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: Folgenreicher Tipp

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Wegen einer Theaterempfehlung ist Péter Esterházy im staatlichen ungarischen Radio MTVA zensiert worden. Wie der ungarische Schriftsteller dieser Zeitung im ...

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          Wegen einer Theaterempfehlung ist Péter Esterházy im staatlichen ungarischen Radio MTVA zensiert worden. Wie der ungarische Schriftsteller dieser Zeitung im Gespräch erklärte, hatte er den Hörern seiner monatlichen Sendung neben Literatur- und Musiktipps am 25. Dezember auch geraten, das Nationaltheater zu besuchen, solange dort Robert Alföldi noch Intendant ist. In der ausgestrahlten Sendung fehlte diese Empfehlung. In der gestern erschienenen Ausgabe der Wochenzeitung „Elet es irodalom“ schreibt Esterházy dazu: „Zum letzten Mal, soweit ich mich erinnern kann, wurde ich ’81 zensiert.“ Und er, dessen Heimatland bis 1989 kommunistisch regiert wurde, fragt weiter: „Wird man mich jetzt wieder anrufen, Verzeihung, es war ein Missverständnis? Weil wir plötzlich im Jahr ’86 sind - und ich damals bereits über die Barbarei von ’81 zu reflektieren vermochte. Aber ich will jetzt weder im Jahr ’81 noch im Jahr ’86 leben. Damals habe ich schon einmal gelebt, ein Mal war genug.“

          Seit der rechtskonservative Viktor Orbán Ministerpräsident ist, werden Ungarns öffentlich-rechtliche Medien von einer Orban-loyalen Führungsriege kontrolliert. Dabei wird immer wieder auch von Manipulationen und Zensureingriffen berichtet. Am Budapester Nationaltheater, der ersten Bühne des Landes, kommt es im Sommer zu einem Intendantenwechsel. Der bisherige Theaterchef Alföldi wird von Attila Vidnyanszky abgelöst. Der Regisseur steht Orbán nahe und vertritt eine antiwest-

          liche, konservative Theaterauffassung. Der Staatsfunk MTVA hat sich derweil bei Esterházy entschuldigt. Den Vorwurf der Zensur weise man zurück, dennoch sei es eine „falsche redaktionelle Entscheidung“ gewesen, den Theatertipp zu streichen. Gegen den Redakteur wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Péter Esterházy hingegen wird, wie er am Telefon hervorhebt, jetzt nur umso öfter auf Alföldis letzte Monate am Nationaltheater hinweisen.

          S.K.

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