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Entführung in Syrien : So war es wirklich!

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Erleichtert über seine Befreiung: Die französische Regierung soll 18 Millionen Dollar Lösegeld bezahlt haben, um den Journalisten Didier François und seine drei Kollegen aus der Geiselhaft in Aleppo freizukaufen. Bild: AFP

Am 19. April kam die erlösende Nachricht: Die vier in Syrien entführten französischen Journalisten sind frei. Jetzt wurde bekannt, dass Paris achtzehn Millionen Dollar bezahlt hat, um die Männer zu retten.

          Die französische Regierung hat nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Focus“ für die Befreiung von vier in Syrien entführten Journalisten ein Lösegeld von 18 Millionen Dollar bezahlt. Zehn Monate hatten sich die Männer in der Gewalt syrischer Entführer befunden. Am 19. April kam die Nachricht ihrer Befreiung. Damals hieß es, türkische Soldaten hätten die Männer mit verbundenen Augen und gefesselten Händen im Niemandsland an der Grenze zu Syrien gefunden.

          Nato-Sicherheitsexperten zufolge war die Funkspionage des französischen Auslandsnachrichtendienstes DGSE jedoch die ganze Zeit über den Aufenthaltsort der Geiseln informiert. Zudem hätten Informanten des britischen, spanischen und des amerikanischen Geheimdienstes berichtet, dass die entführten Männer noch lebten. Aufgrund der Kämpfe in Syrien entschied sich die französische Regierung gegen einen Kommandoeinsatz zur Befreiung der Geiseln.

          Der französische Verteidigungsminister Jean Yves Le Drian führte die Verhandlungen und soll sogar zur Lösegeldübergabe in die türkische Stadt Ankara geflogen sein.


          Ranghöchster Vermittler auf französischer Seite war Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. In der Karwoche soll der Politiker die Lösegeldsumme per Sondermaschine nach Ankara gebracht haben. Der türkische Geheimdienst MIT stand in inoffiziellen Kontakten zu zwei islamistischen Rebellengruppen, die mit dem Kidnapping in Verbindung gebracht werden. Türkische Agenten bezahlten laut „Focus“ das Lösegeld aus und brachten die Geiseln am Ostersonntag in die Freiheit zur syrisch-türkischen Grenzstadt Akcakale.

          Edouard Elias, Pierre Torres und Nicolas Henin  (v.l.)

          Bei den vier Journalisten handelt es sich um den Radioreporter Didier François vom Sender Europe-1, um die Fotografen Edouard Elias und Pierre Torrès und Nicolas Hénin vom Magazin „Le Point“. Die französischen Reporter im Alter zwischen 22 und 53 Jahren mussten während  ihrer zehnmonatigen Geiselhaft Scheinhinrichtungen und körperliche Misshandlungen über sich ergehen lassen. Die Männer waren im Juni 2013 von islamistischen Gruppen gekidnappt und in einem Kellerverlies bei Aleppo gefangen gehalten worden, zeitweise eng aneinander gekettet.

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