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Gedenkkonzert für Nils Koppruch : Als einer einmal nicht kam

  • -Aktualisiert am

Nicht das Leichteste der Welt: Francesco Wilking, Gisbert zu Knyphausen und Clueso singen in Hamburg eine sehr bewegende Version von Koppruchs Lied „Einmal“. Bild: Lucas Wahl

Vor zwei Jahren starb der Sänger Nils Koppruch. In Hamburg feierten ihn nun viele Kollegen bei einem Konzert und präsentierten seine Lieder, die sie für Gedenkalbum neu eingespielt haben.

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          „Als einer einmal nicht kam, auf den niemand gewartet hatte, saßen wir einfach nur da“ - für solche lakonischen Texte zwischen Märchenton und leicht absurdem Witz hatte Nils Koppruch Talent. Er sang zum Beispiel von Menschen, die ihre eigene Beerdigung verpassen, so wie in seinem Lied „Der richtige Ort“. Es ist das erste Stück auf dem Album „Vogelbeobachtung im Winter“, das seine Band Fink 1997 herausbrachte und damit eine Mischung aus Folk-Humor und der musikalischen Kargheit des Alternative Country ins deutsche Lied transportierte. Aber der Kontext, in dem man es nun hören musste, war kaum zum Schmunzeln.

          Trauer und Feier

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Denn die Zeile „Und ich werd’ wohl nicht dabei sein an meinem allerletzten Tag und mir nicht mit anseh’n, wie sie trauern um meinen Sarg“ erklang nun bei einem Gedenkkonzert für Koppruch selbst, der im Herbst 2012 im Alter von nur 46 Jahren überraschend gestorben war. Björn Sonnenberg von der Kölner Band Locas in Love, der das Lied schweren Herzens sang, erzählte, wie ein Konzertbesuch bei Nils Koppruch vor Jahren sein eigenes Musizieren überhaupt erst in Gang gebracht und fortlaufend inspiriert habe. Viele andere, die am Dienstagabend im Hamburger Musikclub Uebel & Gefährlich auftraten, drückten in Worten und Musik solche Inspiration aus und zeigten so, dass der Anlass nicht nur Trauer, sondern auch eine Feier war: nämlich die des Doppel-Samplers „A Tribute To Nils Koppruch & Fink“, den das Plattenlabel Trocadero jüngst zusammen mit einer großen Werkschau-Box des Verstorbenen veröffentlicht hat.

          Er hatte ein großes Talent für lakonische Texte: Nils Koppruch (1965-2012) bei einem Auftritt 2007.
          Er hatte ein großes Talent für lakonische Texte: Nils Koppruch (1965-2012) bei einem Auftritt 2007. : Bild: Brill, Thomas

          Von den auf dem Sampler vertretenen Künstlern spielten einige in Höchstform auf, so Niels Frevert mit witziger Hommage („Ich hätte fast mal einen getroffen / Doch der ging in eine Bar / Und erzählte dann da / Wie er einmal nicht kam“) oder auch die Formation Die Höchste Eisenbahn um Francesco Wilking und Moritz Krämer, bei deren sehr anrührender Version von Koppruchs Song „Einmal“ als Überraschungsgast auch der Sänger Clueso auf die Bühne kam. Über Koppruchs Werk hinaus spielten die Bands aber auch noch eigenes Material.

          Zwei Männer steigen aus einem Auto

          Das Konzert wurde so zu einem wahren Glücksfall, bei dem man einige der besten Songs vereint hören konnte, die deutschsprachige Singer/Songwriter in den vergangenen Jahren geschrieben haben: darunter Freverts Hamburger Wiedersehensballade „Niendorfer Gehege“, bei der man im angesprochenen „Du“ nun unwillkürlich an Koppruch denken musste, und das fröhliche Katastrophenlied „Was machst du dann“ von den Spaßvögeln Wilking und Krämer.

          Wenngleich die Moderation der Schriftsteller Franz Dobler und Sven Amtsberg etwas hölzern wirkte, warf doch ein von Dobler vorgetragenes Kurzgedicht von Richard Brautigan („Two Guys Get Out of a Car“) ein Licht darauf, woher Nils Koppruch seinerseits Inspiration bezogen hatte. Auf Deutsch klingt es so: „Zwei Männer steigen aus einem Auto. Sie bleiben daneben stehen. Sie wissen nicht, was sie sonst tun sollen.“

          Am Ende eines bewegenden Konzerts: Viele Sänger und Musiker sind nach Hamburg gekommen, um an Koppruchs Lieder zu erinnern.
          Am Ende eines bewegenden Konzerts: Viele Sänger und Musiker sind nach Hamburg gekommen, um an Koppruchs Lieder zu erinnern. : Bild: Lucas Wahl

          In ein furioses Finale führte den Abend dann die Kid Kopphausen Band, jene Gruppe also, zu der Koppruch noch bis zu seinem Tod gehört und in der er sich den Sängerposten mit Gisbert zu Knyphausen geteilt hatte. Koppruchs schnarrenden Gesang bei Liedern wie „Zieh dein Hemd aus, Moses“ kann wohl niemand ersetzen, auch wenn Knyphausen sich alle Mühe gab. Umso inbrünstiger sang der dafür sein eigenes Lied „Das Leichteste der Welt“, dessen wiederkehrendes „Ja, ich will“ man auch gut als Bekenntnis zum Weitermachen ganz im Sinne des Verstorbenen deuten konnte.

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