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Gazastreifen : Letzte Fragen

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Im Dienste des Dschihad

Im Jahr 2006, als die Hamas die Macht im Gazastreifen noch nicht blutig übernommen hat, schloss sich Mohammed Abu Eisha dem Islamischen Dschihad an. Unter den Radikalen in Gaza sind sie die Harten. Rasch erkennt man seine Intelligenz und setzt ihn als Aufklärer ein. Er beobachtet die israelischen Posten um Gaza. Er beschießt Militärbasen mit Panzerabwehrraketen. Er posiert mit Pistole. Ein Jahr nach Abu Eisha tritt auch der damals 17-jährige Hussan Yousef al-Ostaz dem Islamischen Dschihad bei und freundet sich mit Abu Eisha an. Es wird eine Freundschaft bis in den Tod.

Beide, Abu Eisha und sein Kamerad, nehmen auch an den Raketenangriffen auf „zionistische Städte und Jerusalem“ teil, wie es der Islamische Dschihad stolz auf seiner Website berichtet. Sie nennen die Operation „Blauer Himmel“ - und meinen den Gazakrieg im November. Sechs Israelis und zwei Palästinenser wurden durch solche Raketen aus Gaza getötet, auch der Islamische Dschihad verschoss einige Dutzend, zum Beispiel auf Tel Aviv, eine Stadt, die dichter besiedelt ist als der Gazastreifen. Mohammed Abu Eisha, der Militante, steht hier in einer Linie mit den Terroristen, die in Cafés gehen und an der Zündungsleine ziehen.

Unterwegs mit der Fieldworkerin

Unsere Fahrt geht durch Gaza-City, eine Stadt, in die F-16-Kampfflugzeuge im November Schneisen geschlagen haben wie überdimensionale Zahnlücken. Durch die Fensterscheiben des Wagens blickt Sabreen Al Tartor auf diese Stadt; es ist ihr Arbeitsgebiet. Wir fahren vorbei an dem Stadion mit den riesigen Bombenkratern, vorbei an den zersplitterten Fenstern mit den Schutzfolien davor, vorbei auch an den Trümmern der Nationalbank. Sabreen Al Tartor, eine junge Frau in einem langen schwarzen Kleid und einem blau-rot geblümten Schleier, ist eine von zehn Fieldworkern des PCHR. Keine Organisation arbeitet hier schneller und detaillierter als das PCHR, in einem Gebiet, das so groß und so bevölkert ist wie Wien.

„Als es den Angriff auf die Bank of Palestine gab, bin ich auch hierhin gefahren. Ich dachte, vielleicht finde ich ja ein paar Geldscheine zwischen den Steinen“, sagt sie und lacht. Es ist ein gefährlicher Job.

Wenn eine Rakete einschlägt, fährt Al Tartor zum Schauplatz. Oft erfährt sie davon aus den Nachrichten, manchmal ruft sie jemand an, aber gelegentlich kann sie auch dem Rauch folgen. Als acht Raketen das Innenministerium trafen, wachte ganz Gaza-City auf. Al Tartor sieht dann, wie Leichen und Verwundete aus den Trümmern gezogen werden, und zählt: Tote, Verletzte, Schrapnelle, Waffen, Uniformen. Manchmal muss sie zweimal zählen, wenn man erst den Körper findet und dann den Kopf. Ihre Fotos, ihre Notizen, all das übergibt Al Tartor der Koordinatorin der Fieldworker. Dann werten Rechercheure und Juristen die Indizien aus. Manchmal bitten sie Ballistikexperten von der Polizei um Rat, wenn nicht klar ist, woher die Munitionssplitter kommen.

Wer stirbt wann wobei?

Könnte es nicht sein, dass einer wie Abu Eisha tagsüber mit der Kamera filmt und nachts Raketen verschießt? „Warum haben sie ihn dann nicht nachts angegriffen, wenn er angeblich Raketen verschießt?“, fragt Sabreen Al Tartor zurück.

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