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Gazastreifen : Letzte Fragen

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Der Satz zeigt das fundamentale Missverständnis, an dem die Arbeit des PCHR krankt. Für das PCHR scheint bisweilen nur Kämpfer zu sein, wer mit der Waffe in der Hand stirbt. Das Völkerrecht sieht das anders.

Es ist verboten, Zivilisten zu beschießen, auch im Krieg. Niemand darf das von Rechts wegen tun - es sei denn, die Zivilisten kämpfen selbst. Dann ist es egal, ob ein Arzt eben noch geheilt, ein Journalist gefilmt oder ein Priester gesalbt hat. In dem Moment, da sie an Kämpfen teilnehmen, gilt ihr Schutz nicht mehr. Und das ist nicht erst der Moment, in dem jemand den Schlitten seiner Pistole zurückzieht, um eine Patrone in den Lauf zu laden.

Dem Völkerrecht nach war Abu Eisha kein geschützter Zivilist, auch wenn er als Journalist arbeitete. Trotzdem schrie die Welt auf. Die „New York Times“ schrieb davon, dass Israel den Krieg benutze, um Journalisten zu treffen. Human Rights Watch bezeichnete den Angriff auf die beiden Kameramänner als Kriegsverbrechen. Den Angriff auf Abu Eisha nicht.

Am Grab des Bruders

Auf der Homepage des Islamischen Dschihad erschienen in diesen Tagen noch viele weitere Fotos von Abu Eisha. Auf einem hält er eine professionelle Kamera in den Händen, er filmt die schäumende Gischt des Meeres vor Gaza. In einem anderen Land, zu einer anderen Zeit wäre er vielleicht Regisseur oder Dokumentarfilmer geworden, einer, den man mit Stipendien bedenkt und der in Arthouse-Kinos gezeigt wird oder Journalistenpreise bekommt. In diesem Leben aber war er Mitglied einer Organisation, die Juden den Tod wünscht und ihr Möglichstes tut, um das zu erreichen.

Wer als „Märtyrer“ stirbt, wird nicht gewaschen. Mohammed Abu Eishas Totengewand ist blutverschmiert. Es ist eine schwarz-gelbe Flagge, zwei Gewehre kreuzen sich im Wappen da, wo es kein Israel mehr gibt: in ganz Palästina. „Harakat al-dschihad al-islami“ steht darüber in Arabisch, „Bewegung Islamischer Dschihad“.

Hunderte von Menschen folgen seiner Bahre auf der „Straße der Märtyrer“ in Beir al-Dalah. Sein Leichnam wird neben dem Grab seines großen Bruders bestattet. Er war ebenfalls Mitglied des Islamischen Dschihad und starb 2002, während der Zweiten Intifada, als er israelische Soldaten aus dem Hinterhalt beschoss. Es ist, als führe in Gaza jede Geschichte zu einer anderen Geschichte, und nur, weil das Völkerrecht eine Sache später so oder so bewertet, hört sie deswegen nicht auf.

Anfang Dezember ist auch auf der Website des PCHR wieder von den toten Journalisten in Gaza die Rede. In der Bilanz des Krieges werden Journalisten sogar separat aufgeführt. Aber nun steht da nicht mehr drei, sondern „mindestens zwei“. Mohammed Abu Eisha wird heute inzwischen als Kämpfer geführt. Eine Berichtigung findet sich nirgends. Als vor wenigen Tagen eine Delegation internationaler Völkerrechtsexperten nach Gaza kommt und dem PCHR auf eigenen Wunsch hilft, die Klagen gegen Israel vorzubereiten, zeigt man ihnen mehr als ein Dutzend Schauplätze, wo Zivilisten umkamen. Den Ort des Todes von Mohammed Abu Eisha zeigt man ihnen nicht.

„Eines haben uns die Israelis ja voraus“, hatte Sourani, der Chef des PCHR, dem Reporter aus Deutschland gesagt. „Araber sprechen niemals über ihre Fehler.“

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