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: Im Kampf gegen Bauer

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Die Zeit, in der Bundesverband nun sein Bestehen seit sechzig Jahren feiert, gehört nicht zu den besten. Der Streit mit dem Bauer-Verlag trübt das Bild der Branche, in der die Grossisten als neutraler Händler alle Zeitschriften an den Kiosk liefern.

          Die Zeit, in der Bundesverband nun sein Bestehen seit sechzig Jahren feiert, gehört nicht zu den besten. Der Streit mit dem Bauer-Verlag trübt das Bild der Branche, in der die Grossisten als neutraler Händler alle Zeitschriften an den Kiosk liefern. Jüngst verärgerte der Bauer-Verlag den Verband, indem er zwar vordergründig die Hand zum Dialog ausstreckte, aber mit einer Broschüre aus Sicht der Grossisten viel Falsches verbreitete (F.A.Z. vom 23. Juni). An diesem Donnerstag feiert der Bundesverband sein Jubiläum in Berlin - unter dem Motto "Täglich - Presse - Überall" und mit einer Rede des Kulturstaatsministers Bernd Neumann (CDU), der sich auch um den Bestand des neutralen Vertriebssystems sorgt. Seine Mitarbeiter sind jedenfalls im Gespräch mit dem Grosso-Verband und den Verlegern, um zu vermitteln.

          Bauer streitet jedoch nicht nur mit den Grossisten, sondern auch mit anderen Verlagen, die durch Bauers Egoshooter-Aktionen das Presse-Grosso-System gefährdet sehen. So hat der Bauer-Verlag kürzlich zum vierten Mal das Logo seiner umstrittenen Aktion "Top 100 Titel" geändert. Von der Ursprungsidee ist nicht mehr viel geblieben: Aus dem grünen Punkt mit der Schrift "Top 100 Titel" ist ein Dreieck geworden, auf dem "Bauer Media Group Bestseller" steht. Warum Bauer derart reagiert, dazu will sich der Verlag auf Anfrage nicht äußern. Im März hatte das Unternehmen angefangen, das Logo auf seine 25 größten Zeitschriften zu drucken, damit die Presse-Grossisten und die Einzelhändler diese Publikation auf einen Blick erkennen können und besser positionieren. Kritiker sehen darin eine Verletzung der Neutralität des Presse-Grosso-Systems. Gegen die Aktion war Gruner + Jahr immer wieder vorgegangen und erwirkte vor dem Hamburger Landgericht mehrere einstweilige Verfügungen gegen das Logo. Daraufhin änderte Bauer sein Symbol jedes Mal.

          Das Hamburger Landgericht habe mit seinen Entscheidungen die hohe Bedeutung der Neutralitätsverpflichtung des Presse-Grosso bestätigt, schreibt Olaf Conrad, Geschäftsführer der Vertriebstochter von Gruner + Jahr. Er forderte in einem Brief an die Grossisten, der dieser Zeitung vorliegt, dass diese eine solche Aktion nicht mehr unterstützen sollen, und schickte auch die Hamburger Urteile mit. "Ohne die Neutralität des Presse-Grosso gibt es keine Chancengleichheit im Regal. Und ohne Chancengleichheit im Regal keine Pressevielfalt", schreibt er. Immerhin das klingt nach einem richtigen Glückwunsch zum Jubiläum. JAN HAUSER

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