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: Von hoher Erwartung zu tiefer Enttäuschung

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Wer hoch fliegt, der fällt tiefer. Dennoch ist es bemerkenswert, dass der Präsident, den uns David Remnick in seiner bestens recherchierten und mit unzähligen Interviews mit dessen Weggefährten und Zeitzeugen gespickten Biographie ...

          Von Stefan Fröhlich

          Wer hoch fliegt, der fällt tiefer. Dennoch ist es bemerkenswert, dass der Präsident, den uns David Remnick in seiner bestens recherchierten und mit unzähligen Interviews mit dessen Weggefährten und Zeitzeugen gespickten Biographie präsentiert und den die Weltöffentlichkeit nach wie vor als charismatischen, selbstbewussten und zum Wandel entschlossenen Politiker wahrnimmt, Umfragen zufolge heute im eigenen Lande kaum mehr beliebter ist als sein Vorgänger, der das Land innerhalb von acht Jahren in die schwerste politische Krise seit Vietnam geführt hat.

          Remnick bietet im zwölfseitigen Epilog des fast 1000-Seiten-Werkes nur beiläufig einen kurzen Einblick in das erste Jahr der Amtszeit von Barack Obama. Er schildert die immensen Probleme und Herausforderungen, vor denen Obama bei Amtsantritt stand: die Kriege im Irak und in Afghanistan, die schwerste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression vor 70 Jahren, zusammenbrechende Finanzmärkte und Rekorddefizite. Und er konstatiert geradezu euphemistisch, dass es ihm mit staatlichen Interventionen zwar gelungen sei, das Land vor einer noch größeren Wirtschaftskrise zu bewahren, dass zehn Prozent Arbeitslosigkeit und der "Anblick von Investmentbankern, die auf das Kapitol kamen, um ihre krassen Boni zu rechtfertigen", aber in der Bevölkerung kein Gefühl von Dankbarkeit oder Jubelstimmung hervorrief.

          Der Schwerpunkt seines Bandes liegt auf der detaillierten Schilderung des Aufstiegs und des Weges des Präsidenten ins Weiße Haus. Was man ansonsten vergleichsweise eindringlich nur in der Autobiographie des Präsidenten lesen kann, erlebt man hier nochmals aus dem Blickwinkel des akribisch arbeitenden Journalisten - die Phase, da er zum ersten afroamerikanischen Präsidenten der Harvard Law Review wurde, die Zeit als Sozialarbeiter in Chicago, eine Hochburg des Rassenkonflikts, schließlich die Jahre der Kindheit und Jugend, die er mit seinen Großeltern und seiner weißen Mutter zum größten Teil im multiethnischen Hawaii verbrachte. Auf diese Weise entsteht eine eindrucksvolle Charakterstudie Obamas.

          Gleichzeitig zeigt sich hier das Hauptanliegen der Studie: Remnick geht jener Frage nach, die Obama bis hin zu seiner Präsidentenwahl verfolgte, nämlich ob er seiner Abstammung wegen überhaupt als "schwarz genug" einzuordnen sei. Konsequent greift er damit das Rassenthema aus Sicht der Bürgerrechtsbewegung auf - so wie es viel tiefgehender und subtiler auch der Originaltitel "The Bridge" assoziiert. Jene "Brücke" ist der Übergang in Selma in Alabama, über den im März 1965 Tausende Afroamerikaner auf ihrem Protestmarsch für das Wahlrecht und gegen Diskriminierung gingen, um anschließend auf ihrem Marsch von der Polizei brutal auseinandergetrieben zu werden ("Bloody Sunday").

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