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Random House : Unruhe um Vorruhestand

Apart: Zwei namenlose Informante aus Gütersloh kündigen in der „New York Times“ den Rücktritt des Random-House-Chefs Peter W. Olson an. Er leitet die im Besitz der Bertelsmann AG befindliche, weltweit größte englischsprachige Verlagsgruppe.

          Es ist ein Zeichen unserer globalisierten Zeit, wenn New York vom angeblich bevorstehenden Rücktritt eines New Yorker Managers durch einen Bericht erfährt, den ein Korrespondent der „New York Times“ aus Deutschland geschickt hat. Wo sonst als im Mutterhaus in Gütersloh sollte bestimmt werden, wer in der Filiale am Broadway den Ton angibt? Apart aber ist es schon, dass Random House, die im Besitz der Bertelsmann AG befindliche, weltweit größte englischsprachige Verlagsgruppe, in New York über das weitere berufliche Schicksal ihres Chefs Peter W. Olson nichts wissen will, während zwei namenlose Informanten aus der deutschen Zentrale in einem amerikanischen Blatt Olsons Rücktritt ankündigen und obendrein auch noch die Gründe mitliefern.

          Jordan Mejias

          Feuilletonkorrespondent in New York.

          Olson, einer der mächtigsten Gestalten im amerikanischen Verlagswesen, leitet Random House seit zehn Jahren. Er ist der einzige Nicht-Deutsche im Vorstand des Gütersloher Medienkonzerns. Über sein Lesepensum, das jährlich Hunderte von Büchern umfassen soll, wird so gern geraunt wie über seine exquisiten deutschen, japanischen und russischen Sprachkenntnisse. Aber auch als Geschäftsmann hat der studierte Jurist, der auch im internationalen Bankgeschäft Erfahrungen gesammelt hat, ein strenges Regiment geführt. Als ihm die Bilanzen nicht gefielen, die Ann Godoff, damals vor fünf Jahren die Leiterin des Verlags Random House, vorlegte, kündigte er ihr, weil sie wiederholt nicht ihre Gewinnziele erreicht habe. Jetzt wird ihm, wie die „Times“ zu wissen meint, nichts anderes von Hartmut Ostrowski, dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG, vorgeworfen. Ein Unternehmenssprecher in Gütersloh bestätigte am gestrigen Dienstag lediglich, dass es Diskussionen gäbe, aber noch keine Entscheidung getroffen worden sei.

          Unter Olson, der lange Zeit erkrankt war, ging der operative Gewinn von Random House im letzten Jahr um fast fünf Prozent zurück. Amerikanische Buch- und Musik-Clubs, für die er ebenfalls verantwortlich ist, stehen inzwischen zum Verkauf. In zwei Wochen, wenn ein Gipfeltreffen der Bertelsmänner in New York stattfinden soll, dürfte über die Modalitäten von Olsons Abgang entschieden werden. Branchengerüchte bringen für die Nachfolge bereits Gail Rebuck, die resolute Chefin der britischen Filiale von Random House, ins Spiel.

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