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Fondsmanagement : Schlammschlacht bei Pimco

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Die Pimco-Zentrale in Newport Beach Bild: REUTERS

Die Fondsgesellschaft kommt nicht zur Ruhe. Chefanleger Bill Gross ärgert sich über Indiskretionen. Jetzt gerät sein sehr hohes Gehalt ins Kreuzfeuer.

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          Starinvestor Bill Gross, der als bester Rentenfondsmanager des vergangenen Jahrzehnts gilt, ist nicht mehr unangreifbar. Nach schwachen Ergebnissen des von ihm verwalteten Pimco-Total-Return-Fonds und dem überraschenden Rücktritt seines designierten Nachfolgers Mohamed El-Erian wächst die öffentliche Kritik an Gross, der Pimco 1971 mitgegründet und zu einer der größten Fondsgesellschaften der Welt gemacht hat. Erstmals wird nun sein auf mehr als 200 Millionen Dollar beziffertes Jahresgehalt öffentlich in Frage gestellt. „Ich weiß nicht, wieviel Bill verdienen sollte, aber 200 Millionen sind nicht angemessen“, sagte William Popejoy, langjähriges Mitglied im Treuhänderausschuss der Pimco-Fonds, in einem Interview mit der „Los Angeles Times“. Man könnte für diese Summe „2000 Lehrer“ einstellen. Popejoy bezeichnete die jüngsten Leistungen von Gross als „mittelmäßig“ und charakterisierte seinen Führungsstil als „Schikane“. Er bezog sich dabei auf Medienberichte, die Gross als herrischen Egomanen darstellten, dem seine vergangenen Erfolge offenbar zu Kopf gestiegen sind. Die Muttergesellschaft der kalifornischen Fondsgesellschaft, der Münchner Versicherer Allianz, sollte das Gebaren von Gross untersuchen und eine Beschränkung seines Gehalts erwägen, forderte Popejoy. Der siebenköpfige Treuhänderrat (Board of Trustees) beaufsichtigt im Auftrag von Investoren die Fonds von Pimco. Finanzfachmann Popejoy leitet in dem Gremium den Ausschuss für gute Unternehmensführung (Governance). Auf die Vergütung der Fondsmanager haben die Treuhänder allerdings keinen Einfluss. Popejoy kritisierte zudem die interne Informationspolitik bei Pimco. Die fünf unabhängigen Mitglieder des Treuhänderrates hätten erst aus der Presse vom Streit zwischen Gross und El-Erian erfahren, der offenbar zu dessen Rücktritt geführt hatte. Dem Gremium gehören auch zwei langjährige Spitzenmanager von Pimco an, Brent Harris und Douglas Hodge, der El-Erian nun als Vorstandsvorsitzender nachfolgt.

          Bild: F.A.Z.

          Massive Vorwürfe von beiden Seiten

          Die Schlammschlacht zwischen Gross und El-Erian hatte am vergangenen Freitag einen neuen Höhepunkt erreicht. Gross warf El-Erian in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters vor, seine Position mit gezielten Indiskretionen „untergraben“ zu wollen. Gross behauptete, Belege dafür zu haben, dass El-Erian einen Ende Februar erschienenen Artikel im „Wall Street Journal“ praktisch selbst „geschrieben“ habe. Als die Reporterin von Reuters diese Belege sehen wollte, beschuldigte Gross sie, für El-Erian Partei zu ergreifen. „Großartig, er hat Sie auch um seinen bezaubernden rechten Finger gewickelt“, zitierte die Reporterin den Fondsmanager. Gross dementierte später kategorisch, diese Aussagen gemacht zu haben. Der Artikel im „Wall Street Journal“ beschrieb offene Konflikte zwischen dem 69 Jahre alten Gross und dem 55 Jahre alten El-Erian, der neben dem Gründer in den vergangenen Jahren zum öffentlichen Gesicht von Pimco geworden war. „Ich habe eine 41 Jahre lange Geschichte mit vorzüglichen Anlageentscheidungen vorzuweisen. Und was hast du?“, soll Gross El-Erian im vergangenen Juni gefragt haben. „Ich bin es leid, deine Scheiße aufzuwischen“, feuerte der normalerweise als höflich bekannte El-Erian zurück, der in der Vergangenheit unter anderem das Stiftungsvermögen der Universität Harvard verwaltete. Der Wortwechsel wurde inzwischen von mehreren Personen bestätigt. Später drängte El-Erian darauf, dass der als brillant, aber exzentrisch geltende Gross seinen Umgang mit Mitarbeitern ändern sollte, die er offenbar wiederholt unter Druck setzte. El-Erian, der gleichberechtigt mit Gross die Anlagen von Pimco verantwortete, soll 100 Millionen Dollar im Jahr verdient haben. Der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Michael Diekmann, hatte Ende Februar einen Machtkampf an der Spitze von Pimco dementiert. Pimco sei aber auch keine „One-Man-Show“ von Gross, sagte Diekmann auf der Bilanzpressekonferenz des Versicherers.

          Mehrere Pensionsfonds und andere institutionelle Anleger überprüfen ihre Anlagen bei Pimco wegen der öffentlichen Schlammschlacht. „Egal wie gut jemand ist, mit dem ganzen Wirbel und den Störungen und dem Gegenwind im Anleihegeschäft könnte das Auswirkungen auf jedermanns Fähigkeiten haben, sich auf die tägliche Arbeit zu konzentrieren“, sagte Harold Evensky vom Vermögensverwalter Evensky & Katz Wealth Management gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Investoren haben im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 41,1 Milliarden Dollar aus dem Pimco Total Return abgezogen. Auch in den ersten zwei Monaten dieses Jahres hielten die Abflüsse an. Gross selbst gibt sich gelassen. „Keine Ablenkungen hier – nur Zufriedenheit mit den langfristigen Ergebnissen – arbeiten wie immer hart für Klienten“, schrieb Gross auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

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