https://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/feuilleton/intendantenspion-1627379.html

: Intendantenspion

  • Aktualisiert am

In seinem gerade erschienenen Buch "Enttarnt" weist der Journalist Peter Ferdinand Koch den ehemaligen Intendanten der Deutschen Welle, Hans Otto Wesemann, als Agenten des sowjetischen Militärgeheimdienstes GRU, später des KGB aus.

          1 Min.

          In seinem gerade erschienenen Buch "Enttarnt" weist der Journalist Peter Ferdinand Koch den ehemaligen Intendanten der Deutschen Welle, Hans Otto Wesemann, als Agenten des sowjetischen Militärgeheimdienstes GRU, später des KGB aus. Die Russen erpressten Wesemann mit seiner Vergangenheit als Gestapo-Agent in der NS-Zeit. Bisher war kein fundierter Beleg für die Agententätigkeit Wesemanns überliefert, der von 1961 bis 1967 Intendant des deutschen Auslandssenders war. Der einstige "Spiegel"-Redakteur Koch erbringt ihn nun, befördert durch das Studium amerikanischer Geheimdienstakten. Doch was weiß und wie reagiert die Deutsche Welle?

          Schon vor seiner Wahl zum Intendanten habe es Mutmaßungen gegeben, dass Wesemann in der NS-Zeit "eine zweifelhafte Rolle gespielt" habe, erklärte ein Sprecher des Senders dieser Zeitung. Der Rundfunkrat habe Wesemann aber 1961 "in Kenntnis der damaligen Gerüchte" zum Intendanten gewählt. Dies sei eine Entscheidung, "die - falls die Vorwürfe gegen Wesemann so zutreffen - nur im Lichte des damaligen Zeitgeists erklärbar ist". Mit Blick auf ihr sechzigjähriges Bestehen im Jahr 2013 plane die Deutsche Welle eine Dokumentation ihrer Geschichte - auf der Grundlage gesicherter Quellen. Dies schließe "eine kritische Würdigung der handelnden Personen ein". Die Deutsche Welle lässt sich also Zeit. Müsste dem amtierenden Intendanten Erik Bettermann nicht daran gelegen sein, die Rolle eines seiner Vorgänger etwas zügiger zu erhellen?

          miha.

          Topmeldungen

          Die Messe ist gelesen: Mateusz Morawiecki verlässt den Plenarsaal

          Machtwechsel in Polen : PiS-Regierung verliert Vertrauensabstimmung

          Die PiS-Regierung hat keine Mehrheit im polnischen Parlament bekommen. Damit ist sie abgewählt. Nach der Abstimmung soll der bisherige Oppositionsführer Donald Tusk zum neuen Regierungschef gewählt werden.