: Das Weltgewissen ruft aus Stockholm
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Es war ein erlesener Kreis von Wissenschaftlern, der sich in dieser Woche in Stockholm eingefunden hatte, um über elementare Fragen zu diskutieren, die die Zukunft der Erde und der ganzen Menschheit betreffen.
STOCKHOLM, 20. Mai
Es war ein erlesener Kreis von Wissenschaftlern, der sich in dieser Woche in Stockholm eingefunden hatte, um über elementare Fragen zu diskutieren, die die Zukunft der Erde und der ganzen Menschheit betreffen. Rund zwanzig Nobelpreisträger und zwei Dutzend internationale Fachleute debattierten darüber, wie es gelingen könnte, eine nachhaltige Welt zu schaffen. Eine Welt, in der Ressourcen geschont, der Erderwärmung und dem Artensterben Einhalt geboten, die Regenwälder geschützt und die elementaren Bedürfnisse aller Menschen gedeckt werden können. Große Fragen also, auf die es keine einfachen Antworten gibt, die aber beharrlich darauf warten, beantwortet und angegangen zu werden. Herausgekommen ist ein gemeinsames Memorandum der Nobelpreisträger, das von den Kongressteilnehmern unterzeichnet und an eine vom Generalsekretär der Vereinten Nationen eingesetzte Expertengruppe zur globalen Nachhaltigkeit überreicht wurde. Die Empfehlungen sollen die Basis für "Rio+20" bilden - für den Erdgipfel, Teil 2 -, jenes umweltpolitische Megatreffen der Völkergemeinschaft, das im kommenden Jahr in Rio de Janeiro stattfinden wird.
Nach 2007 in Potsdam und 2009 in London haben sich nun zum dritten Mal Nobelpreisträger aller Disziplinen getroffen, um mit der Stimme der Wissenschaft an Entscheidungsträger aus der Politik und Wirtschaft zu appellieren, die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung und Gestaltung der Welt zu stellen. Den Ort für diesen Anlass hätte man nicht passender wählen können: die ehrwürdige Linnaeus Hall der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften, wo jedes Jahr im Oktober die künftigen Nobelpreisträger verkündet werden. Hatte man bei den vorangehenden Treffen den Fokus vor allem auf das Weltklima gerichtet und wie die Erderwärmung schnellstmöglich gestoppt werden kann, so ist das Themenspektrum dieses Mal deutlich weiter gespannt worden. Es umfasste alle Bereiche, in denen der Mensch seinen ökologischen wie ökonomischen Fingerabdruck hinterlassen hat: die Abholzung der Regenwälder, das dramatische Verschwinden von Pflanzen- und Tierarten, die gnadenlose Ausbeutung von Bodenschätzen und das wachsende Ungleichgewicht zwischen reichen und armen Ländern.
"Wir verbrauchen in einem Jahr die Ölreserven, die in einem Zeitraum von vier Millionen Jahren entstanden sind. Die Menge an Kupfer, die wir als Kabel, Drähte und an anderer Stelle verbaut haben, übersteigt mittlerweile die Menge an Kupfer, die noch in der Erde steckt", sagte Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Initiator der Nobelpreisträgertreffen. "Gleichzeitig hat eine Milliarde Menschen noch immer keinen Zugriff auf sauberes Trinkwasser, ähnlich hoch ist die Zahl der Menschen, die permanent Hunger leiden. Gleichzeitig werfen wir rund fünfzig Prozent der Lebensmittel einfach weg." Zustände, denen dringend Einhalt geboten werden müsse.