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Max Planck: eine Ausstellung in Berlin : Die Natur macht plötzlich Sprünge

Im dritten Teil begegnet man dem Wissenschaftsmanager Planck, der bedeutende Ämter in fast allen wichtigen Physikorganisationen der damaligen Zeit inne hatte - in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, der Preußischen Akademie der Wissenschaften oder der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, dessen Präsident er von 1930 bis 1937 war. Max Planck empfand Verantwortung für das Schicksal der gesamten Wissenschaft, was seinem beruflichen Ethos und seiner Pflichtauffassung entsprach, aber auch seiner Überzeugung, dass der moderne Wissenschaftsbetrieb nur dann optimal funktioniert, wenn er von den Forschern selbst organisiert wird und somit unabhängig von der staatlichen Bürokratie ist. Planck, der auch Einstein endeckte und einer der ersten war, der die Bedeutung der Relativitätstheorie erkannte, versammelte die namhaften theoretischen Physiker seiner Zeit um sich und machte Berlin zum Mekka der Physik. Das sogar die Wirren des ersten Weltkrieges überlebte - nicht aber die Herrschaft der Nazis über Deutschland. Ein großer Raum wird der mitunter fragwürdigen Rolle Plancks während dieses düsteren Kapitels gewidmet.

Max Planck erzählt

Beim Gang durch die Schau begegnetn man vielen historischen Ton- und Filmdokumentationen. Höchst sehenswert ist der Film "Geheimrat Max Planck" aus dem Jahre 1942. Darin gibt Planck freimütig Auskunft über sein Leben und berichtet über seine Entdeckung und wie er auf sie stieß. Wer sich die Zeit nimmt, kann den großen Gelehrten in seiner bescheidenen Art gewissermaßen persönlich erleben.

Die Organisatoren der Ausstellung haben eine Fülle von teils originalen, teils faksilmilierten Manuskripten, Publikationen und Briefen sowie Originalbildern und Filmen zusammengetragen, die sie auf einer überschaubaren Fläche von 800 Quadratmetern intelligent präsentieren. Die Menge der Dokumente ist beeindruckend und bisweilen auch erdrückend.

Dabei ist vieles verbrannt, als das Haus der Plancks unweit des Grunewaldsees bei einem Bombenangriff 1944 völlig zerstört wurde. Zu den Glanzstücken der Ausstellung gehören die gut erhaltenen Wanderschuhe, der Rucksack, die Joppe und der Eispickel des Physikers. Sie sind mit einigen Bildern die einzigen erhaltenen Zeugen von Plancks Wanderleidenschaft, die er mit seiner Familie, insbesondere aber mit seinem Sohn Erwin, teilte. Sie wurden in einer Berghütte des Deutschen Alpenvereins gefunden. Ein Foto, aufgenommen um 1900, zeigt den Familienmenschen mit seiner ersten Frau Marie und seinen vier Kindern.

Die Max-Planck-Gesellschaft

Der Betrachter ahnt das Glück und liest auf den Infotafeln, wie es zerbrach: Seine Frau stirbt 1909 nach 22 Ehejahren, sein erster Sohn Karl fällt 1916 im ersten Weltkrieg, wenig später sterben auch seine Zwillingstöchter Emma und Grete im Wochenbett. Ein weiterer schwerer Schlag im Leben Plancks ist die Hinrichtung seines Sohnes Erwin im Januar 1945 in Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler. Nahe gehen die Gnadengesuche Plancks an Himmler und Hitler: "Als Dank des deutschen Volkes für meine Lebensarbeit, die ein unvergänglicher geistiger Besitz Deutschlands geworden ist, erbitte ich das Leben meines Sohnes". Doch der Nobelpreisträger von 1919 und ehemalige Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft bleibt ungehört.

Dramatisch liest sich das Schicksal Plancks am Ende des zweiten Weltkrieges und wie er sich schwer krank als Nestor für den Erhalt der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft engagiert. Diese überlebt dank seines internationalen Rufs als Max-Planck-Gesellschaft. Am Ende der Ausstellung schwirrt der Kopf, aber die Worte, die Planck am Ende seines Selbstporträts von 1942 in die Kamera sprach, bleiben im Gedächtnis: "Ich bitte, dies nur als Versuch zu nehmen, mich zu äußern, damit etwas von mir überbleibt". In Berlin kann man sich noch bis zum Oktober davon überzeugen.

Max Planck - Revolutionär wider Willen. Im Deutschen Technik Museum Berlin, bis zum 5. Oktober 2008.

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