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Das Trainerduell : Wie viel Klinsmann steckt in Löw?

Das letzte Spiel gemeinsam: Klinsmann und Löw beim Spiel um Platz drei bei der WM 2006 Bild: dpa

Wie sehr ist die deutsche Nationalmannschaft heute noch von Jürgen Klinsmann geprägt? Vor dem WM-Duell ist der deutsche Einfluss auf das amerikanische Team offensichtlicher.

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          Die Frage, wie viel Klinsmann noch immer im deutschen Team steckt, wird sich in der Startformation in Recife an den Fingern einer Hand ablesen lassen: Mertesacker lautet die Antwort. Die anderen vier Verbliebenen aus dem Kader des Sommermärchens - Lahm, Schweinsteiger, Podolski und Klose - würden dem ehemaligen Bundestrainer nachhaltigen Einfluss auf ihre Karriere und auf die Entwicklung der Nationalelf kaum zugestehen.

          Lahm und Schweinsteiger, aber auch Podolski und Klose sind zudem geprägt von ihren Erfahrungen mit dem Bayern-Trainer Klinsmann in der Saison 2008/09, die bekanntlich nicht als Fortsetzung des Sommermärchens endete, sondern mit einem vorzeitigen Rauswurf des Trainers.

          Vor allem Lahm hat die Vorbehalte gegen den Trainer Klinsmann in dieser Zeit zum Ausdruck gebracht, nachträglich und öffentlich. „Nach sechs oder acht Wochen wussten bereits alle Spieler, dass es mit Klinsmann nicht gehen würde. Der Rest der Saison war Schadensbegrenzung“, schrieb Lahm später in seinem Buch mit dem vielsagenden Titel „Der kleine Unterschied“. Und weiter hieß es da: „Bei Klinsmann trainierten wir fast nur Fitness. Wir Spieler mussten uns selbständig zusammensetzen, um vor dem Spiel zu besprechen, wie wir überhaupt spielen wollten.“

          Fitness ist wieder das große Thema

          Klinsmann, da darf man sicher sein, hat die Worte des deutschen Kapitäns nicht vergessen. Und man darf auch annehmen, dass er nichts dagegen gehabt hätte, wenn sich Bundestrainer Löw danach seinen Kapitän zur Brust genommen hätte. Aber Klinsmann hat zu Lahms Bemerkungen geschwiegen und auch zum Schweigen seiner Freunde aus dem verflossenen deutschen Fußballsommer.

          Nun sieht man sich wieder, acht Jahre später in Recife, und das mit der Fitness ist auch wieder ein großes Thema nach dem vor allem läuferisch und körperlich so eindrucksvollen Auftritt von Klinsmanns Team in der Tropenhitze von Manaus gegen Portugal. Es ist die Waffe, mit der er Deutschland schlagen will; die Waffe, mit der er einst das deutsche Team zurück in die Weltspitze führte.

          Von seinen ehemaligen Spielern hat sich nur Per Mertesacker, den der frühere Bundestrainer damals überraschend zum Nationalspieler machte, in diesen Tagen ausdrücklich lobend über Klinsmann geäußert - und sogar davon gesprochen, dass die Nationalelf „immer noch ein bisschen von dieser Zeit zehrt“. Vom neuen Geist, der in den Jahren 2004 bis 2006 geschaffen wurde, und von dem „frischen Wind, den er in den deutschen Fußball gebracht hat“. Erstaunlich genug - acht Jahre nach einem Abschied.

          Klinsmann heute: Fitness bleibt sein großes Thema
          Klinsmann heute: Fitness bleibt sein großes Thema : Bild: dpa

          Verblüffend im schnelllebigen Fußballgeschäft ist vor allem die Kontinuität in Personalfragen; bei den Fachleuten hinter dem deutschen Team, das seither und immer noch die Nationalmannschaft entscheidend prägt: Bundestrainer Joachim Löw, Manager Oliver Bierhoff, die amerikanischen Fitnesstrainer Shad Forsythe und Mark Verstegen, der Psychologe Hans-Dieter Hermann - all diese Experten hat Klinsmann vor zehn Jahren zur Nationalelf geholt. Und alle sind noch da.

          Er selbst könne längst nicht mehr beurteilen, was im inneren Kreis der Nationalelf geschehe, sagte Klinsmann unlängst in einem Interview mit dieser Zeitung. „Ich finde es nur klasse, dass der gesamte Stab noch da ist und alle miteinander auskommen. Das erfüllt mich mit Freude.“ Und von seinen ehemaligen Spielern erwähnte er in diesem Zusammenhang nur einen: Per Mertesacker.

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