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Internationaler Finanzmarkt : Das billige Geld treibt die Aktienkurse

Die Europäische Zentralbank will am 29. Februar europäischen Banken so viel Geld wie gewünscht für drei Jahre zum niedrigen Leitzins leihen Bild: dpa

Ob in Japan, Brasilien, Deutschland oder Amerika: Die Aktienkurse klettern dank neu gedruckten Geldes und niedriger Zinsen.

          Fast alle Aktienmärkte auf der Welt haussieren. In Aktien und Rohstoffe fließt offenbar ein guter Teil des Geldes, das die Notenbanken derzeit schaffen. Die niedrigen Zinsen in den Industrieländern machen Anleihen dagegen unattraktiv. Die in vielen Schwellenländern noch sinkenden Zinsen regen die Kreditnachfrage an und stimulieren das Wirtschaftswachstum dort. Die bevorstehende Umschuldung Griechenlands, die von Moody’s gerade angedrohte Bonitätsherabstufung von 114 Banken und die bei fast allen Marktteilnehmern vorhandenen Zweifel, ob die Politik des billigen Geldes eine überschuldete Welt auf Dauer auf einen neuen Wachstumspfad führt, tun derzeit der Risikofreude der Anleger keinen Abbruch.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jüngstes Beispiel für eine die Börsianer begeisternde Geldpolitik ist Japan. In der vergangenen Woche stellte die japanische Notenbank weitere 10 Billionen Yen (95 Milliarden Euro) zum Kauf von Staatsanleihen in diesem Jahr bereit. Damit löste sie ein Kursfeuerwerk am Aktienmarkt in Tokio aus. Der Aktienindex Nikkei kletterte im Wochenvergleich um fast 5 Prozent auf 9.384 Punkte und damit den höchsten Stand seit August. Analysten halten es nur noch für eine Frage der Zeit, wann der Nikkei die Marke von 10.000 Punkten überschreitet.

          Japan wünscht sich Yen-Abwertung

          Dabei ist Japans Wirtschaft in keiner guten Verfassung. Notenbankchef Masaaki Shirakawa betonte, mit den ausgeweiteten Staatsanleihekäufen wolle die Bank von Japan die Konjunktur beleben. Tatsächlich ist die japanische Wirtschaft im vierten Quartal deutlich mit einer Jahresrate von 2,3 Prozent geschrumpft.

          Die Exportunternehmen leiden unter dem starken Yen, der in Reaktion auf das ausgeweitete Geldangebot indes in der vergangenen Woche abwertete. Zum Euro gab der Yen um 2, zum Dollar sogar um fast 3 Prozent nach. Eine weitere Yen-Abwertung ist in Japan erwünscht. Damit verringert sich allerdings auch die Wertentwicklung japanischer Aktien für in Euro rechnende Anleger.

          Kursänderungen der 30 Werte des Deutschen Aktienindex

          Dies ist in Brasilien anders. Mit dem Aktienindex Bovespa haben in Euro rechnende Anleger seit Oktober 35 Prozent verdient. Dabei profitieren sie auch von der starken Währung Real, die seit Jahresanfang zum Euro um 7 Prozent aufgewertet hat. Die Kurse am brasilianischen Aktienmarkt treiben die seit Herbst 2011 um insgesamt 2 Prozentpunkte auf 10,5 Prozent gesenkten Leitzinsen. Die Zinssenkungen waren der Notenbank möglich, weil sich mit nachlassender Wirtschaftstätigkeit die Jahresinflationsrate von 12 auf 6 Prozent halbiert hat.

          Brasilien ist ein typisches Beispiel für ein Schwellenland, das nachlassenden Inflationsgefahren ausgesetzt ist. Die daher möglichen Zinssenkungen ermutigen Investitionen und bringen die Wirtschaft wieder stärker in Gang. Dies zeigen Frühindikatoren wie steigende Einkaufsmanagerindizes nicht nur in Brasilien, sondern etwa auch in Australien. Nachdem Indonesien im Januar die Leitzinsen gesenkt hat, gilt Indien als nächster Kandidat. Die indische Jahresinflationsrate lag im Januar nur noch bei 6,55 Prozent. Im dritten Quartal 2011 hatte sie noch 10 Prozent betragen. Der Leitzins in Indien dagegen ist seit Oktober mit 8,5 Prozent unverändert.

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