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: Was schützt der Denkmalschutz überhaupt noch?

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"Frankfurt ist jetzt nicht nur eine der reichsten, sondern auch eine der schönsten Städte Deutschlands." So schrieb Johanna Schopenhauer, die Mutter des Philosophen, 1815 in ihrem Reisetagebuch. Ihre Begeisterung hatte sich an den ...

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          "Frankfurt ist jetzt nicht nur eine der reichsten, sondern auch eine der schönsten Städte Deutschlands." So schrieb Johanna Schopenhauer, die Mutter des Philosophen, 1815 in ihrem Reisetagebuch. Ihre Begeisterung hatte sich an den Neubauten entzündet, die nach der Niederlegung der Stadtmauern 1806 entstanden waren - feinster dezenter Klassizismus, der in Gestalt von noblen Mietshäusern und Villen entlang baumbestandener Boulevards und begrünter Wallanlagen die Altstadt säumte. Der Zweite Weltkrieg, der überhastete Wiederaufbau und diverse Spekulationswellen haben davon kaum etwas übrig gelassen - nun droht dem letzten Rest die Verstümmelung.

          Betroffen ist ausgerechnet ein Bau der frühesten und schönsten Phase dieser Glanzzeit: Um 1820 als Mietshaus "für begüterte Stände" gebaut, steht er am nördlichen Innenstadtrand, an der Petersstraße, damals eine Promenade, heute, wie die sie kreuzende Bleichstraße, eine Autorennstrecke namens Cityring.

          Welcher Raser achtet auf Architekturschönheit, welcher Passant würde, umtost von Motorenlärm und Abgasen, in Muße architektonische Schönheit anschauen? Mit anderen Worten: Das Haus ist gleichsam unsichtbar geworden. Damit entgeht einem nicht nur Schönheit, sondern auch ein fesselndes Kapitel deutscher Architektur- und Sozialgeschichte: Auf den Aufschüttungen des einstigen Walls errichtet, stand und steht das Haus am Eingang zur Innenstadt als point de vue des klassizistischen Frankfurt. Dementsprechend repräsentativ wendet sich die Schaufront der Petersstraße zu. In der Mitte sitzt das monumentale Eingangsportal, nach griechisch antikem Vorbild gerahmt von Pilastern und bekrönt von einem vorspringenden waagerechten Gesims. Links und rechts, über einem umlaufenden Sandsteinsockel, unter dem die halbrunden Luken des hochsitzenden Kellergeschosses angeordnet sind, öffnen sich je zwei Fenster. Darüber, auf drei Geschossen, folgen fünf Fensterachsen. Im ersten, der Beletage, tragen sie vertikale Vorsprünge, sogenannte Attiken. Das flach geneigte verschieferte Walmdach sitzt samt Gauben über einem kräftigen Traufgesims.

          Schaut man auf die nördliche Langseite des Hauses, tritt einem die Bauwut der Gründerzeit entgegen: Dreiergruppen von Fenstern setzen jeweils auf halber Geschosshöhe an, endend in einem zusätzlichen "Dach auf dem Dach". Das Ganze ist ein neues Treppenhaus samt Mansarde, eingesetzt, als die Etagen in Kleinwohnungen unterteilt wurden.

          Das alte Portal ist seither vermauert; in seiner Mitte sitzt ungelenk ein Zusatzfenster. Ob man all dies Bereicherung oder Verunstaltung nennt, steht dahin; aufschlussreich für den sozialen Wandel um 1880 ist der Eingriff allemal - und er suchte immerhin ästhetisch Anschluss.

          Erst unsere Zeit verstümmelte das Denkmal hemmungslos. Trotz frischem Verputz spricht alles von Amortisierung: Außer den mittleren sind die Fenster der Schaufront vermauert, seitlich sieht man banale Ganzglasfenster anstelle von Sprossen, die einstigen Klappläden fehlen. Dass die Baulichkeit trotzdem noch immer ein hochrangiges Denkmal ist, liegt an einem grazilen Nebenbau. An der Nordseite des Hauses, mit direktem Kontakt zu den Wallanlagen, ist er das letzte Exemplar jener Miniaturhäuser, die zu den anspruchvolleren Wohnbauten des Klassizismus ursprünglich so sicher gehörten wie der neoantike Zierrat.

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