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: Weil er zu links ist?

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Volker Herres, der neue Programmdirektor der ARD, hat sich seinen ersten Arbeitstag sicherlich anders vorgestellt. Kaum im Amt, muss er sich gegen eine verwegene Verschwörungstheorie verwahren, die der Schauspieler Uwe Steimle in eigener Sache vertritt.

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          Volker Herres, der neue Programmdirektor der ARD, hat sich seinen ersten Arbeitstag sicherlich anders vorgestellt. Kaum im Amt, muss er sich gegen eine verwegene Verschwörungstheorie verwahren, die der Schauspieler Uwe Steimle in eigener Sache vertritt. Steimle glaubt nämlich, dass der "Polizeiruf 110" aus Schwerin in der ARD nur deswegen abgesetzt wird (F.A.Z. vom 1. November), weil er - wie allgemein bekannt sei - die Präsidentschaftskandidatur des Fernsehkollegen Peter Sodann für die Linkspartei unterstütze.

          Dem neuen Programmdirektor Herres passe seine politische Haltung wohl nicht, mutmaßt Steimle in der "Bild am Sonntag". Die Unterstellung, der NDR erteile Steimle Berufsverbot, sei "Unsinn", sagte hingegen der Unterhaltungs- und Fernsehspielchef des Norddeutschen Rundfunks, Thomas Schreiber. Schließlich habe man Steimle eine Zusammenarbeit bei anderen Projekten angeboten, den Anspruch einer Anstellung auf Lebenszeit könne man im "Polizeiruf" aber nicht erfüllen. Man sei Steimle für seine Arbeit zu Dank verpflichtet, er habe als verschrobener Kommissar Hinrichs "Kultstatus" erlangt. "Rollen enden, das ist normal, große Schauspieler bleiben", sagte der ARD-Direktor Herres, der bis zum vergangenen Freitag noch Fernsehdirektor beim NDR war. Uwe Steimle sei "ein bemerkenswerter Darsteller", dessen Begabung er sehr schätze.

          Der NDR produziert den "Polizeiruf" aus Schwerin seit fünfzehn Jahren, nun wird der Handlungsort nach Rostock verlegt, wo zwei neue Darsteller die Kommissare verkörpern werden. Neben Steimle verliert seine Rolle der Schauspieler Felix Eitner, der allerdings keine Verschwörungstheorien in die Welt setzt. Steimle spielt im Schweriner "Polizeiruf" seit dessen Beginn von 1994 an, Eitner stieß erst im Herbst vor drei Jahren dazu als Nachfolger von Henry Hübchen, in dessen Fall der NDR seinerzeit tatsächlich einen Rollenkonflikt konstruiert hatte (F.A.Z. vom 8. Oktober 2005).

          Hübchen sah sich vor die Wahl gestellt, entweder weiter im "Polizeiruf" zu spielen oder die bis heute andauernde Hauptrolle in der neuen, erfolgreichen Krimiserie um den italienischen Kommissar Proteo Laurenti (eine Figur des Schriftstellers Veit Heinichen) zu übernehmen. Hübchen verzichtete auf die Rolle in Schwerin. "Ein einsamer Mann verlässt den anderen", hieß es damals in unserer Kritik zum letzten Auftritt des Duos Hübchen/Steimle. Der NDR hält nun auch Steimles Rolle für "auserzählt", was einem angesichts der jüngeren Episoden des "Polizeirufs" aus Mecklenburg-Vorpommern durchaus nachvollziehbar erscheint.

          Im kommenden Jahr sind Steimle und Eitner jedoch noch zweimal zu sehen, mit den neuen Kommissaren - deren Darsteller noch nicht bekannt sind - wird erst 2009 gedreht, ihr erster Film wird 2010 zu sehen sein. Die Linkspartei sollte es sich wohl zweimal überlegen, ob sie diese Programmentscheidung des NDR zum politischen Skandal erklären will. In das Weltbild von Peter Sodann - das dürfen wir aufgrund seiner einschlägigen Äußerungen zur demokratischen Verfasstheit unseres Landes mutmaßen - würde es bestimmt passen. miha.

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