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: Wasserlilien aus Stahl

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Die Lebensqualität hängt weltweit wesentlich von einer ausreichenden Menge an sauberem Wasser ab. Und vom Schutz vor den Gewalten dieses Elements, wie die Tsunamis 2004 in Südasien und im Frühjahr 2011 in Japan grausam bewiesen haben.

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          Die Lebensqualität hängt weltweit wesentlich von einer ausreichenden Menge an sauberem Wasser ab. Und vom Schutz vor den Gewalten dieses Elements, wie die Tsunamis 2004 in Südasien und im Frühjahr 2011 in Japan grausam bewiesen haben. Schon bald dürfte die Bedeutung eines nachhaltigen Wassermanagements insbesondere in Asien, wo die Hälfte der Weltbevölkerung lebt und der Trend zur Verstädterung küstennaher Regionen rasant voranschreitet, auf den Spitzenplatz der politischen Agenda rücken. Konflikte um Wassernutzung zwischen China, Indien, Thailand und Laos lassen befürchten, dass die Kriege der Zukunft um Wasser geführt werden.

          Im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen in Berlin, die sich in diesem Jahr den Themen Gesundheit, Ernährung und Wasser widmeten, zeigt die dortige Galerie AedesEast zwei Ausstellungen wasserbezogener Projekte von Stadtplanern und Architekten. Die eine behandelt die Bemühungen des Stadtstaates Singapur vor der Südküste Malaysias, mit einigen großen und vielen dezentralen Eingriffen die Wasserversorgung seiner fünf Millionen Einwohner zu gewährleisten. Wasserstrategien anderer Großstädte in Süd-, Ost- und Südostasien sowie in Australien, wo jeweils fast neunzig Prozent der Bevölkerung an Flüssen oder Meeren wohnen, dokumentiert die zweite Ausstellung. Dass in ihr vermutlich erstmals in Deutschland Süd- und Nordkorea präsent sind, ist eine kleine Sensation.

          Vielerorts erweist sich Wasser nicht nur als Segen, sondern ebenso als Fluch: der infolge des Klimawandels ansteigende Meeresspiegel, regelmäßige Überschwemmungen aufgrund sintflutartiger Regenfälle und Tsunamis bedrohen Millionen Menschen. Zum Beispiel in Bangkok, wo das steigende Meer bald große Teile jenes Landes überfluten wird, das vor dreihundert Jahren der Marschlandschaft des Chao Phraya abgerungen wurde. Eine UN-Studie prognostiziert, dass bis 2050 ein Teil der Metropolregion Bangkok aufgegeben werden muss. Um die betroffene Bevölkerung und jährlich rund hunderttausend Zuwanderer sicher unterzubringen, müssten neue Stadtstrukturen entwickelt werden, die mit dem empfindlichen Mangroven-Ökosystem kompatibel sind. Das einheimische Büro S+PBA hat einen Gemeinschaftsprototyp auf Pfeilern entworfen, der nach dem Vorbild des südthailändischen Dorfes Koh Pan Yii Wohnen und Arbeiten überm Wasserspiegel ermöglichen soll. Mittels einer zeltartigen, dreigeschossigen Baustruktur könnte aus der Metropolis die Wetropolis Bangkok werden.

          Auf stadtplanerisch Neues setzt auch das Projekt "Sunny Water Lillies" für Phuket und jeden anderen Standort auf dem Wasser. Die niederländische Why Factory, ein Ableger des Büros MVRDV und der Universität Delft, will auf der Meeresoberfläche "Blumeninseln" mit großenBlüten - sprich: Solarthermiekollektoren - schwimmen lassen. Ob sich diese ansprechenden Wasserlilien der Hochtechnologie für traditionelle Siedlungsgebiete der ansässigen Bevölkerung eignen, oder doch eher nur im Luxussegment von Ferienresorts blühen könnten, bleibt offen.

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