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: Ein Geschenk für das Musée Picasso in Paris

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Die kleine Micheline war noch keine zwei Jahre alt, als Picasso sie und ihre Mutter auf der Leinwand festhielt. Das "Portrait de Madame Paul Rosenberg et sa fille" ist im Sommer 1918 in Biarritz entstanden, wo Picasso und Olga als ...

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          PARIS, im Januar

          Die kleine Micheline war noch keine zwei Jahre alt, als Picasso sie und ihre Mutter auf der Leinwand festhielt. Das "Portrait de Madame Paul Rosenberg et sa fille" ist im Sommer 1918 in Biarritz entstanden, wo Picasso und Olga als Gäste der Sammlerin Eugenia Errazuriz sich fern des Krieges aufhielten. Auch der Pariser Kunsthändler Paul Rosenberg hatte in dem mondänen Seebad Zuflucht gefunden. Während seines Aufenthalts gelang es ihm, die Nachfolge Daniel-Henry Kahnweilers als Händler Picassos anzutreten. Als deutscher Staatsbürger musste Kahnweiler Frankreich zu Beginn des Ersten Weltkriegs verlassen, Rosenberg stellte Picasso dagegen die Eroberung des amerikanischen Markts in Aussicht. In dieser "gesegneten Zeit", wie Picasso die Wochen dort bezeichnete, fertigte er das naturalistische Porträt der Frau und der Tochter Paul Rosenbergs. Vor kurzem ist das Ölbild aus dem Nachlass von Micheline Sinclair-Rosenberg in den Besitz des Musée Picasso übergegangen. Der französische Staat hat das Gemälde durch "Übergabe zur Zahlung der Erbschaftsteuer" erworben. Ein noch von André Malraux initiiertes, 1968 verabschiedetes Gesetz erlaubt es den Erben künstlerisch und historisch bedeutender Werke, diese dem Staat zur Zahlung der Erbschaftsteuer anzubieten. Eine fünfköpfige Kommission aus Vertretern des Kultur- und des Finanzministeriums prüft Relevanz und Wert der angebotenen Objekte, die letzte Entscheidung liegt beim Finanzministerium. Das "Porträt der Madame Rosenberg und ihrer Tochter" gehört nicht zu den bahnbrechenden Werken Picassos, aber seine direkte Provenienz aus dem Besitz des Händlers Paul Rosenberg macht es ebenso attraktiv wie die Geschichte seiner Entstehung: Die Enkelin Rosenbergs, die französische Journalistin Anne Sinclair, ist die Ehefrau des derzeitigen Vorsitzenden des internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn. Der Marktwert des Porträts, so wird geschätzt, könnte bei 20 bis 25 Millionen Euro liegen. Der Gesamtwert der "Übergaben von Kunstwerken zur Zahlung der Erbschaftsteuer" lag für das Jahr 2008 bei rund 17,2 Millionen Euro - für einen Picasso dieser Rarität ist somit ein sehr günstiger Preis angefallen. (A.H.)

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