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Glosse Feuilleton : Kriegsmusik

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Valeri Gergiew, der Leiter des Mariinsky Theaters und bekanntester Ossete, gab bei einem Blitzbesuch im zerstörten Zchinwali ein Freilichtkonzert zu Ehren der "Lebenden und der Toten" unter seinen Landsleuten.

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          Valeri Gergiew, der Leiter des Mariinsky Theaters und bekanntester Ossete, gab bei einem Blitzbesuch im zerstörten Zchinwali ein Freilichtkonzert zu Ehren der "Lebenden und der Toten" unter seinen Landsleuten. Gergiew holte seine Petersburger Mariinsky-Musiker aus dem Urlaub, um in der zerbombten Hauptstadt von Südossetien Schostakowitschs "Leningrader" Symphonie und Tschaikowskys Sechste aufzuführen. Der Maestro, dessen übermenschliche Energie und musikalische Glut auch von seinen kaukasischen Wurzeln künden, kam vom BBC Proms Festival in London. Bevor die Petersburger nach einer improvisierten Probe vor den Ruinen des zerschossenen Parlamentsgebäudes Schostakowitschs schrecklich grandiose Kriegsmusik intonierten, sprach Gergiew den fünftausend, die sich auf dem Platz versammelt hatten, sein Beileid und seine Bewunderung aus. Zchinwali, das Gergiew ossetisch, ohne "i" am Schluss, benannte, habe in der Nacht zum 8. August einen Vernichtungsangriff erlitten, zu nachtschlafender Zeit und zur Eröffnung der Olympischen Spiele, da die Menschheit besonders auf Frieden hofft. Er wolle, dass die Welt die Wahrheit über die Ereignisse erfahre, erklärte Gergiew auf Russisch und auf Englisch vor einem Publikum, dessen größter Teil Schwarz oder militärische Tarnanzüge trug. Zchinwali sei eine Heldenstadt, das heutige Stalingrad. In der Ferne, wo einige Stadtviertel noch entmint werden, hört man Explosionen. Der Einmarsch russischer Truppen war rechtens, verkündete der Musiker, als er in Wladikawkas landete, vor Journalisten. Ohne ihn wäre die Opferzahl größer gewesen. Gergiew, der vor dem Konzert in Begleitung ossetischer Kinder auf dem Podium steht, gedenkt auch des Schul-Massakers von Beslan. Er wünsche der neuen Generation, die dieses Furchtbare erleben musste, Glück und Frieden für die Zukunft. Die meisten Osseten bezeichnen die georgischen Militärs, die ihre Stadt zerstörten, als "Faschisten", ebenso wie Georgiens Präsident Saakaschwili, der außerdem der "Wahnsinnige" (Manjak) genannt wird. Gergiew spricht von den Schuldigen an der jüngsten Katastrophe nur als "Aggressoren", die eine schlafende Stadt überfielen. Dann lässt er Schostakowitschs Musik schildern, wie Melodien von einem mechanischen Marsch buchstäblich zerfetzt werden. Die Zchinwaler, von denen viele brennende Kerzen in der Hand halten, lauschen, wie das monotone, munter stupide Kriegsmaschinenthema, das wie eine Spielzeugeisenbahn pianissimo aus dem Nichts kommt, zur stampfenden Fortissimo-Lokomotive wird, und schließlich, verknäult mit slawisch ziellos schweifenden Linien, muskulöses Verzweiflungsgeheul. kho

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