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: Filmstudio Warner unterstützt nur noch Bluray als DVD-Nachfolger

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FRANKFURT, 6. Januar (Kno./dpa). Im Wettstreit um die Nachfolge der DVD durch Medien, die Videodaten in noch sehr viel höherer Auflösung speichern können, sind überraschend die Chancen auf einen Durchbruch des Standards Bluray gestiegen.

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          FRANKFURT, 6. Januar (Kno./dpa). Im Wettstreit um die Nachfolge der DVD durch Medien, die Videodaten in noch sehr viel höherer Auflösung speichern können, sind überraschend die Chancen auf einen Durchbruch des Standards Bluray gestiegen. Das amerikanische Filmstudio Warner Bros., das bisher seine Filme sowohl im Bluray- als auch im rivalisierenden HD-DVD-Format veröffentlicht, hat sich für seine kommenden Produktionen nun ausschließlich für die Bluray-Disc entschieden, die federführend vom Unterhaltungselektronikkonzern Sony entwickelt worden ist.

          Damit wird die vom japanischen Unternehmen Toshiba entwickelte HD-DVD-Scheibe in Hollywood künftig unter den großen Studios nur noch von Universal und Paramount unterstützt. Da neben Warner auch Sony, Disney und 20th Century Fox hinter Bluray stehen, könnte nach der Meinung von Branchenkennern die kritische Angebotsmasse erreicht sein, die diesen Standard zum Sieger in dem seit mehreren Jahren andauernden Formatstreit macht. Allerdings weist Toshiba auf bindende Verträge mit Warner hin und stellt damit die Möglichkeit einer Klage in den Raum. Man sei von der Entscheidung des Studios nicht vorab informiert und folglich völlig überrascht worden. Im Hinblick darauf, dass 2007 mehr HD-DVD-Player als Bluray-Player und mehr Personal-Computer mit HD-DVD-Laufwerk als solche mit Bluray-Laufwerk verkauft worden seien, könne man die Entscheidung auch nicht nachvollziehen.

          "Die Verbraucher haben sich klar für Bluray entschieden", wird hingegen der Präsident von Warner Home Entertainment, Kevin Tsujihara, in einer Mitteilung zitiert, die das Unternehmen unmittelbar vor Beginn der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas veröffentlicht hat. Der Formatstreit habe die Verbraucher verunsichert und damit die Ausbreitung von Video in hoher Auflösung (High Definition/HD) gebremst. Amerikanischen Marktforschern zufolge hatten HD-Medien im vergangenen Jahr in den Vereinigten Staaten einen Marktanteil von lediglich 1 Prozent.

          Unter amerikanischen Industriebeobachtern ist nach der Entscheidung von Warner eine Diskussion darüber ausgebrochen, ob der Formatkrieg nun zugunsten von Bluray entschieden sei. Bisher waren beide Lager so groß, dass sich kein Sieger abzeichnete. Erst im August hatte das Filmstudio Paramount, das auch Filme von DreamWorks Animation veröffentlicht, sich für HD DVD statt für Bluray entschieden.

          Ein wichtiges Argument für die HD DVD ist auch die Unterstützung des weltmarktführenden Softwarekonzerns Microsoft. Die entscheidende Frage dürfte nun sein, ob die beiden verbliebenen großen Hollywood-Studios an dem HD-DVD-Format festhalten. Dem "Wall Street Journal" zufolge erlaubt beispielsweise der Vertrag von Paramount mit der HD-DVD-Gruppe dem Filmstudio, zum Jahresende auf Bluray umzusteigen. Grundsätzlich kommen Film- und Elektronikbranche verstärkt unter Druck, schnell eine DVD-Nachfolge für Video in hoher Auflösung zu etablieren und den Kampf der Formate zu beenden. Denn der Verkauf von Videofilmen auf DVDs oder HD-Medien erhält zunehmend Konkurrenz durch Internet-Downloads. Der Chef des Warner-Filmstudios, Barry Meyer, warnte, HD-Discs könnten ihre Zukunft verspielen, wenn der Format-Wirrwarr andauere.

          Die beiden Standards HD DVD und Bluray sind nicht miteinander kompatibel. Es gibt zwar einige wenige Geräte, die sowohl Bluray als auch HD DVD abspielen können. Sie kosten aber zum Teil mehr als zwei unterschiedliche Player für die beiden Formate zusammen. Die Industrie glaubt, dass die Konkurrenz der beiden Formate die Verbraucher davon abhält, Abspielgeräte und Filme zu kaufen, weil sie Angst haben, sich für den Verlierer des Rennens zu entscheiden.

          Einige Marktbeobachter weisen aber auch darauf hin, dass viele Verbraucher möglicherweise vorerst mit der DVD-Qualität zufrieden sind. Die HD-DVD-Technologie ist in der Anschaffung für den Konsumenten etwas günstiger, während die Bluray-Disc mehr Kapazität bietet. Ein möglicherweise entscheidender Faktor für den Ausgang des Formatstreits ist die Spielekonsole Playstation 3. Das Sony-Gerät hat ein eingebautes Blu-ray-Laufwerk. Deshalb wurden zwar mehr Abspielgeräte des HD-DVD-Formats fürs Wohnzimmer verkauft, beim Absatz der Medien hat aber Bluray die Nase vorn. Tsujihara zufolge entfallen auf Bluray in Großbritannien 75 Prozent der Verkäufe von HD-Discs und in Japan sogar 90 Prozent.

          Der Schritt von Warner kommt für das HD-DVD-Lager zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, nämlich zu Beginn der tonangebenden Elektronikmesse CES. Die für den Sonntag angesetzte Pressekonferenz der HD-DVD-Gruppe wurde kurzerhand abgesagt. Man wolle nun zunächst die Folgen der Warner-Entscheidung prüfen, hieß es in einer knappen Erklärung.

          Ein Nachfolgeformat für die weitverbreitete DVD ist notwendig, weil sie nicht genügend Kapazität hat, um Filme in hoher Auflösung zu speichern. Film- und Elektronikindustrie hoffen auf ein großes Geschäft beim Übergang zur höheren Bildauflösung, da dafür neue Fernseher, Player und Speichermedien benötigt werden. Warner erwog, in den Format-Streit mit einer Hybrid-Disc einzugreifen, die auf einer Seite die Filme im Bluray-Standard und auf der anderen als HD DVD enthielt. Die "Total HD"-Disc wurde jedoch vor einiger Zeit eingestellt.

          Nach Informationen des "Wall Street Journal" bekommt Warner als Teil der Vereinbarung auch Marketing-Unterstützung. Auch die HD-DVD-Seite habe Geld geboten. Warner-Chef Meyer betone aber, dass die Entscheidung für Bluray eine strategische gewesen sei und nicht die Folge eines Bieterwettstreits. Auch beim Übergang von Paramount ins HD-DVD-Lager soll Marketing-Unterstützung in Millionenhöhe vereinbart worden sein.

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