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Bill Ramsey : Mann der zwei Karrieren

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An jedem älteren guten Jazzer Deutschlands klebt ein Gassenhauer. Paul Kuhn wird auf ewig der biersüchtige "Mann am Klavier" bleiben, die Valente wird allzeit mit dem "Itsy Bitsy Teenie Winnie Honolulu Strandbikini" verbunden sein, und Bibi Johns mit "Bella Bimba".

          An jedem älteren guten Jazzer Deutschlands klebt ein Gassenhauer. Paul Kuhn wird auf ewig der biersüchtige "Mann am Klavier" bleiben, die Valente wird allzeit mit dem "Itsy Bitsy Teenie Winnie Honolulu Strandbikini" verbunden sein, und Bibi Johns mit "Bella Bimba". Bill Ramsey hängen in den Augen aller Gralshüter des lupenreinen Jazz gleich drei Bleigewichte an: Die Schlager "Souvenirs, Souvenirs", "Pigalle" und die "Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe". Alle drei platzen fast vor Swing, sind Evergreens, die jeder kennt - aber sorgten zwischen 1959 und 1964 dafür, dass Bill Ramsey zum musikalischen Spaßmacher vom Dienst abgestempelt wurde.

          Er spielte mit, tapste als korpulenter, kulleräugig naiver Teddy mit Hang zum Schlawinertum durch 28 vergessenswerte Musikfilme, zahllose nette Fernsehshows und Schlagertourneen. Gerechnet dürfte er anfangs damit nicht haben. Denn als man ihm, dem in Cincinnati geborenen Yale-Studenten, der als GI bei der amerikanischen Luftwaffe in Frankfurt diente und dort im legendären "Jazz-Keller" als Sänger entdeckt worden war, die "Souvenirs" anbot, bestachen ihn das swingende Arrangement und der ironische Text.

          So rieb er denn mit seiner aufgehellten, Sinatra-unterfütterten Satchmo-Stimme dem deutschen Michel nebst Gattin sämtliche Träume der Klatschpresse unter die Nase, bot ihnen "von der Gitarre eine Saite, die Elvis schlug, und den Verschluss der Bluse, die die Lollo trug". In die selbe Kerbe schlugen seine "Zuckerpuppe", in der ein biederer Angestellter beim heimlichen Barbesuch in der verschleierten Bauchtänzerin entgeistert "Elfriede aus Wuppertal" wiedererkennt, und "Pigalle", die "große Mausefalle mitten in Paris".

          Dass die Erfolgskurve des Schlagersängers Bill Ramsey 1962 nach dem vierten großen Hit "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" mit "Nichts gegen die Weiber", einem Duett mit Bibi Johns, sich sachte zu neigen begann, lag nicht etwa an der neuen Frauenbewegung, sondern am Einstieg des internationalen - und dem Abstieg des deutschen Schlagers: "Was wir auch reden, sie ziehn die Fäden" - Ramsey zog dieselben fortan selbst, ging 1965 mit Paul Kuhn und fünf gestandenen Jazzmusikern ins Studio und fing wieder an, wo er 1958 aufgehört hatte. Blues und Jazzballaden; noch heute fällt einem zu seinen Versionen von "Willow weep for me" und "Round Midnight" nichts anderes als das Wort unübertrefflich ein.

          Gospel, Country, Folk und immer wieder Jazz. Bill Ramsey wuchs mit den Jahrzehnten zum gefeierten Altmeister des Genres, füllt Kleinkunstbühnen ebenso wie Konzerthallen, moderiert und experimentiert wie zum Beispiel auf einer seiner jüngsten CDs, die er nur in Begleitung des Bassisten Jean Louis Rassinfosse eingespielt hat.

          Dass dieser Mann am kommenden Freitag 80 Jahre wird, verblüfft, zumal, wenn er bei einem seiner Konzerte noch ein-

          mal seine "Souvenirs" auspackt und dann mit dem "St. James Infirmary Blues" Gänsehaut erzeugt. Beide gehören zusammen wie Wirtschaftswunder und Achtundsechzig, Bier und Scotch - unsere Geschichte. BAT

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