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: Poetische Hausgäste

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Der Name gibt sich gastlich: "A Casa Nostra" versammelt "junge italienische Literatur" und will den Leser in besagten vier Wänden empfangen. Nun ist das Italien-Engagement des Wagenbach-Verlags kein Geheimnis.

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          Der Name gibt sich gastlich: "A Casa Nostra" versammelt "junge italienische Literatur" und will den Leser in besagten vier Wänden empfangen. Nun ist das Italien-Engagement des Wagenbach-Verlags kein Geheimnis. Trotzdem wird sich der Leser fragen: Wieder eine Anthologie? Antwort: Unbedingt! Denn dies ist kein Flickenteppich, sondern ein Appetitmacher, der den Geschmacksnerv kitzelt und die Neugier weckt. Die sachkundigen Herausgeberinnen Paola Gallo und Dalia Oggero haben achtzehn Texte von Autoren unter vierzig zusammengestellt, die sich sehen lassen können. Die Kurzgeschichten oder Romanauszüge erzählen von einer Schlange im Vorstadtgarten, vom Tod eines gehassten Bruders, von einer Quizshow im Fernsehen, von der Mistattacke auf eine Medienprominente oder davon, wie eine Katze das Leben ändern kann. Oft handelt es sich um alltägliche Dramen, um scheiternde Ehen, Freundschaften, Karrieren. Die Autoren verlieren sich jedoch nie in Privatismus: Den Texten sind ihre Beobachtungsgabe und ein politischer Sinn gemein, der einzige, der in der Literatur Stadtrecht hat; auch entspannte Weltläufigkeit und ein feines Gespür für das Poetische im Alltäglichen sind auszumachen. Manche Autorennamen sind uns ein Begriff, Alessandro Piperno etwa oder Michela Murgia; andere, wie Silvia Avallone, werden gerade übertragen. Von einigen schließlich, wie Nicola Lagioia oder Paolo Cognetti, der in "Regenzeit" wunderschön von einer verpassten Chance erzählt, wünscht man sich Übersetzungen. Den Herausgeberinnen, die eine "Aufbruchsstimmung" diagnostizieren, ist recht zu geben: Im italienischen Haus ist einiges in Bewegung. ("A Casa Nostra". Junge italienische Literatur. Anthologie. Hrsg. v. Paola Gallo und Dalia Oggero. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2011. 208 S., geb., 16,90 [Euro].)

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          Zum Steinerweichen

          Schuld ist wohl Benn. Seine Karyatiden-Anrufung verhallte wie alles expressionistisch Überkandidelte, ohne dass eine einzige Steinlady sich zerblühte oder Tempel stürzte. Doch dann kam der doppelte Klagenfurter Gert Jonke - tatsächlich geboren in diesem Nest und 1977 den Bachmann-Preis abgestaubt habend -, ein Neoexpressionist, der den Altbaufiguren 1982 Ähnliches nahelegte, allerdings mehr hintenrum. Karyatiden und Atlanten, das muss man wissen, kennen nämlich keinen Schlaf. Folglich fasziniert sie, wie Protagonist Burgmüller ihnen etwas vorschnarcht. Die Gefahr dämmert uns gleich: "Ja, wenn sie eines Tages doch noch einschliefen, und zwar absichtlich? Dann stürzte doch die halbe Stadt ein, und das wäre dann wie in einem unerklärt hereingebrochenen Krieg." Was die Stadt rettet, ist Jonkes Poetologie. Er glaube nur an Erzählungen, hat er einmal dekretiert, die durch andere Erzählungen unterbrochen werden. Und so werden nun mit viel Wortgeklingel drei Liebesabenteuer Burgmüllers eingeschachtelt, wobei die Damen allesamt nicht ganz knusper sind, dafür aber sehr kunstaffin: Die Erste geht ihm im Unterschied von "dorther" und "daher" flöten, die Zweite verschmilzt mit einer Stubenfliege, und die Dritte, eine selbsternannte Schriftstellerin, glaubt nicht an die Existenz der Welt, was für Burgmüller nachteilig ist: "wir könnten nur beschreiben, wie wir miteinander schlafen". Dann rumpelt es doch noch - "oder ist dies der brennende Schlaf des verzweifelt gleißend niedergeglüht aufgeheizten Nachmittagslichts, dessen Ruinen zerstäubt das ganze Land hinter ihm in diesem Staubrauchwetter aufquellen lassen"? Man weiß es nicht. (Gert Jonke: "Erwachen zum großen Schlafkrieg". Erzählung. Nachwort von Paul Jandl. Jung und Jung Verlag, Salzburg 2011. 271 S., geb., 22,- [Euro].)

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