https://www.faz.net/-1vs-783gg

Französische Realityshow : Tod im Dschungel

Abschiedsbrief des Arztes Thierry Costa kurz vor seinem Selbstmord in Kambodscha Bild: AFP

Vor zehn Tagen starb in Kambodscha ein Franzose bei den Dreharbeiten zu einer Realityshow. Kurz darauf nahm sich ein Arzt das Leben, der ihm hatte helfen wollen. Es könnte das Ende für die zynischen französischen Realityshows bedeuten.

          Im „Dschungelcamp“ von Europas größtem Privatsender Tf1 werden immer gefährlichere „Abenteuer“ durchgespielt. An einem Herzanfall sei ein junger Mann gestorben, die Todesursache sei eine natürliche gewesen, teilte die Produktionsfirma wortkarg mit. Die Dreharbeiten seien eingestellt worden, „Koh-Lanta“ komme in diesem Sommer nicht ins Programm, ließ der Sender Tf1 verlauten. Dann herrschte Funkstille.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          In den vergangenen Tagen jedoch äußerten sich Zeugen, die vor Ort waren, und frühere Teilnehmer zu den Vorfällen - anonym, denn sie sind durch Knebelverträge zum Schweigen verpflichtet. Erste Ungereimtheiten hatte das Medienportal „Arrêt sur Image“ des Kritikers Daniel Schneidermann zur Sprache gebracht. Im Rundfunk und in Zeitschriften kamen weitere Stimmen zu Wort. Ihnen zufolge wollte der die Produktion betreuende Arzt eingreifen, doch habe ihn der Regisseur daran gehindert. Auch beim Transport des Showteilnehmers in ein Krankenhaus sei einiges schiefgelaufen.

          Am Wochenende hat sich der Arzt, der die Sendung seit vier Jahren begleitete, das Leben genommen. Seine Ehre sei beschmutzt worden, erklärt er in einem Abschiedsbrief. Die in der Presse sich äußernden Zeugen allerdings hatten nicht ihn kritisiert, sondern die Produktionsleitung. Die Vorfälle werden in Frankreich untersucht, schließlich ist alles gefilmt worden. Für die skrupellosen französischen Realityshows könnte dies das Ende bedeuten.

          Topmeldungen

          Die Pläne der Senderführung beim HR sind ein Misstrauensvotum gegen die eigenen Mitarbeiter.

          Kurs des Hessischen Rundfunks : Weniger Kultur wagen?

          Beim Hessischen Rundfunk soll das Radio-Kulturprogramm hr2 nach dem Willen der Senderführung verschwinden. Die Argumentation für diesen Schritt ist typisch. Sie zeugt von Verachtung – für die Kultur, die Mitarbeiter und die Beitragszahler.