufliche Karriere starten konnten oder einfach nur ein Leben frei vom Stress europäischer Metropolen gesucht und gefunden haben.

          Rund 150000 Deutschstämmige leben heute in Paraguay, so wird geschätzt, gut 10000 davon dürften noch im Besitz eines deutschen Passes sein. Schon bei der ersten Landung eines spanischen Schiffes, das 1537 den 1200 Kilometer langen Weg vom Rio de la Plata aus den Paraná-Fluß hinauf gefunden hatte, war der bayrische Landsknecht Ulrich Schmidl mit von der Partie. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten deutschen Kolonien in der Umgebung von Asunción gegründet. Viele Anhänger der ursprünglich aus Friesland stammenden Religionsgemeinschaft der Mennoniten fanden in Paraguay ab dem Ende der zwanziger Jahre Zuflucht vor der Verfolgung in Rußland und anderen Ländern. In jüngerer Zeit zieht es vor allem Landwirte, Rentner und Selbständige in das Land. Das Interesse an Paraguay ist so groß, daß die deutsche Handelskammer Ende November sogar erstmals ein Seminar für Einwanderer veranstaltet. "Asunción ist einer der Orte mit der höchsten Lebensqualität in Amerika", wagt Kammergeschäftsführer Höltei eine, wie er selbst sagt, "etwas provokante These". Die Lebenshaltungskosten gehören zu den niedrigsten weltweit. Im Steakhouse ißt man für fünf Dollar so viel hervorragendes Fleisch, Salate und Nachtisch, wie man will. Ein mittleres Einfamilienhaus in weitgehend europäischem Standard kann man schon für 750 Dollar mieten. Für vergleichsweise wenig Geld kann man kann sich einen Palast mit 250 Quadratmeter Wohnfläche, parkähnlichem Garten, Schwimmbad, Grillplatz und Gästehaus leisten, dazu noch ein Dienstmädchen ganztägig, nebst Gärtner und Chauffeur, versteht sich. Die Kriminalität dürfte unter allen Metropolen der Region die geringste sein, meint Höltei, obgleich andere Stimmen klagen, die Sicherheitslage habe sich auch hier zuletzt verschlechtert. "Wichtig ist, daß man ein normales Rad dreht", sagt der Unternehmer Rolf Westphal, der lieber mit dem Kleinwagen der Ehefrau fährt und die E-Klasse in der Garage läßt. Das Klima ist angenehm, wenn man nicht zu empfindlich gegenüber der großen Hitze im Sommer ist. Der echte Winter beschränkt sich auf wenige Tage im Jahr - dann ist man allerdings froh, wenn das ansonsten meist unbeheizte Haus über einen Kamin verfügt. Es gibt "deutsche Schulen" - wenn auch kaum deutschsprechende Schüler. Naherholungsgebiete am Ypacarí-See oder am Paraguay-Fluß sowie zahlreiche Clubs bieten attraktive Freizeitmöglichkeiten. Zwar sind die in den vergangenen Jahren entstandenen Shopping-Center nicht so prachtvoll wie in São Paulo und Buenos Aires, doch gibt es in Asunción alles zu kaufen, was man zum Leben braucht. Das Angebot an tropischen Früchten ist riesig. Wer auf heimische Genüsse nicht verzichten möchte, findet auch "hervorragendes Schwarzbrot vom deutschen Bäcker, ebenso Wurst und Käse in guter deutscher Qualität und dazu hervorragende Weine zu niedrigen Preisen aus Chile und Argentinien", freut sich der Agrarexperte Rolf Derpsch, der nach 14 Jahren Entwicklungshilfe heute von Asunción aus sein internationales Beratungsgeschäft betreibt.

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