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Aktie im Blick : Morgan Stanley wehrt sich gegen Gerüchte

Bild: AP

Der Aktienkurs der amerikanischen Bank wird von Spekulationen um die Höhe des Engagements in französischen Bankanleihen belastet. Seit Jahresbeginn hat er sich halbiert.

          Der Aktienkurs von Morgan Stanley reagiert seit geraumer Zeit sensibel auf Gerüchte wegen der Engagements der auf Wertpapiergeschäfte spezialisierten Bank in Europa. Am vergangenen Freitag verlor die Aktie von Morgan Stanley mehr als 10 Prozent an Wert, nachdem der kontroverse Blog Zero Hedge auf einen älteren Artikel verwiesen hatte. Diesem Artikel zufolge belaufen sich die Engagements von Morgan Stanley bei französischen Banken auf 39 Milliarden Dollar - rund 12 Milliarden Dollar mehr als der aktuelle Börsenwert der Wall-Street-Bank.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Bank verwies zwar rasch darauf, dass diese Zahl die Absicherungen nicht einkalkuliert. Analysten wie Brad Hintz vom Wertpapierhaus Sanford Bernstein schätzen das gesamte Risiko von Morgan Stanley aus Geschäften mit französischen Banken auf deutlich geringere 2 Milliarden Dollar. Aber die Gerüchte fielen an der Wall Street auf fruchtbaren Boden, da Morgan Stanley unter den großen Banken die Kleinste und möglicherweise Verwundbarste ist. Am Montag fiel der Aktienkurs um weitere 8 Prozent. An der Wall Street populäre Blogs wie „Seeking Alpha“ diskutieren bereits die Frage, ob Morgan Stanley wie damals die Investmentbank Lehman Brothers insolvent werden könnte.

          Vorstandschef beruhigt Angestellte

          Die Situation scheint gefährlich genug, dass sich Morgan-Stanley-Vorstandschef James Gorman genötigt sah, die Angestellten zu beruhigen. In einer E-Mail verwies er auf positive Berichte von Analysten, die die in den vergangenen Jahren gewachsene finanzielle Stärke der Bank betonen. „In den vergangenen Wochen gab es eine enorme Menge Verwirrung und Falschinformationen über Morgan Stanley und ebenbürtige Banken. In anfälligen Märkten, wo Angst über den gesunden Menschenverstand triumphiert, muss man mit diesen Dingen rechnen“, schrieb Gorman.

          Am Montag nach Handelsschluss kam dann der größte Aktionär von Morgan Stanley, die japanische Bank Mitsubishi UFG Financial, ihrem amerikanischen Partner zur Hilfe. „Als Reaktion auf die jüngsten Marktschwankungen möchte MUFG bekräfigen, dass wir fest zu unserer langfristigen strategischen Allianz mit Morgan Stanley stehen“, teilten die Japaner in einer ungewöhnlichen Presseerklärung mit. Mitsubishi hatte Morgan Stanley nach dem Zusammenbruch von Lehman vor drei Jahren mit einer Kapitalspritze gestützt, als an den Märkten mit einem Dominoeffekt und möglichen weiteren Insolvenzen von Investmentbanken gerechnet wurde. Mitsubishi hält derzeit rund 22 Prozent der Aktien von Morgan Stanley. Der Aktienkurs von Morgan Stanley erholte sich daraufhin am Dienstag um mehr als 12 Prozent. Weitere Unterstützung kam aus Europa, wo sich auf politischer Ebene ein Konsens für eine Rekapitalisierung von Banken abzeichnete. Das würde den Druck auf deren amerikanische Handelspartner senken, folgerten Händler.

          Aktienkurs halbiert

          Am Donnerstag lagen die Aktien von Morgan Stanley im frühen Handel leicht im Minus, seit Jahresbinn haben die Titel mehr als 50 Prozent ihres Wertes verloren. Analyst Matthew Burnell von der Bank Wells Fargo, dessen Bericht Morgan-Stanley-Vorstandschef Gorman den Mitarbeitern zur Lektüre empfahl, hält den Aktienkurs der Wall-Street-Bank für „übertrieben ermäßigt“. Die Risiken wegen der Engagements bei französischen Banken bezifferte Burnell auf 1,4 Milliarden Dollar und damit „ziemlich überschaubar“, solange Morgan Stanley ausreichende Absicherungsgeschäfte gemacht hat. Das Kreditrisiko in Bezug auf Derivate, von herkömmlichen Wertpapieren abgeleiteten Finanzkontrakten, beläuft sich nach Ansicht von Burnell auf 1 Prozent des harten Kernkapitals (Tier 1). Das sei deutlich niedriger als bei vergleichbaren Banken.

          Marktteilnehmer erwarten weitere Informationen, wenn Morgan Stanley in Kürze die Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlicht. Wegen der anstehenden Quartalszahlen kann die Bank derzeit Gerüchte nicht mit harten Zahlen dementieren und nur auf Analysten verweisen. Daher könnte der Aktienkurs weiter starken Schwankungen ausgesetzt bleiben. „Bis sie neue Zahlen herausgeben, wahrscheinlich mit den kommenden Quartalsgewinnen, wird der Markt weiter sehr ängstlich bleiben", sagte Steve Sosnick, Risikomanager für den Aktienhandel beim Wertpapierhaus Timber Hill.

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