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: Einmal Pizza Debito

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"Austerity" lautet derzeit das meistverwendete Fremdwort in Italien. Um die rigiden Sparmaßnahmen, die sich aus diesem Konzept der finanziellen Unabhängigkeit ergeben, einigermaßen problemlos durchzuboxen, hat Finanzminister Giulio Tremonti zum Rasenmäher gegriffen.

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          WIEN, 23. Juli

          "Austerity" lautet derzeit das meistverwendete Fremdwort in Italien. Um die rigiden Sparmaßnahmen, die sich aus diesem Konzept der finanziellen Unabhängigkeit ergeben, einigermaßen problemlos durchzuboxen, hat Finanzminister Giulio Tremonti zum Rasenmäher gegriffen. Die Kürzung der Mittel um sechs, zehn oder gar fünfzehn Prozent hat auch vor dem Ministerium der "Beni e Attività culturali" (Mibac) nicht haltgemacht. Sandro Bondi, einstiger Kampagnenführer Berlusconis und Hüter des "Mibac", zeigt sich vor der großen Sommerpause schon zufrieden, dass er das Ärgste - den Zusammenbruch ganzer Institutionen - gerade noch verhindern konnte. Wäre es nach Sparkommissar Tremonti gegangen, allein der Fonds für kulturelle Stiftungen hätte auf einen Schlag 65 Prozent seiner Gelder verloren. Nach harten Diskussionen reduzierte die Regierung die Streichungen von dreizehn auf vier Millionen Euro. Und Hunderte kleinster Institute wie Bibliotheken, aber auch namhafte Einrichtungen wie die Sprachpfleger der "Società Dante Alighieri" oder der Bücherfreunde von der "Fondazione Feltrinelli" dürfen vorerst aufatmen.

          Wie es 2011 weitergeht, das weiß auch der immer etwas scheu wirkende Toskaner Bondi nicht zu sagen. Er bezeichnet die sechsprozentigen Abzüge für Aushängeschilder wie die Biennale von Venedig, die Triennale von Mailand oder das Festival von Spoleto als "Solidaritätsbeitrag". In Zukunft, so machte der Minister deutlich, will er sich aber lieber auf solche Renommierprojekte konzentrieren, anstatt wahllos kleinste Politikstiftungen oder regionale Liebhabereien zu unterstützen. Wie indes sollen Kulturinstitutionen vor allem in den armen Regionen des Mezzogiorno ohne Zuschüsse aus Rom überhaupt weitermachen? Wenn der Minister nun davon spricht, er wolle die ohnehin schon selbständigen und dadurch unterfinanzierten Opern- und Theaterstiftungen weiter "aus der erstickenden Umarmung des Staates" befreien, so fürchten die Funktionsträger im Bühnensektor zu Recht das Schlimmste.

          Dabei erhält das Kulturministerium ohnehin schon eine lächerlich geringe Summe für das Land mit den meisten Kulturschätzen der Welt. Die gerade einmal 58 Millionen Euro machen nicht mehr als 0,34 Prozent des Gesamthaushalts aus - und sollen in den kommenden Jahren auf 0,21 Prozent weiter sinken. Bondi, der in seiner Freizeit gerne Lobdichtung auf sein Idol Berlusconi verfasst, weiß selbst, dass dieses Geld vorne und hinten nicht reicht. Statt sich jedoch über eine erzliberale Parteilinie zu beschweren, die er selbst mit zu verantworten hat, spricht Bondi lieber von vagen Projekten: von einer außerordentlichen, nur der Kultur gewidmeten Kabinettssitzung und von einem Runden Tisch, an dem außer ihm und Berlusconi auch der Tourismus- und der Wirtschaftsminister Platz nehmen sollen. Doch was konkret dürfte dabei herauskommen? Soll Berlusconi als deus ex machina noch einmal - wie 2009 geschehen - die darbenden Opernhäuser mit einem Sondergeschenk aus dem staatlichen Katastrophenfonds beglücken?

          Statt immer nur von der Kultur zu nehmen, so schlägt Bondi schüchtern vor, müsse die Regierung "anerkennen, was die Kultur insgesamt für das Land leistet". Bisher wirkt es nicht so, als sei die Botschaft vor allem beim mächtigen Wirtschaftsminister Tremonti oder beim vielleicht noch allmächtigeren Bürochef des Premiers, Gianni Letta, angekommen. Von solchen politischen Schwergewichten erbittet Bondi jetzt langfristige Steuerentlastungen für den Kultursektor. Immerhin hat er dies für die Filmbranche, die dem Filmproduzenten Berlusconi durchaus am Herzen liegt, bereits bis 2013 festgeschrieben.

          Gerade in der Kinobranche sind auch echte Richtungswechsel beim Subventionieren zu erkennen. Bondi fördert ab sofort rigoros nur noch die Werke junger Regisseure und streicht regionale Projekte ohne nationale Bedeutung komplett. Er baut die beachtliche Bürokratie bei der Filmförderung ab, indem er Kommissionen verkleinert und im eigenen Haus mit dem Sparen anfängt. Einen Wasserkopf konnte der Minister trotz großer Proteste ganz streichen: die Kommission für nationale Jubiläen, die nach den Feierlichkeiten zur 150. Wiederkehr der Staatsgründung gewiss gern mit dem Planen, Feiern und Diskutieren nahtlos weitergemacht hätte. Aber ob sich auf ähnlich rigide Weise auch die Kosten für Opern, Filmfestivals, Museen und Bibliotheken einsparen lassen?

          Das Aufatmen bei den Kulturschaffenden, dass die ganz große Katastrophe erst einmal abgewendet wurde, ist denn auch nicht von Dauer. Nach den Ferien, also im September, wird bereits über den kommenden Etat verhandelt. Im Land der neu entdeckten "Austerity" gibt es nur eine Gewissheit: Mehr Geld für die Kultur wird es ganz sicher nicht geben. DIRK SCHÜMER

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