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Gazastreifen : Letzte Fragen

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Drei tote Journalisten?

Es ist 18.43 Uhr, als Abu Eisha und sein Freund Hussan in die Al-Birkeh-Straße einbiegen. Graue, unverputzte Häuser säumen den Weg, ein hoch liegendes Geflecht aus Stromleitungen hängt über dem Pflaster. Eine Minute später dröhnen Flugzeuge über seinen Vater, der ins Haus gegangen ist. Dann hört der Vater einen lauten Knall, wie von einer Explosion. Er rennt herbei, läuft in Richtung Al-Birkeh-Straße und sieht seinen Sohn dort liegen. Er blutet aus der Nase, dem Mund, dem ganzen Körper. Auch diese Rakete hat ihr Ziel nicht verfehlt. Mohammed Abu Eisha, der Radiomacher, und sein Freund Hussan Yousef al-Ostaz sterben noch auf dem Pflaster der Straße.

Am 20. November 2012 wurden in Gaza zwei Kameramänner durch israelische Raketen gezielt getötet - und Mohammed Abu Eisha.

Drei Journalisten wurden an diesem 20. November 2012 in Gaza getötet, melden Agenturen und berufen sich auch auf das PCHR. Drei Journalisten sind tot, melden später Zeitungen weltweit. Drei Journalisten, sagt die UN, und auch die Unesco, die nicht nur Bauwerke, sondern auch Journalisten geschützt sehen will, gibt ein Statement für die Medien ab. Warum, fragt die Generalsekretärin der Unesco sich, Israel und die Weltöffentlichkeit, warum wurden sie getötet? Warum durften sie ihren Beruf nicht frei ausüben? Sie nennt die Namen der drei Toten: Mahmoud Al-Komi, Hossam Salameh Mohammed, zwei Kameramänner. Der dritte ist Mohammed Abu Eisha.

Die „Reporter ohne Grenzen“ nehmen Abu Eisha und die beiden Kameramänner in ihren Jahresbericht auf, der wenige Tage vor Weihnachten veröffentlicht wird. Er steht jetzt in einer Linie mit Tim Hetherington, Daniel Pearl oder Hilal Al-Ahmadi, der im Irak erschossen wurde, weil er seinen Beruf frei ausübte.

Chirurgische Präzision oder Versehen?

„Bis zum 5. Tag der Offensive waren die zivilen Verluste tolerierbar“, sagt Raji Sourani in seinem Büro. „Dann wurde es sehr, sehr hässlich.“ Er meint die 101 Zivilisten, die laut PCHR starben, darunter drei Journalisten. Woran kann es liegen, dass eine hochorganisierte Armee wie die Israels so sehr am eigenen Anspruch „chirurgischer Präzision“ scheiterte? Sourani blickt ins Leere. „Ich weiß es nicht“, sagt er. „Ich glaube, das war ein massives Versagen der Geheimdienste.“

Und bei Mohammed Abu Eisha?

Am 21. November, dem Tag, da Ban Ki-Moon und die Welt seinen Tod verurteilen, wird auf einer Homepage des Islamischen Dschihad ein Foto von Mohammed Abu Eisha veröffentlicht. Sein Barett, schwarz mit kreisrund-gelbem Emblem, sitzt vorschriftsmäßig auf dem Kopf, als hätte der Befehlshaber persönlich Hand angelegt. Auch die Uniform passt ihm gut, erstaunlich für einen ehemaligen Studenten, die in Armeekluft oft aussehen wie aus dem Kostümverleih. Fast niemand nimmt davon Notiz, anscheinend auch nicht das PCHR.

Der Terrorist: Mohammed Abu Eisha.

Davon wisse man nichts, heißt es. Man frage schließlich Verwandte, Nachbarn und Freunde. Man habe sogar eigens eine Schulung von Amnesty International bekommen, was die Einteilung von Zivilisten und Kombattanten angeht. „Es kann uns nicht passieren, dass wir einen Zivilisten für einen Kombattanten halten oder umgekehrt“, sagt ein Anwalt des PCHR.

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