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: Verjüngungskur für die ewig Jungen

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Die Rückkehr der Götter" von einer Exkursion nach Südamerika feiert eine soeben eröffnete Sonderschau der Berliner Antikensammlung im Nordflügel des Pergamonmuseums. Als opulente Parade bietet sie nicht nur einen Überblick über die ...

          Die Rückkehr der Götter" von einer Exkursion nach Südamerika feiert eine soeben eröffnete Sonderschau der Berliner Antikensammlung im Nordflügel des Pergamonmuseums. Als opulente Parade bietet sie nicht nur einen Überblick über die glanzvollen Bestände des Hauses, sondern schenkt auch faszinierende Einblicke in den Kosmos der griechischen Mythologie und sein marmorn verewigtes, erhabenes Personal. Im Untertitel als "Berlins verborgener Olymp" charakterisiert, erweist sich die mit knapp zweihundert Skulpturen und Kleinkunstwerken bestückte Schau auch als Reverenz an den brasilianischen Leihnehmer, die Stiftung FAAP (Fundação Armando Alvares Penteado) in São Paulo, der es zu danken ist, dass bei rund neunzig Prozent des ausgestellten Materials gravierende Erhaltungsschäden beseitigt wurden.

          Mit der Zusage, dass die Stiftung nicht nur den Transport, sondern auch sämtliche Kosten für dringend notwendige Restaurierungen übernehmen werde, hatten sich die Berliner Archäologen nur allzu gern auf den gewinnbringenden Pakt eingelassen, zumal da die FAAP zuvor unter gleichen Bedingungen bereits die ägyptischen Abteilung des Pariser Louvre zu Gast gehabt hatte.

          Neben einer begrenzten Zahl von Spitzenwerken aus der Schausammlung, darunter die unvergleichlich anmutige und majestätische "Athena mit Kreuzbandaegis", traten vor allem kriegs- und zeitversehrte Objekte aus dem Depot frisch restauriert die Reise nach São Paulo an. Eröffnen konnte die FAAP ihre Ausstellung "Griechische Götter - Schätze aus dem Pergamonmuseum in Berlin" am 20. August 2006. Während einer dreimonatigen Laufzeit besichtigten knapp 260 000 Besucher den Import aus der Alten Welt. Sechzig ausgewählte Stücke wanderten anschließend noch in das von Oscar Niemeyer erbaute Museum für Zeitgenössische Kunst in Niterói bei Rio de Janeiro, wo man ihnen Holzskulpturen afrobrasilianischer Götter und Nationalkunst der Gegenwart gegenüberstellte.

          Die Berliner Präsentation versucht nun, so weit es die unterschiedlichen Räumlichkeiten zulassen, das Konzept der Brasilianer aufzugreifen: Den Empfang übernehmen die vor taubenblauem Fond installierten "Vatergottheiten": der imposante Kopf des Zeus aus einem Grabrelief, die 1879 in Pergamon ausgegrabene Statue des Poseidon und die ehrfurchtgebietende Gewandfigur des Heilgottes Asklepios mit dem Schlangenstab. Aphrodite, Göttin der Liebe und der Schönheit, leuchtet als "Anadyomene" ("aus dem Meer Aufsteigende") in einem kirschrot akzentuierten Ambiente, flankiert von Artemis als Jägerin im Fell eines Hirschkalbs und Apoll als jugendlichem Helden mit dem unverkennbaren Attribut seiner Kithara.

          Die Welt des Theaters vertritt neben Masken und grotesken Statuetten die lebensgroße Figur eines Schauspielers als Silen aus dem Gefolge des Dionysos. Den monographischen Auftritten einzelner Gottheiten folgen Abteilungen mit Weihgeschenken und die Simulation eines römischen Villengartens. Hier umringen die bekannte Figur des "Dornausziehers", die Statue des "Narcissos", ein "Schlafender Eros mit Fackel" und etliche Satyrn-Darstellungen die Ränder von Wasserbecken.

          Der Sonderstellung des Dionysos tragen sechzig in die Schausammlung des Museums integrierte Objekte einer Zusatzausstellung mit Hinweisen auf die Bereiche des für den Weingenuss, die Ekstase und das Theater zuständigen Gottes Rechnung. Frappierend wirkt hier der auch bei anderen Mitgliedern des olympischen Familienverbunds zu beobachtende Prozess einer Verjüngung vom bärtigen Greis im sechsten vorchristlichen Jahrhundert zum lockengeschmückten Jüngling des Hellenismus. Camilla Blechen

          Die Rückkehr der Götter bis zum 5. Juli, Dionysos - Verwandlung und Ekstase bis zum 21. Juni 2009, Pergamonmuseum, Berlin. Zu beiden Ausstellungen sind beim Verlag Schnell & Steiner Kataloge erschienen, die je Band 29,90 Euro kosten.

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