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: Ob Bauer wirklich Frieden schließt?

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Mit dem deutschen Pressevertriebssystem verhält es sich wie mit fremden Galaxien. Der Durchschnittsbürger weiß wenig über Planeten, die nie ein Mensch betreten hat. Und die Auseinandersetzungen des Bauer-Verlags mit den Pressegroßhändlern der Republik erscheinen vielen wie von einem anderen Stern.

          Mit dem deutschen Pressevertriebssystem verhält es sich wie mit fremden Galaxien. Der Durchschnittsbürger weiß wenig über Planeten, die nie ein Mensch betreten hat. Und die Auseinandersetzungen des Bauer-Verlags mit den Pressegroßhändlern der Republik erscheinen vielen wie von einem anderen Stern. Dazu passt, wie Bauer nun die Eigenheiten des Systems von 73 Grossisten, die Zeitschriften zu Supermärkten und Kiosken liefern, erklären will. Im Stil seines Wissensmagazins "Welt der Wunder" hat der Verlag das Heft "Wunder Welt Vertrieb" aufgelegt - darin 44 Fragen und Antworten zum "Kosmos Zeitschriften-Vertrieb". Die Ausgabe richtet sich nur an Journalisten, Verlags- und Handelsmanager, sie sollen verstehen, warum Bauer das Presse-Grosso-System verändern will.

          Vierundzwanzig bunte Seiten mit großen Bildern - das ist die neue Kommunikationsstrategie, mit der die Verlegertochter und Geschäftsführerin Yvonne Bauer nach dem Systemwandel strebt. Durch den bisherigen Konfrontationskurs hat der Verlag potentielle Mitstreiter verloren. Die Kündigung der Lieferbeziehungen mit zwei alteingesessenen Grossisten sorgt für Unmut. Das "Top-100"-Logo für umsatzstarke Illustrierte, die Händler auffällig auslegen sollten, druckt kein anderer auf seine Magazine. Gruner + Jahr klagte erfolgreich gegen zwei Versionen des Emblems. Obwohl manche Verlage den Pressevertrieb für verbesserungswürdig halten, macht bei Bauers Aktion niemand mit. "Fakt ist, dass wir die vergangenen Monate verplempert haben mit Nichtigkeiten", räumt Geschäftsleiter Andreas Schoo ein. Nun will man Frieden schließen. "Wir reichen dem Grosso-Verband die Hand zu einem konstruktiven Dialog", sagt Yvonne Bauer. So erstaunlich die Volte scheint, sie ist nachvollziehbar. Bauer benötigt Reformen im Vertrieb für den eigenen Erfolg. "Print steht unter Druck", sagt Schoo, "wir verlieren massiv an Umsatz und Auflage." Eine interne Untersuchung habe "großen Nachholbedarf" beim Auftritt im Handel aufgezeigt. "Wenn wir dort nicht ausreichend präsentiert sind, dann haben wir verloren."

          Bauer will nun zusammenwirken mit jenen, die der Verlag attackierte. "Nur mit dem Grosso ist Pressevielfalt zu erhalten", sagt Schoo. Die Zukunft des Pressewesens solle gestaltet werden - gemeinsam, aber nach Bauers Vorgabe: das Presse-Grosso soll schrumpfen. Es sei "unnötig", 73 Firmen mit 133 Geschäftsführern zu haben. "Dadurch wird viel Geld verschwendet", sagt Schoo und fordert Fusionen regionaler Vertriebe. Auch den Kampf um die besten Plätze im Regal setzt Bauer fort. Anders als Verlage, die bis zu 5000 Euro monatlich für Aufsteller im Bahnhofsbuchhandel ausgeben, will Yvonne Bauer jedoch für gute Plazierungen nicht bezahlen - "weil wir festgestellt haben, dass es sich kaum rechnet". So ganz neu klingt die Strategie nicht. TIMO KOTOWSKI

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