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Früherer Chef der Elite-Uni EBS : Jahns wollte Mitarbeiter heimlich kontrollieren

Sieht sich neuen Vorwürfen ausgesetzt: Christopher Jahns, früherer Präsident der EBS Bild: dpa

Hellmut Albrecht, der frühere Aufsichtsratschef der Privathochschule EBS in Wiesbaden, erhebt vor Gericht schwere Vorwürfe gegen den früheren Präsidenten Jahns. Der Dekan der Law School sieht vieles anders.

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          Christopher Jahns, der frühere Präsident der EBS - Universität für Wirtschaft und Recht -, soll zu Beginn des Jahres 2011 verlangt haben, die Computer der Mitarbeiter heimlich zu kontrollieren. Mit dem „Screening“ habe er feststellen wollen, wer ihn belastende Interna an die Presse weitergegeben habe. Das sagte der frühere EBS-Aufsichtsratsvorsitzende, Hellmut Albrecht, vor dem Landgericht Wiesbaden.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Wie berichtet, hat Jahns das Land Hessen auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagt. Er wirft der Staatsanwaltschaft vor, in rechtsstaatswidriger Weise gegen ihn vorgegangen zu sein. Dabei führt er vor allem öffentliche Vorverurteilungen durch den Sprecher der Behörde ins Feld. Dieser Prozess ist zu unterscheiden von dem Strafverfahren, in dem Jahns sich nunmehr seit knapp drei Jahren dem Vorwurf der Untreue ausgesetzt sieht.

          Dienstwagen unerlaubt privat genutzt?

          Der Wirtschaftsprofessor soll als Manager des Beratungsunternehmens Brain Net zu Unrecht vier Rechnungen über die Gesamtsumme von 180.000 Euro ausgestellt haben, die er in seiner Funktion als Präsident der EBS habe begleichen lassen. Darüber hinaus wird ihm vorgeworfen, einen Dienstwagen mit Fahrer ohne Genehmigung privat eingesetzt zu haben.

          Jahns bestreitet sämtliche Vorwürfe. Er führte sie von Anfang an auf eine Intrige und eine Pressekampagne zurück, die Richard Pibernik und Michael Hensen, zwei frühere Mitarbeiter, gegen ihn in Gang gesetzt hätten.

          Albrecht meinte, Jahns habe gegen die Beschäftigten, die er für „Verräter“ gehalten habe, in unqualifizierter Weise regelrecht gewütet und schlimmste Beschuldigungen erhoben, ohne sie beweisen zu können.

          Hingegen sieht Gerrick Freiherr von Hoyningen-Huene, Dekan der Law School und Mitglied der EBS-Geschäftsführung, Jahns’ Verdacht heute bestätigt. Im Frühjahr 2011 habe Pibernik ihn noch entschieden zurückgewiesen, sagte Hoyningen-Huene gestern. Aber vor ein paar Wochen habe er sich bei ihm dafür entschuldigt, damals gelogen zu haben. Pibernik hatte sich auch vor dem Landgericht entsprechend geäußert.

          „Mitarbeiter waren entsetzt“

          Albrecht sagte, dass er Jahns’ Forderung nach einem geheimen „Screening“ der Computer in den Büros aller Mitarbeiter der Hochschule wiederholt abgelehnt habe. Allerdings habe „ein Kollege von Herrn Dierlamm“, Jahns’ Anwalt, schon mit Vorarbeiten begonnen gehabt. Die EBS habe dafür sogar eine Rechnung beglichen. Auf dem Wege des Flurfunks sei Jahns’ Ansinnen verbreitet worden, sagte Albrecht. „Die Mitarbeiter waren entsetzt.“ Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende wiederholte gestern außerdem den Vorwurf Piberniks, Jahns habe „Maulwürfen“ in einer Besprechung unter Institutsmitarbeitern mit dem Tod gedroht. Dieser Aussage haben mehrere Teilnehmer der Sitzung, inzwischen übereinstimmend mit eidesstattlichen Versicherungen, widersprochen.

          Er sei damals so etwas wie ein väterlicher Berater für Jahns gewesen und habe ihm geraten, mit den gegen in erhobenen Vorwürfen souverän umzugehen, sagte Albrecht. Aber Jahns habe seinen gutgemeinten Rat in den Wind geschlagen. Darum sei ihm, Albrecht, schon in der zweiten Februarhälfte des Jahres 2011, spätestens aber Mitte März klar gewesen, dass Jahns an der Spitze der EBS nicht mehr lange zu halten sein werde.

          Auch diese Darstellung Albrechts steht im Widerspruch zu der Aussage des Zeugen Hoyningen-Huene. Er berichtete, dass der Aufsichtsrat nach der Medienberichterstattung im Januar 2011 „monatelang ganz hinter Jahns gestanden“ habe und von einer Pressekampagne ausgegangen sei. Das habe sich erst geändert, als Anfang April gegen Jahns ein Haftbefehl ergangen sei.

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