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: Mit Kindle, Nook und iPad

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Der Buchmarkt ist dabei, sich als Chaosveranstaltung neu zu erfinden. Nichts bleibt, wie es war. Nichts ist, wie es scheint. Alles ist nicht nur im Fluss, der Fluss ist auch voller Strudel und wirbelt durcheinander, was bisher noch irgendwie zusammengehalten hat.

          NEW YORK, 10. August

          Der Buchmarkt ist dabei, sich als Chaosveranstaltung neu zu erfinden. Nichts bleibt, wie es war. Nichts ist, wie es scheint. Alles ist nicht nur im Fluss, der Fluss ist auch voller Strudel und wirbelt durcheinander, was bisher noch irgendwie zusammengehalten hat. Da ist etwa ein Literaturagent, der ankündigt, als E-Book-Verleger seinen wohl bald ehemaligen Geschäftspartnern tüchtig Konkurrenz zu machen und dabei Verträge so auszulegen, wie es ihmam günstigsten erscheint. Verleger fühlen sich naturgemäß vom Verlegeragenten Andrew Wylie bedroht (F.A.Z., vom 30. Juli), Autoren und ihre Verbände rätseln noch darüber, was sie von der Personalunion halten sollen.

          Die Firma Amazon, die Wylies E-Books exklusiv vermarkten darf, dürfte zurzeit wiederum weniger an das Geschäft mit ihm denken als an die geschäftlichen Wirren, in die sich der Konkurrent Barnes & Noble gestürzt sieht. Um Amerikas mächtigste Buchhandlungskette ist ein Kampf ausgebrochen, was eigentlich sehr schmeichelhaft für einen Geschäftsriesen sein müsste, dessen mehr als siebenhundert Filialen aus Stein und Ziegel im elektronischen Zeitalter nicht eben die tollsten Zukunftsperspektiven eröffnen. Trotzdem will Firmengründer Leonard Riggio sein Unternehmen, das gegenwärtig als Aktiengesellschaft dahindümpelt, vielleicht gemeinsam mit einer Investorengruppe zurückkaufen und so vor allem verhindern, dass der kalifornische Supermarkt-Milliardär Ronald W. Burkle es schafft, seinen Aktienanteil an Barnes & Noble entscheidend zu vergrößern.

          Der Weg vom Discountkrösus zum Buchhandelstycoon ist heute ja viel kürzer, als sich das ein Konsument einer real existierenden Buchhandlung vorstellen mag. Super-, Hyper- und Großmärkte wie Costco, Wal-Mart und Target sind keineswegs mehr buchfreie Zonen. Indem sie den Kauf von Unterhosen mit dem spontanen Griff nach dem Bestseller koppeln, bringen sie den Buchhandel nicht weniger in Bedrängnis als die elektronischen Buchhändler, zu denen freilich auch ein traditionelles Großunternehmen wie Barnes & Noble gehört. Dessen Lesegerät, der Nook, hat zwar noch einiges zu tun, um sich gegen Kindle und iPad durchzusetzen, aber im Herbst werden in den Filialen separate Boutiquen eröffnet, wo sich das Ding endlich in all seiner Unwiderstehlichkeit offenbaren soll.

          Welches Modell am Ende reüssiert, wagt niemand vorauszusagen. Die Verkaufszahlen von E-Books jedenfalls steigen rasant. Im letzten Vierteljahr hat Amazon erstmals mehr digitale Bücher als gedruckte verkauft, und spätestens in zwei Jahren könnte nach einigen Schätzungen ein Viertel des amerikanischen Buchverkaufs in Form von E-Büchern vonstattengehen. Für einen wie Wylie bieten sich da die schönsten Geschäftsgelegenheiten - auch wenn er aufpassen muss, dass in seinem ureigenen Revier nicht plötzlich ein Verleger oder Autor auftaucht, der sich als Agent versucht oder dessen Rolle einfach aus dem aktuellen Drama ums Buch streicht. JORDAN MEJIAS

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