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Leserbrief : Das System der anonymen Gutachter birgt Vorteile

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Dem Beitrag über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) "Undurchsichtige Auftragsforschung" (F.A.Z. vom 6. Juli) muss ich nachdrücklich widersprechen. Als Wissenschaftler an nacheinander zwei deutschen Universitäten habe ich seit ...

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          Dem Beitrag über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) "Undurchsichtige Auftragsforschung" (F.A.Z. vom 6. Juli) muss ich nachdrücklich widersprechen. Als Wissenschaftler an nacheinander zwei deutschen Universitäten habe ich seit 1968 als Antragsteller und als Gutachter mit zahlreichen Fachreferenten und anderen Mitarbeitern der DFG-Geschäftsstelle sachlich fundiert zusammengearbeitet. In zahlreichen Verfahren hat sich nie auch nur der geringste Verdacht auf sachfremde Erwägungen ergeben.

          Von einem "nicht nachvollziehbaren Gutachterwesen", einer "undurchsichtigen Rolle der DFG", "schweren Versäumnissen", einer "Macht anonymer Gutachter" oder einem "opak oligarchisch agierenden Forschungsförderungsapparat" kann keine Rede sein. Zudem unterstützt die DFG keine Auftragsforschung, sondern von den Antragstellern selbst frei gewählte Forschungsvorhaben. Antragsteller können individuelle Wissenschaftler, Gruppen von Wissenschaftlern oder Universitäten sein. In jedem Falle wird jeder Antrag nach wissenschaftlichen Kriterien von mehreren unabhängigen Gutachtern aus dem jeweiligen Fachgebiet objektiv beurteilt. Nach den Gutachten durchläuft jeder Antrag weitere Prüfungen innerhalb der DFG. Jede Phase wird genau und sorgfältig dokumentiert. Bei den Ernennungen und Wahlen gibt es keine "Kungelei". Es gibt keine "Verflechtung der Gremien", die erklärt werden müsste.

          In freien, offenen Wahlen werden alle Mitglieder des Vorstands und des Senats der DFG sowie alle Fachgutachter gewählt. Die Fachgutachter werden von den für das jeweilige Fach zuständigen wissenschaftlichen Gesellschaften vorgeschlagen und nach an den Universitäten durchgeführten Wahlen auf Zeit entsandt. Dieser transparente Vorgang hält jeder objektiven Prüfung stand.

          Es wird gefordert, die Anonymität der Gutachter aufzuheben. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Das Für und Wider der Anonymität von Gutachtern von wissenschaftlichen Anträgen und Veröffentlichungen wird international von Zeit zu Zeit diskutiert. In nahezu allen entsprechenden Einrichtungen zur Forschungsförderung in den Vereinigten Staaten und Europa wird darauf verzichtet, weil man so gut wie immer von der gebotenen Objektivität der Gutachter ausgehen kann. Da zudem stets mehrere unabhängige Gutachter zusammenwirken, kommt eine wirksame interne Kontrolle zustande. Gutachter werden vor Übernahme ihrer Aufgabe aufgefordert, bei einem Interessenkonflikt oder anderen Gründen für eingeschränkte Objektivität nicht mitzuwirken.

          Insofern hat sich das System der anonymen Gutachter bewährt. Es wird auch bei den meisten wissenschaftlichen Zeitschriften angewandt. Das anonyme Verfahren geht davon aus, dass ein Gutachter sich frei äußern kann, ohne befürchten zu müssen, in persönliche Streitsituationen mit Kollegen zu geraten.

          Die Forderung nach einem Appellationsweg bei abgelehnten Anträgen würde zu einem bürokratischen Aufwand ohne wissenschaftliche Grundlage führen. Dies würde auch nicht den internationalen Gepflogenheiten bei der Entscheidung über Anträge auf Unterstützung eines Forschungsvorhabens entsprechen.

          Professor Dr. med. Eberhard Passarge, Essen

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